Vor zwei Jahren habe ich in unserem Newsletter noch über das dann immer noch relativ neue Phänomen des Gegoogelt-Werdens geschrieben. Heute hört sich das fast schon nach guter alter Zeit an, als man noch versuchen konnte, sich offline zu verstecken, wenn man online nicht gefunden werden wollte.
Heute ist es fraglich, ob überhaupt noch jemand sich selbst oder seine Aktivitäten verstecken kann.
Das zeigen auch die vielen, vielen Videos, die uns dieser Tage aus dem Iran erreichen. Kein Regime kann heute mehr seine Sünden verstecken. Das war schon bei Tiananmen schwierig, heute ist es unmöglich geworden: Die Öffentlichkeit besitzt Handies und Computer und sie ist überall – auf den Strassen und in den Netzen, bei Twitter, Facebook und YouTube.
Eigentlich eine klasse Sache – oder? Kein zahnbürstenbärtiger Diktator kann mehr ein ganzes Volk zum Kuschen bringen.
Andererseits bedeutet es auch – wieder einmal – ein Umdenken in der Kommunikation. Auch für NPO.
Auch sie können sich nicht länger hinter ihren Strukturen verstecken. Ihre Mitarbeiter, ihre Spender sind online unterwegs und geben ihre Meinungen online weiter – an wen auch immer. Viele NPO betrachten diesen neuen und zunehmenden Kontrollverlust mit grosser Nervosität: was kann nicht alles passieren, wenn wir unsere Kommunikation nicht mehr kontrollieren?
Manche NPO und auch manche Unternehmen sind schon eifrig dabei, Social Media Policies aufzustellen, darüber wo und wie ihre Mitarbeiter über sie reden dürfen. Andere, vor allem CEOS amerikanischer Unternehmen, wagen jedoch die Flucht nach vorn:
Sie wissen, dass sie sich nicht verstecken können. Also sorgen sie dafür, dass sie alles, aber auch alles, was irgendwie interessant ist, selbst verbreiten oder verbreiten lassen – von den grössten Triumphen bis zu den grössten Fehlern. Das ist der einzige Weg, um heute die eigene Online-Öffentlichkeitswirkung noch irgendwie positiv beeinflussen zu können.
So sagt Clive Thompson in seinem Artikel “The See-Through CEO” auf Wired:
“Being transparent, opening up, posting interesting material frequently and often is the only way to amass positive links to yourself and thus to directly influence your Googleable reputation.”
Tags: Google, Kommunikation, Social Media, Transparenz
