Ich war einige Tage in Deutschland und dort hat mir einiges doch sehr zu denken gegeben. Unter anderem ein Editorial in der Stuttgarter Zeitung vom 12.Juni:
“Eigentum verpflichtet. Endlich hat das Bundesverfassungsgericht einmal mit der notwendigen Klarheit deutlich gemacht, wozu Eigentum verpflichten kann. … Es kann reiche und gesunde Menschen dazu verpflichten, wenigstens drei Jahre lang in eine soziale Krankenkasse einzuzahlen, obwohl sie sich bei einer privaten Versicherung besser und sogar noch billiger absicher könnten. Das ist nicht sehr viel. Aber es ist erheblich mehr, als sich bisher einige Zeitgenossen vorstellen konnten, die der Überzeugung waren, Eigentum verpflichte ausschliesslich dazu, den eigenen Wohlstand zu mehren….”
Des Weiteren die Beobachtung vom Strassencafe in der Shoppingmeile, dass keiner – kein einziger – der vielleicht nicht “reichen”, aber doch sorglos shoppenden und flanierenden Menschen einem freundlichen Strassenzeitungs-Verkäufer seine Zeitung für 1.70 € abkaufte. Die meisten schauten ihn nicht mal an.
Und gestern die Meldung zum SPD-Regierungsprogramm, dass die “Gutverdienenden” nun auch zur Bewältigung der Wirtschafts- und Finanzkrise herangezogen werden sollen: “Geringverdiener und Familien sollen unter anderem durch einen niedrigeren Eingangsteuersatz und einen höheren Kinderfreibetrag entlastet werden. Gutverdiener sollen durch einen «Bildungs-Soli» als Aufschlag auf den Spitzensteuersatz und eine Börsenumsatzsteuer stärker zur Kasse gebeten werden.”
Ich überlege mir, wohin diese von aussen wahrnehmbare, sich seit der Finanzkrise noch steigernde Gesellschafts-Haltung des “Reichtum verpflichtet!” führen könnte.
Nicht nur, dass sich “Gutverdienende” zunehmend überlegen, ob sie nicht anderswo eben so glücklich leben könnten. Unternehmerisches Risiko und 50-60-70-Stunden-Wochen sind auch in anderen Ländern möglich und werden dort unter Umständen nicht so hart bestraft… Immerhin zahlen Gutverdiener in Deutschland schon jetzt Spitzensteuersätze von über 50%.
Aber für mich stellen sich für die Zukunft des Fundraisings auch folgende grundsätzliche Fragen:
a. Welche Motivation werden “Reiche” in Zukunft haben, sich zusätzlich zum Spitzensteuersatz, zu Solidaritätsbeiträgen, zu Versicherungszwängen etc… auch noch spendenmässig für das Gemeinwohl zu engagieren?
b. Wie weit werden Menschen, die sich als “nicht-reich” definieren, ihre gesellschaftliche Verantwortung auf die “Reichen” übertragen?
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