Mittelweg zwischen Markt und Mildtätigkeit.

Wir definieren Fundraising sehr weiträumig als «Geldbeschaffung für gemeinnützige und Hilfs-Projekte» – a priori also erst einmal völlig unabhängig von der Quelle, aus der die Gelder stammen und unabhängig von den Mitteln,  mit denen sie beschafft wurden.

Daher interessieren uns natürlich auch alternative und innovative Wege, Gelder zu beschaffen. Wie zum Beispiel der Acumen Fund, der auf marktwirtschaftliches Denken setzt, um Menschen zu helfen.

Seine Gründerin Jacqueline Novogratz ist heute die führende Stimme eines Mittelwegs in der Entwicklungshilfe: «Der Philanthropie allein fehlen die wichtigen Feedback-Mechanismen der Marktwirtschaft und die Marktwirtschaft allein lässt diejenigen am Wegrand liegen, die am meisten Hilfe brauchen». Sie schreibt in ihrem Buch «The Blue Sweater»: «Ich habe gelernt, dass viele Antworten auf die Armut in dem Raum zwischen Markt und Mildtätigkeit liegen und dass am allermeisten eine moralische Führung gebraucht wird, die bereit ist, Lösungen aus der Perspektive der Armen heraus zu entwickeln und ihnen nicht grosse Theorien und Pläne von aussen aufzupropfen.»

Novogratz’ Erfahrungsweg in der Entwicklungshilfe begann, als sie mit Anfang Zwanzig ihre Wallstreet-Karriere verliess und an die Elfenbeinküste ging, um eine neue Zweigstelle der African Development Bank zu eröffen, die sich auf Mikrokredite für Frauen fokussieren sollte. Aber die westafrikanischen Frauen, mit denen sie arbeiten sollte, wollten nichts von ihr wissen. Sie machten sich über sie lustig und hielten ganz allgemein überhaupt nichts von einer allzu jungen, unverheirateten, amerikanischen Frau, die schlecht Französisch sprach und sie anführen sollte. Sie schüchterten sie ein, schlossen sie aus ihrem Büro aus und wurden sie erfolgreich wieder los.

In ihrem nächsten Job in Nairobi verbrachte Novogratz Hunderte von Stunden damit, das Kreditportfolio einer jungen Mikrofinanz-Organisation zu analysieren. Als Ergebnis schlug sie eine drastische Restrukturierung vor. Eine Woche später war ihr Bericht spurlos verschwunden.

Danach prüfte sie zwei Monate lang ein UNICEF-finanziertes Programm in Kenia für Projekte, die Einkommen generieren sollten. Sie fand Hunderte zerbrochener Maismühlen, leere Schulen und unverkaufte Körbe: Zahllose Projekte mit guten Absichten, die falsch gelaufen waren, ein System voller Korruption und ohne Rechenschaft. Am Schluss fanden Regierungsbeamte ihren Bericht zu pessimistisch. Ein Weltbank-Mitarbeiter in Gambia verwarf ihren Vorschlag, weiblichen Kleinunternehmerinnen Kredite zu geben anstatt freies Geld, weil er, wie damals üblich, meinte, die Armen könnten Kredite sowieso nie zurückzahlen.

Aber irgendwann kamen auch Erfolge wie die Bäckerei in Kigali, wo Novogratz einer Gruppe unverheirateter Mütter half, von Spenden wegzukommen und ein richtiges Unternehmen aufzubauen. Und Duterimbere, eine Mikrokreditorganisation, die stark genug war, um den Genozid in Ruanda zu überleben. Sowie natürlich den heute acht Jahre alten Acumen Funds, den sie als einen Nonprofit Venture Kapitalfonds für die Armen bezeichnet.

Ihr Buch ist ein starker Erfahrungsbericht aus der Entwicklungszusammenarbeit, der verständlich macht, warum gutgemeinte Massnahmen nicht immer funktionieren wie geplant und was es für andere Möglichkeiten gibt, um die weltweite Schere zwischen Arm und Reich nachhaltig wieder ein bisschen weiter zu schliessen.

Quelle:
AidWatch

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