Archiv für Dezember 2009

Pro Infirmis: Spenden für Bonuspunkte.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Eine gute Idee für einen ganz konkreten Nutzen für den Spender:

Pro Infirmis ist seit 2002 einziger NPO-Partner von Webmiles in der Schweiz. 2008 meldete die Organisation jährliche Steigerungsraten an Neuspendern in Höhe von durchschnittlich 81% und eine Steigerung der Wiederholungsspenden um das Sechsfache auf 66%. Jeder an Pro Infirmis gespendete Franken wird mit fünf Webmiles belohnt, eine Erstspende mit 500 Webmiles. Die so erworbenen Bonusmeilen können dann gegen attraktive Prämien getauscht oder wiederum gespendet werden. Die Fundraising-Leiterin von Pro Infirmis, Gaby Ullrich, bezeichnete die Partnerschaft mit Webmiles als erfolgreichen Weg der Spenderakquise und Spenderbindung. Pro Infirmis profitiert zusätzlich von der Einbindung auf den Webmiles-Partnerseiten im Internet.
Auch in der diesjährigen Weihnachtszeit setzt Pro Infirmis auf die Partnerschaft mit Webmiles: Bis zum 20. Dezember wird jede Spende ab 100 Franken mit 3′000 Webmiles belohnt.

Wir sind daran, die Bedingungen für eine solche Webmiles-Partnerschaft bei Arvato Online-Services zu recherchieren, haben aber vor Redaktionsschluss leider keine Antwort mehr erhalten.

Mehr Information:
Pro Infirmis
Presseportal 2009
Presseportal 2008
Webmiles

Nachtrag:

In Deutschland kooperiert das Payback-Bonusprogramm nun mit Betterplace, um eine eigene Spendenplattform für Bonuspunkte anzubieten: Die Payback Spendenwelt. Nutzer der Payback-Karte können sich dort Spendenprojekte aussuchen oder auch eigene Projekte initiieren.

Eigentlich eine gute Sache. Störend – zumindest für uns – ist die Art, in der Payback in der Pressemitteilung dafür wirbt: Indem andere Projekte bzw. Hilfsorganisationen als nicht ganz so vertrauenswürdig dargestellt werden. Text der Pressemitteilung:

«Anders als bei anonymen Spendenkonten fließt der Wert der gespendeten Punkte nicht in große Töpfe, aus denen sich übergeordnete, oft abstrakte Hilfsprojekte mit kostspieligem Verwaltungsaufwand speisen. Vielmehr hat jeder Payback Kunde einzelne, konkrete Projekte vor Augen – mit Menschen, die diese Projekte initiieren, ihre Durchführung organisieren und als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Ob es um neue Kinderbetten im Kinderhospiz Bärenherz in Leipzig, um warme Mahlzeiten für Kinder in ganz Deutschland oder um das Projekt “Schulbücher für Kinder im weltweit größten Slum in Nairobi” geht – hinter jedem Projekt steht ein Gesicht. Spendenwillige können online nachvollziehen, wie viel Geld bzw. wie viele Punkte zur Erfüllung eines Projekts fehlen, Fragen an die Verantwortlichen stellen, ihr eigenes Bild als Projektunterstützer hochladen und die Projekte bewerten. Sogar eigene Projekte können ins Leben gerufen werden. So ermöglicht die interaktive Payback Spendenwelt ihren Nutzern, selbst Gutes zu tun und wertvolle Eigeninitiative zu leisten. Voraussetzung für den Start eines Hilfsprojekts ist ein Nachweis der Gemeinnützigkeit.»

Quelle:
Presseportal

Nein oder Ja?

Freitag, 11. Dezember 2009

Die meisten Menschen geben schnell auf, wenn sie ein «Nein» hören. Richtig gute Verkäufer – und Grossspenden-Fundraiser müssen auch das sein können – hören jedoch genau hin. Denn manches «Nein» lässt sich zu einem «Ja» machen, wenn man den Subtext dahinter versteht.

Bernard Ross vom Management Center in London, gibt Beispiele dafür:

  • «Nein, nicht dafür.»
    Bieten Sie dem Spender das Falsche? Finden Sie heraus, was ihn wirklich interessiert und formulieren Sie Ihr Angebot entsprechend.
  • «Nein, nicht für Sie.»
    So einen Korb zu kriegen, tut weh… Finden Sie heraus, welche anderen Organisationen die Spenderin unterstützen würde und warum.
  • «Nein, ich nicht.»
    Fragen Sie, warum der Spender Ihre Organisation überhaupt unterstützt. Und wer dieses besonders wichtige Projekte unterstützt, wenn nicht er?
  • «Nein, so nicht.»
    Finden Sie heraus, wie die Spenderin lieber helfen möchte.
  • «Nein, nur wenn…»
    Manche Spender verknüpfen ihre Spende mit einer Bedingung. Vielleicht wollen sie Anerkennung, nur ein bestimmtes Projekt unterstützen oder den Stiftungsratspräsidenten kennenlernen. Finden Sie heraus, was Ihr Spender will und überlegen Sie, ob das seiner Spende angemessen und machbar ist.
  • «Nein, nicht jetzt.»
    In dieser aktuellen Wirtschaftslage kann es sein, dass Menschen helfen wollen, aber im Moment einfach nicht dazu in der Lage sind. Finden Sie heraus, ob die Spenderin evtl. langfristig in Raten spenden möchte. Erklären Sie ihr, dass jedes Bisschen hilft.
  • «Nein, das ist zuviel.»
    Recherchieren Sie – vorher – sorgfältig das Potential Ihres Spenders. Wenn Sie dennoch seine Komfortzone eindeutig überschritten haben, versuchen Sie es mit einer kleineren Spende.
  • «Nein, das ist zuwenig.»
    Bernard Ross erzählt, dass er einmal eine Gedächtnisspende für einen lieben Verstorbenen machen wollte. Er fragte, was er für die Organisation tun könne und jemand sagte, sie bräuchten einen neuen Fernseher. Da war er dann doch leicht beleidigt. Wenn Ihr Spender wirklich etwas leisten will, dann bieten Sie ihm eine angemessene Möglichkeit dafür.
  • «Nein, gehen Sie weg!»
    Respektieren Sie den Wunsch Ihrer Spenderin, aber senden Sie ihr trotzdem eine kleine Karte und danken Sie ihr für ihre Zeit. Vielleicht ist sie davon so überrascht, dass sie es sich noch einmal überlegt.

Quelle:
NonProfit Times Instant Fundraising

Mittelweg zwischen Markt und Mildtätigkeit.

Mittwoch, 09. Dezember 2009

Wir definieren Fundraising sehr weiträumig als «Geldbeschaffung für gemeinnützige und Hilfs-Projekte» – a priori also erst einmal völlig unabhängig von der Quelle, aus der die Gelder stammen und unabhängig von den Mitteln,  mit denen sie beschafft wurden.

Daher interessieren uns natürlich auch alternative und innovative Wege, Gelder zu beschaffen. Wie zum Beispiel der Acumen Fund, der auf marktwirtschaftliches Denken setzt, um Menschen zu helfen.

Seine Gründerin Jacqueline Novogratz ist heute die führende Stimme eines Mittelwegs in der Entwicklungshilfe: «Der Philanthropie allein fehlen die wichtigen Feedback-Mechanismen der Marktwirtschaft und die Marktwirtschaft allein lässt diejenigen am Wegrand liegen, die am meisten Hilfe brauchen». Sie schreibt in ihrem Buch «The Blue Sweater»: «Ich habe gelernt, dass viele Antworten auf die Armut in dem Raum zwischen Markt und Mildtätigkeit liegen und dass am allermeisten eine moralische Führung gebraucht wird, die bereit ist, Lösungen aus der Perspektive der Armen heraus zu entwickeln und ihnen nicht grosse Theorien und Pläne von aussen aufzupropfen.»

Novogratz’ Erfahrungsweg in der Entwicklungshilfe begann, als sie mit Anfang Zwanzig ihre Wallstreet-Karriere verliess und an die Elfenbeinküste ging, um eine neue Zweigstelle der African Development Bank zu eröffen, die sich auf Mikrokredite für Frauen fokussieren sollte. Aber die westafrikanischen Frauen, mit denen sie arbeiten sollte, wollten nichts von ihr wissen. Sie machten sich über sie lustig und hielten ganz allgemein überhaupt nichts von einer allzu jungen, unverheirateten, amerikanischen Frau, die schlecht Französisch sprach und sie anführen sollte. Sie schüchterten sie ein, schlossen sie aus ihrem Büro aus und wurden sie erfolgreich wieder los.

In ihrem nächsten Job in Nairobi verbrachte Novogratz Hunderte von Stunden damit, das Kreditportfolio einer jungen Mikrofinanz-Organisation zu analysieren. Als Ergebnis schlug sie eine drastische Restrukturierung vor. Eine Woche später war ihr Bericht spurlos verschwunden.

Danach prüfte sie zwei Monate lang ein UNICEF-finanziertes Programm in Kenia für Projekte, die Einkommen generieren sollten. Sie fand Hunderte zerbrochener Maismühlen, leere Schulen und unverkaufte Körbe: Zahllose Projekte mit guten Absichten, die falsch gelaufen waren, ein System voller Korruption und ohne Rechenschaft. Am Schluss fanden Regierungsbeamte ihren Bericht zu pessimistisch. Ein Weltbank-Mitarbeiter in Gambia verwarf ihren Vorschlag, weiblichen Kleinunternehmerinnen Kredite zu geben anstatt freies Geld, weil er, wie damals üblich, meinte, die Armen könnten Kredite sowieso nie zurückzahlen.

Aber irgendwann kamen auch Erfolge wie die Bäckerei in Kigali, wo Novogratz einer Gruppe unverheirateter Mütter half, von Spenden wegzukommen und ein richtiges Unternehmen aufzubauen. Und Duterimbere, eine Mikrokreditorganisation, die stark genug war, um den Genozid in Ruanda zu überleben. Sowie natürlich den heute acht Jahre alten Acumen Funds, den sie als einen Nonprofit Venture Kapitalfonds für die Armen bezeichnet.

Ihr Buch ist ein starker Erfahrungsbericht aus der Entwicklungszusammenarbeit, der verständlich macht, warum gutgemeinte Massnahmen nicht immer funktionieren wie geplant und was es für andere Möglichkeiten gibt, um die weltweite Schere zwischen Arm und Reich nachhaltig wieder ein bisschen weiter zu schliessen.

Quelle:
AidWatch

Wie relevant ist Ihr Thema?

Dienstag, 08. Dezember 2009

Nicht alle NPO arbeiten an Themen, die für die Gesellschaft einfach nachvollziehbar und (spenden-)relevant sind. Und auch Themen, die auf den ersten Blick einfach scheinen, müssen oft erst relevant gemacht werden. So setzt zum Beispiel die Caritas auf den Armutsbericht. Damit macht sie (reale) Armut in der Schweiz und anderen als reich wahrgenommenen Ländern zu einem anerkannten Thema auch für nicht-arme Menschen und Spender.

Greenpeace ist ein anderes Beispiel für eine Organisation, die immer wieder erfolgreiches Themensetting betreibt. Jüngster Erfolg sind die Veränderung in der Haltung von Supermärkten und Discountern in Bezug auf die Bedrohung der Fischbestände und auf die Kritik an ihrem Angebot. Deutsche Einzelhändler wie Kaufland, Norma, Lidl, Aldi Süd und Rewe sind mittlerweile führend im Unternehmensvergleich von Greenpeace. Sie informieren Verbraucher im Laden und im Web und führen keine bedrohten Fischarten mehr im Sortiment. In der Schweiz führen unter anderem Coop und Migros MSC-zertifzierten Fisch.

Was hat es dazu gebraucht? Drei Jahre intensives Themensetting durch Werbe- und Marketingmassnahmen (wie zum Beispiel den Fischratgeber für Verbraucher) und konsistente Medien- und Lobbyarbeit.

Über Themensetting wie dieses zeigt Greenpeace, wie wichtig die Organisation ist und macht sich damit spendenwürdig. Auch die Caritas positioniert sich über das Armuts-Themensetting als wichtiger Player im sozialen Bereich und macht die Armut gleichzeitig zum Fundraising-Thema.

Fragen Sie sich:

  • Was ist Ihr Thema und wie relevant ist es für Ihren Markt?
  • Wird die Relevanz Ihres Themas von Veränderungen in Gesellschaft, Gesundheitsvorsorge, Politik, etc… beeinflusst? Wird sie daraufhin zunehmen oder abnehmen?
  • Wenn die Relevanz abnimmt, was können Sie tun, um Ihre Organisation neu zu «erfinden» bzw. sich und/oder Ihr Thema neu zu positionieren?

Möglichkeiten für Twitter-Fundraising.

Montag, 07. Dezember 2009

Twitter ist zwar noch kein Fundraising-Instrument, mit dem NPO grosse Spendeneinnahmen generieren können. Dennoch bietet es die Möglichkeit, innerhalb der Twitter-Community Aufmerksamkeit für Themen zu generieren. Beth Kanter stellt auf ihrem Blog drei verschiedene Taktiken dafür vor:

1. Gesponsorte Tweets bzw. Hashtags:
Twitterer müssen hier nicht ihr eigenes Portemonnaie öffnen, sondern werden aufgerufen, zu retweeten oder einen Hashtag weiter zu twittern, damit ein Sponsoring-Unternehmen einer NPO spendet: Je mehr Beteiligung, desto höher die Spende.

2. Die Bitte von Mensch zu Mensch:
Hier bitten Twitterer ihre Twitterfreunde um eine Spende für eine bestimmte Organisation und darum, diese Spendenbitte wiederum an ihre eigenen Follower weiterzugeben.

3. Tweet Meet Spenden:
Hier kommen Online- und Offline-Aktivitäten zusammen, wie zum Beispiel beim Twestival.

Gesponsorte Tweets/Hashtags sind eine Weiterentwicklung früherer Möglichkeite, mittels Klicks auf Webseiten Spenden zu sammeln. Das Free Rice Game ist zum Beispiel ein interaktives Online-Spiel, mit dem man mittels Klicks dem UN World Food Program Reis spenden kann. Für jeden Klick werden 10 Gramm Reis gespendet und da seit dem Beginn des Spiels im Oktober 2007 Millionen von Menschen mitgespielt haben, sind so bis Oktober 2009 70,991,387,110 Reiskörner zusammen gekommen. Die Masse macht den Unterschied: Crowdsourcing par excellence.

2008 kam Klick-Fundraising auf Facebook dazu mit Lil Green Patch, ein Spiel, das für die Nature Conservancy mehr als $100′000 eingenommen hat. Und jetzt ist Klick-Fundraising natürlich auch auf Twitter angekommen. So gibt es unter anderem die Plattform Twitcause, die US-NPO hilft, in der Twitterwelt bekannt zu werden und Spenden zu sammeln.

Ein Beispiel für eine Twitcause-Kampagne ist die Häagen Dazs-Kampagne zum Thema Honigbienen-Forschung.
Der Eiskremhersteller erklärte sich bereit, für die ersten 500 Twitterer, die jeden Tag den Hashtag #HelpHoneyBees einsetzten, pro Tweet $1 zu spenden. Das Geld ging an ein Forschungsprojekt der University of California, wo das Problem kollabierender Bienenkolonien erforscht wird. Die #HelpHoneyBees-Kampagne nahm insgesamt $7′000 an Spenden ein und brachte Häagen Dazs auf Twitter eine gute Präsentation ihrer CSR-Aktivitäten wie das Projekt Honey Bee Haven (Bienenfarmschulung) und natürlich ihrer Marke. In Zahlen wurden in der Kampagnenwoche 6′818 Tweets von 3′294 Twitterern verschickt, etwas über 5 Millionen Follower erreicht und 12.4 Millionen Twitter Impressions generiert.

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Ein anderes Beispiel ist die Kampagne der Make A Wish Foundation, in der die Suchmaschine LeapFish eine $0.05 Spende für jeden Tweet zahlt. So sollen insgesamt $10′000 eingenommen werden, mit denen ein krankes Kind names Jacob Disneyland besuchen kann. Mit den dafür nötigen 200′000 Tweets scheint das Ziel jedoch sehr ambitiös.

Anders als Facebook ist Twitter vom Grundsatz her ein schnelles und flüchtiges Social Medium: was heute gesagt wird, ist morgen wieder vergessen. Anders als bei Facebook gibt es weitaus weniger Möglichkeiten, attraktive Fanpages oder Communities innerhalb von Twitter aufzubauen. Es geht um den schnellen Austausch von Ideen, Links, Sprüchen und alles, was einem als Twitternutzer im Moment so wichtig ist. Weniger um eine tiefgehende Beschäftigung mit einem Thema. Das bedeutet automatisch eine geringere zeitliche Nachhaltigkeit der Kampagnen, es bedeutet, dass die Kampagnen so einfach wie möglich und trotzdem so emotional wie möglich aufgebaut sein müssen und es heisst, dass Twitter-Kampagnen – sollen sie mehr als nur Wunderkerzen-Effekt haben – auch auf anderen Online-Kanälen wie der eigenen Website etc. abgestützt sein sollten.

Quelle:
Beth’s Blog