Archiv für August 2009

SOS Kinderdorf goes digital – II

Montag, 31. August 2009

Da wir ja jetzt SOS-Kinderdorf auf Twitter und auf Facebook folgen, sehen wir dort öfter mal etwas Neues. Zum Beispiel die Bildergalerie aus Sri Lanka, den Gaza-Blog oder die Fundraising-Kampagne «Ändern Sie den Stundenplan». Alles gute Beispiele für das, was heute im Online-Fundraising möglich ist.

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Septemberkinder: We want your birthday!

Montag, 31. August 2009
charity: water ist die NPO, die im Februar 2009 mit einer äusserst erfolgreichen Twitter Twestival-Spendenkampagne von sich reden machte. Die Twitter-Gemeinde hatte entschieden, für charity: water zu sammeln und am Schluss kamen dabei mehr als $250′000 zusammen.

Die September-Kampagne
charity: water hat aber auch noch ganz andere Ideen: Weil charity: water begann, indem der Gründer seine Freunde um Spenden zu seinem Geburtstag im September bat, veranstaltet die NPO jetzt seit 2008 jährlich die «September-Kampagne». Laut der NPO-Website spendeten letztes Jahr 800 Menschen ihren September-Geburtstag, indem sie ihre Freunde, Familie und auch Fremde um Spenden für charity: water baten. Zusammen mit den Matching Gifts wurden so fast 1 Million US Dollar gesammelt, die in Äthiopien für sauberes Wasser eingesetzt wurden. Auf der Website von charity: water kann man natürlich nicht nur seinen September-Geburtstag spenden, sondern auch seine Hochzeit, sein Jubiläum, seine Ferien oder man kann Marathons laufen, Berge erklettern, aus Flugzeugen springen – oder auch ganz einfach eine eigene Fundraising-Seite erschaffen.



Aufmerksamkeit im Wandel der Zeit.

Dienstag, 25. August 2009

Marketing-Spezialist Seth Godin schrieb heute in seinem Blog einen interessanten Artikel über das Thema Aufmerksamkeit im Marketing und wie sich diese im Lauf der Zeit gewandelt hat.

Flächendeckende Aufmerksamkeit.
Was Godin als Zeit des «Aufmerksamkeitsmangels» bezeichnet, ist für uns jedoch eher zu verstehen als die Zeit, in der die Aufmerksamkeit flächendeckend und en masse zu haben war. Man konnte sich darauf verlassen, dass Millionen Fernsehzuschauer eine Sendung anschauen, einen Werbespot sehen und sich evtl. im Laden an die Marke erinnern würden.

Man konnte sich mehr oder weniger darauf verlassen, dass Hunderttausende Leser eine Zeitung oder Zeitschrift lesen, sich dabei auch mit einer mehr oder weniger hintersinnigen Werbeanzeige beschäftigen und sich bei der Kaufentscheidung evtl. daran erinnern würden.

Und man konnte sich darauf verlassen, dass ein hoher Prozentsatz der Empfänger einen Spendenbrief aus dem Briefkasten holen (vielleicht lag er ja sogar noch ganz alleine drin!) und zumindest mal aufmachen und überfliegen würden, bevor sie ihn wegwarfen. Oder spendeten.

Fraktale Aufmerksamkeit.
Unsere heutige Medien-Umgebung hat das verändert. Godin bezeichnet die aktuelle Situation mit «Aufmerksamkeitsüberschuss», aber das stimmt nicht. Die Menschen haben heute genausoviel Aufmerksamkeit wie früher, aber sie müssen sie auf mehr Lebensbereiche und auf viel mehr Medien verteilen – und sie haben dazu weniger Zeit.

Menschen können heute nicht mehr flächendeckend angesprochen werden, weil sie sich nicht mehr so leicht in Massenbewegungen einteilen lassen. Und sich davon abgesehen auch gar nicht als Teil einer Masse verstehen, sondern als Individuen mit speziellen Interessen und Bedürfnissen.

Menschen sitzen heute nicht mehr zu Millionen vor der gleichen Fernsehsendung. Wenn sie überhaupt alle gleichzeitig sitzen, dann vor Fernsehern, vor DVD-Playern, vor digitalem Fernsehen ohne Werbung, vor dem Computer, vor YouTube, vor Twitter, vor Facebook, vor dem iPhone…

Menschen, die heute noch Zeitungen ausgedruckt lesen, haben keine Zeit und keine Lust mehr, sich mit ausgeklügelt witziger Werbung zu beschäftigen, die ihnen nicht sofort einleuchtet oder für ihr Leben relevant ist.

Und im Briefkasten unserer Spendenbriefempfänger sind sowieso schon viel zu viele Briefe, die sie eigentlich gar nicht haben wollen: Rechnungen, Amtliches, andere Spendenbriefe… Wer keine Lust mehr auf Post hat, geht online. Und spendet auch online, vorausgesetzt, er oder sie wird auch online “abgeholt”.

Aufmerksamkeit durch Relevanz.
Im wichtigsten Punkt hat Godin jedoch völlig recht: Menschen reagieren auch heute noch auf Werbung. Wenn sie sie in ihrem Umfeld finden, wenn sie sie persönlich anspricht und wenn sie – vor allem – persönlich relevant ist.

Werbung, egal ob für Firmen, NPO oder politische Kandidaten, muss und wird immer lokaler, spezieller und vor allem relevanter werden, um zu funktionieren.

SOS Kinderdorf goes digital.

Montag, 24. August 2009

Die SOS-Kinderdörfer Deutschland sind im Web daheim und damit vielen anderen NPO noch sehr weit voraus. So gibt es jetzt ausser einem Twitterprofil und einer Facebook-Fanpage auch eine Spendenaktionsseite «Meine Spendenaktion», auf der User/Spender eigene Spendenaktionen starten und ihre Freunde dazu einladen können. Aktuell sind 14 Aktionen aufgeschaltet, darunter auch zwei mit sehr ehrgeizigen Spendenzielen von 10′000.00 und 15′000.00 Euro, die diesen relativ neuen Fundraising-Kanal heute evtl. noch überfordern.

Dazu gibt es noch das Online-Spiel «Change her Life», das zeigt, wie man auch im deutschsprachigen Raum Spender spielerisch ansprechen und trotzdem den Nutzen der Spenden klar kommunizieren kann.

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Gesehen auch bei Fundraising & Sozialmarketing, YouTube.

Von Krisen und Komplexen.

Donnerstag, 20. August 2009

Die Krise scheint glücklicherweise wieder am Abflauen. Es wäre doch sicher interessant,  einmal zu analysieren, welche Anteile an Krisen den Negativszenarien der Medien und welche den internen Aufräumarbeiten der Unternehmen zu verdanken sind. Und wieviel echte Krise dann noch übrigbleibt…

Aber wie dem auch sei: Hauptsache, es ist bald vorbei. An unserer Umfrage zur Krise im Juli haben sich zwar nur wenige NPO beteiligt. Aber die, die sich beteiligt haben, melden:
Keine Rückgänge an privaten Spenden.
Keine Rückgange in der öffentlichen Förderung.
Keine bemerkbaren Auswirkungen der Krise.
Und erwarten ein gleichbleibendes Spendenvolumen in den nächsten 12 Monaten.

Schwierigkeiten gibt es wohl teilweise mit der Stiftungsförderung. Ein Teilnehmer gibt
extrem lange Bearbeitungszeiten für Anträge an und schreibt, dass manche Stiftungen die bisherige Förderung dieses Jahr nicht wiederholt haben.

All dessen ungeachtet mailte vor zwei Tagen Alexander Glück, Author des vielbesprochenen Buches «Der Spendenkomplex» ein Rundmail an seine Leser. Darin beschwört er nun auch noch eine sich abzeichnende Spendenkrise und wirft dabei wieder mit negativen Pauschalaussagen um sich. Fundraising sei von der «angeblich prosperierenden Zukunftsbranche zum Selbstversorgerflop geworden und zahlreiche Neulinge, die vierstellige Gebühren für eine nicht zukunftssichere Ausbildung bezahlt haben» stünden nun ohne Perspektive da. Der Spendenmarkt stünde «kurz vorm Kollabieren weil wegen der Krise jeder zuerst an sich selbst denken zu müssen» glaube. (Merkwürdigerweise gibt es in den USA, wo die Krise ja mit am schlimmsten gewütet hat, dieses Jahr 24′000 offene Stellen für Fundraiser…)

So gibt es nun, oh Jubel, schon einen Verlag für den Anschlussband «Die verkaufte Verantwortung. Das stille Einvernehmen im Fundraising.», das laut Alexander Glück «noch etwas saftiger und zugespitzter» werden soll als das erste Buch.  Wie schön.

Man mag vom Buch «Der Spendenkomplex» halten was man will. Herr Glück hat sicher recht, wenn er auf Missstände hinweist und sagt, dass sich im Spendenmarkt etwas ändern muss.
Darauf weist ja unter anderem auch schon die wachsende Anzahl von Spendern hin, die sich ihre Projekte selbst machen/suchen und Spender-Communities beitreten. Es braucht Transparenz, professionelle Strukturen, echte Kommunikation mit den Menschen und vor allem die Bereitschaft zur Veränderung.

Wir wehren uns jedoch nachdrücklich gegen pauschalisierende Verallgemeinerungen und Verunglimpfungen eines ganzen Sektors unserer Gesellschaft.
Laut denen zum Beispiel das Gros der Menschen, die eigene Hilfsinitiativen starten, psychisch krank und vereinsamt sind, ihr eigenes Leben aufwerten wollen und dabei das Geld ihrer Spender nutzlos verbraten.
Nach denen Patenschaften eine Goldgrube für Pädophile sind und von Wohlstandseltern genutzt werden, um ihre eigenen Wohlstandskinder zu erziehen oder um selbstherrlich in das Kulturgut der Bespendeten einzugreifen (z.B. beim Thema Mädchenbeschneidung).
Nach denen Patenkinder eine «mentale, nicht-körperliche Prostitution» eingehen und es auf der anderen Seite in unserer Gesellschaft ein ebensolches Freiertum gibt.
Nach denen deutsche Spender spenden, um ihr Gewissen zu beruhigen oder auch um sich unbewusst aus der «geschichtlichen Last» freizukaufen. Usw.
Alles so gelesen im «Spendenkomplex».

Kritik ist grundsätzlich gut. Kritik kann etwas in Gang und uns alle weiter bringen. Kritik muss dazu jedoch auch konstruktiv, klar und differenziert erfolgen. Und die vielen guten Beispiele für effektive NPO-Arbeit und für effektiven Spendeneinsatz ebenso zeigen wie die negativen. Denn ohne den Einsatz von NPO und Spendern wäre die Welt noch um Einiges ärmer, kranker, hungriger und gottverlassener als sie es heute ist!