Archiv für September 2009

Sex sells…?

Dienstag, 29. September 2009

Ein neues Kampagnen-Video für den amerikanischen «Breast Cancer Awareness Month” will mit der kanadischen Fernsehmoderatorin Aliya-Jasmine eine jüngere Generation erreichen. Ob sie das schafft?

Über das Video ist unter anderem auf Osocio eine heisse Diskussion entbrannt:

«Ich denke, das schreit nach einem Parodie-Spot. Ich habe nichts mehr so ungeheuerliches gesehen seit den letzte PETA-Anzeigen.»

« Ich finde es ziemlich witzig und wenn man dran denkt, wie viel normales Unterhaltungszeug so daherkommt, dann ist es doch mal erfrischend, wenn es um was Anderes geht. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass sich Leute drüber ärgern, aber wenn es drum geht, dass man über Brustkrebs redet, dann wird es wahrscheinlich schon wirken.»

«Als ich auf der Konferenz über Social Marketing im Gesundheitswesen war, diskutierte man dort über die Vorstellung, dass traditionelle Werbeagenturen soziale Themen eher nicht “kapieren”. Ich denke das ist ein Beispiel dafür. Der Spot erregt Aufmerksamkeit, sicher. Sex sells, das ist klar. Aber worum geht es hier? Was soll ich tun, wenn ich den Spot gesehen habe? Wenn es ein Thema braucht, das kein extra “Bewusstsein” schaffen muss, dann ist es Brustkrebs. Kampagnen müssen weiter gehen und Leute wirklich motivieren, etwas zu tun.»

«Ich habe gemischte Gefühle, aber aus anderen Gründen als die meisten Leute. Ich denke, es ist brillant, Sex zu benutzen um ein Thema zu verkaufen, wenn die Zielgruppe junge Männer ist. Aber hier wird ja zu nichts aufgerufen. Was sollen die Jungs denn tun, wenn sie das Video gesehen haben? Sie wissen, dass sie Brüste lieben. Sie wissen, dass Brustkrebs Menschen tötet…. Sie haben total den Zug verpasst, ihre Zuschauer einen Schritt weiter zu führen. Am Ende ist nichtmal eine Webseite angezeigt. Wollen sie Spenden? Wollen sie, dass die Jungs ihre Freundinnen überzeugen, eine Mammographie machen zu lassen (was in dem Alter überflüssig ist)? Bewusstsein um des Bewusstseins willen ist nutzlos, wenn es nicht aktiv umgesetzt wird. Aber was mir gefällt, ist wie sie das Thema umgearbeitet haben, sodass es zu etwas wird, was auch Männer interessiert.»

«Ich bin nicht sicher, ob der Zweck hier die Mittel heiligt. Das Herzeigen und der Fokus auf die Brüste ist ganz klar sexistisch. Es braucht lange, bevor man überhaupt merkt, dass es bei dem Spot nicht darum geht. Es scheint die Zielgruppe ist eher männlich als weiblich. Es soll vermutlich mithilfe angeheizter Männer viral werden und so auch von Frauen bemerkt werden. Ich habe nicht richtig verstanden, welche Organisation dahinter steht oder ihre Webseite gesehen. Vielleicht habe ich zu lange auf die Brüste geschaut? Ich denke, Sexismus sollte auch für einen guten Zweck vermieden werden. PETA macht das ständig und sie setzen auch auf andere unethische Taktiken. Wer mit dem Schwert lebt, wird durch das Schwert umkommen. So ist es auch hier. Das Schwert des Sexismus tötet die Botschaft.»

Was meinen Sie?

YouTube-Videos auf Spendenseiten verlinkbar.

Freitag, 25. September 2009

NPO in den USA und England können ab sofort ihre YouTube-Videos mit kleinen Anzeigen versehen, die mit ihrer Webseite verlinkt sind. Das heisst ein Aufruf zum Spenden wird nicht mehr einfach wie früher mit einer Angabe der URL abgeschlossen, sondern der Zuschauer und potentielle Spender kann direkt auf die Spendenseite verlinkt werden.

Dieses Feature gab es schon seit März, nur funktionierte es bisher nur als Banner unten auf dem Video und nur, wenn das Video auf YouTube abgespielt wurde. Mit der neuen Version funktioniert die Verlinkung jetzt auch, wenn das Video auf anderen Webseiten eingebettet ist und die Links können überall im Video angezeigt werden.

Das ist schön für NPO in UK und USA – die Frage ist, wann können wir hier davon profitieren? Dieser Frage gehen wir nach und werden Sie wissen lassen, was wir erfahren!


Gute Arbeit kostet Geld.

Donnerstag, 24. September 2009

Die Verwaltungs- und oder Fundraisingkosten von Hilfswerken – eine Frage, die immer wieder gern von den Medien vor die Löwen der Öffentlichkeit geworfen wird. Und die weder von NPO noch von der ZEWO schlüssig beantwortet werden kann. Am diesjährigen Schweizer Fundraising Tag schien man sich einig, dass Verwaltungskosten (so sie überhaupt abschliessend definierbar sind) kein alleiniges oder untrügliches Indiz für die Effektivität einer NPO sein können. Aber diese Botschaft wird leider immer noch nicht offensiv an die Gesellschaft und die Spender kommuniziert.

Das Thema ist trotz der sehr fundraisingfreundlichen Kultur auch in den USA nicht unbekannt:

Die Kolumnistin Sandy Stonesifer schreibt auf slate.com und beantwortet Leserfragen zum Thema Philanthropy.  Ein Leser fragte:

«Liebe Sandy

Ich habe gehört, dass man beim Spenden auf die Finanzen einer Organisation achten sollte, um zu sehen, wie viel von der Spende wirklich auf das Problem verwendet wird und nicht auf Verwaltungskosten. Meine Frau sagt, dass wenn weniger als 50% der Spende aufs Problem verwendet wird, dann sollte ich nicht spenden. Stimmt das so? Wie kann ich diese Information herausfinden? Kann ich damit wirklich besser spenden?

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Lieber Karl

Mit dieser Frage kämpft der NPO-Bereich seit Jahren: Was sind Verwaltungskosten? Wie viel ist zu viel? Können und sollten wir Spendern beibringen, diese Kosten nicht so eng zu sehen?

Verwaltungskosten sind alle Gelder, die für die allgemeine Verwaltung der Organisation gebraucht werden. Miete, Strom, Rechtsberatung, Versicherungen, Büromanagement, Personal, die Kosten von Besprechungen des Vorstands oder Stiftungsrats etc. Also alles, was nicht direkt mit der Mission und ihren Projekten zu tun hat. Fundraisingkosten sind eigentlich separat davon, werden aber in Diskussionen oft zu den Verwaltungskosten gerechnet.

In den USA können Sie die Verwaltungskosten aus den öffentlichen Steuerformularen ersehen, die jede gemeinnützige NPO ausfüllen und bei der Steuerbehörde hinterlegen muss.

50% Verwaltungskosten scheint auf den ersten Blick extrem hoch. Laut US Charity Navigator liegt der nationale Durchschnitt bei 10% und 76% der dort gelisteten NPO verwenden weniger als 30% ihrer Gesamtbudgets für Verwaltungskosten. Es ist jedoch möglich, dass es NPO gibt, die mit 50% hervorragende Arbeit leisten. Es ist zum Beispiel schwieriger, Gelder für kontroverse Themen einzuwerben als für Katastrophen-Hilfe. Und die zusätzlichen Personalstunden und Mailingkosten dafür treiben die Verwaltungskostenrate unter Umständen in die Höhe. Paul Brest von der Hewlett Foundation sagt: «Das Ideal jeder Organisation und ihrer Unterstützer ist es nicht, die Kosten zu minimieren, sondern sie zu optimieren.» Prüfen Sie also alle Informationen daraufhin, ob das meiste Geld in die Projekte geht (bei weniger als 70% sollten Sie genau hinschauen), aber setzen Sie sich keinen Schwellenwert in Ihrer Beurteilung einer Organisation.

Seien Sie sich auch im Klaren, dass auch wenn die Verwaltungskosten enorm niedrig scheinen, das durchaus aus den falschen Gründen so sein kann. Eine Studie aus dem Jahr 2004 zeigte, dass mehr als ein Drittel der NPO auf ihren Steuerformularen keine Fundraisingkosten  und eine von acht Organisationen keine Management-und Allgemeinkosten angaben. Bei einer genaueren Untersuchung stellte sich heraus, dass 75-85% der Organisationen die Zahlen falsch berechneten.

Viele Leute würden Ihnen empfehlen, sich sowieso nicht mit solchen Recherchen aufzuhalten. Ein Blick in die Finanzen einer Organisation ist sicher gut und hilfreich, aber er zeigt Ihnen nicht das ganze Bild. Sie würden ja auch keine Investition auf der Basis der Verwaltungskosten eines Konzerns tätigen, oder? Also warum sollte solche Information für eine NPO gelten? Diese Informationen sagen nichts darüber aus, ob eine Organisation ihre Arbeitsziele erreicht. Oder ob diese Ziele überhaupt unterstützungswürdig sind. Und sie sagen auch nichts darüber aus, wie effektiv Organisation A im Vergleich zu Organisation B arbeitet. Also nutzen Sie die finanzielle Information, so wie sie Sinn macht. Als Indikator für eine gesunde finanzielle Basis und für die Ausgaben der Organisation. Aber nicht als alleiniges Kriterium fürs Spenden.»

Auch wir empfehlen Organisationen, ihre Verwaltungs- und Fundraisingkosten immer in Verbindung zu den damit erzielten Ergebnissen zu kommunizieren. Und zumindest die eigenen Spender proaktiv zu informieren, wie sich die Verwaltungskosten zusammensetzen und warum das so sein muss, wenn die gemeinsamen Ziele von Organisation und Spender erreicht werden sollen. Wenn unsere Gesellschaft fundraisingfreundlicher werden soll, dann müssen wir das Bettelimage loswerden und Effizienz beweisen. NPO sind keine an Strassenecken ausgesetzten jämmerlichen Gestalten, die bittend die Hand ausstrecken und abends wieder eingesammelt werden, damit ein Hintermann davon reich werden kann. NPO sind wichtige Elemente unserer globalen Gesellschaft und ohne sie kommt diese Gesellschaft nicht weiter.

Unterschätze niemals einen Spender.

Mittwoch, 23. September 2009

Marc Pitman gibt in seinem Blog gute Beispiele von unterschätzten Spendern:

Jean Preston war eine Bibliothekarin, die sich von Fertiggerichten ernährte und immer mit dem Bus fuhr.  Gleichzeitig sammelte sie in ihrer Wohnung Kunst im Wert von $8 Millionen.
Vielleicht hätte sie diese bei ihrem Tod gern gespendet. Wenn ein Fundraiser davon gewusst und sie gefragt hätte.

Helen Whitlock Alley war 86 Jahre alt, als sie bei einem Hausbrand ums Leben kam. Sie vermachte der Juvenile Diabetes Research Foundation überraschend $7.3 Millionen. Bei der Organisation war Ms. Alley bis dahin nur als $100/Jahr-Spenderin bekannt. Niemand wusste, dass ihr Bruder an Diabetes gestorben war.

Richard Walters war allen nur als netter Obdachloser bekannt. Er besass nichts, nicht einmal ein Auto – dachte man. Aber als er starb, war er $4 Millionen reich und spendete dem National Public Radio und vielen anderen Organisationen jeweils $400′000.  Walters war vor seiner Pensionierung ein erfolgreicher Geschäftsmann gewesen und anscheinend hatte er von einem Telefon im Seniorenzentrum aus noch mit Aktien gehandelt.

Was bedeutet das nun fürs Fundraising? Zwei Dinge:

1. Unterschätzen Sie niemals einen Menschen. Gehen Sie nicht von Vorurteilen und automatischen Annahmen aus, die darauf basieren, wie jemand gekleidet ist, welches Auto er/sie fährt – oder wieviel er/sie spendet.

2. Recherche, Recherche, Recherche: Widmen Sie sich immer wieder einer Handvoll Spender aus Ihrer Datenbank. Solchen, die vielversprechend aussehen und auch solchen, die es nicht auf den ersten Blick scheinen. Versuchen Sie, so viel wie möglich über diese Spender zu erfahren. Recherchieren Sie. Rufen Sie sie an, unterhalten Sie sich mit ihnen über ihr Spenden, über Ihre Organisationen und warum sie Sie unterstützen. Gold findet nur der, der auch danach sucht.

Expanding…

Schweizer Fundraising im Web 2.0: das SRK.

Dienstag, 22. September 2009

Auch das Schweizer Rote Kreuz setzt nun stark auf Web 2.0. Als Teil der aktuellen nationalen Fundraising-Kampagne im Rahmen der ZEWO-Sammelwochen vom 18. bis 27. September zeigen zwei SRK-Mitarbeiter an verschiedenen Beispielen in Togo, wie Spendengelder eingesetzt werden. Sie machen täglich Videoaufnahmen vor Ort, die sofort in die Schweiz übermittelt, dort zu Spots verarbeitet und bereits am Nachmittag auf der Homepage, in den verschiedenen Web-Präsenzen des SRK und auf  eBoards in Bahnhöfen zu sehen sind. Abends werden die Spots im Schweizer Fernsehen gezeigt.

Dazu ist das SRK mittlerweile aktiv im Web präsent, wie sich auf der Homepage zeigt. Das SRK betreibt einen Blog, eine Fan-Page auf Facebook, einen YouTube-Channel, einen Ebay-Shop und bietet auf der Homepage die Möglichkeit, verschiedene RSS-Feeds zu abonnieren bzw. sich das SRK zu “bookmarken”.

Das dürfte das erste Mal sein, dass eine Schweizer NPO so umfassend und so konsequent auf die neuen Medien setzt und wir sind wohl alle extrem gespannt auf die Resultate!