Archiv für Februar 2010

Lokal oder global? Klimaschutz nach Kopenhagen.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Der Kopenhagener Klimagipfel hat trotz aller Anstrengungen von Organisationen wieder nicht das gehalten, was man sich davon versprach. Jetzt wird in den grossen Umweltschutzorganisationen an einen Strategiewechsel gedacht. Laut Meldungen von Social Times denkt Greenpeace International daran, in Zukunft verstärkt mit religiösen Gruppen zusammenzuarbeiten, da diese viele Menschen erreichten, «zu denen wir als Umweltschützer keinen Zugang haben», so Kumi Naidoo von Greenpeace. Ausserdem will Greenpeace wieder stärker auf Protestaktionen setzen und «den Politikern Dampf machen.»  Greenpeace will sich künftig auch verstärkt in der Dritten Welt engagieren.

Manche Experten, wie Jürgen Maier, meinen nun in einem Artikel der Tageszeitung, dass NPO ihre eher begrenzte Kraft besser auf inländische Probleme konzentrieren sollten, als zu versuchen, Weltpolitik zu machen. Greenpeace Deutschland will sich laut dem Artikel auch eher wieder national agieren und sich mehr durch Kampagnen zu Wort melden.  Und auch Attac will sich stärker lokal engagieren. Der BUND setzt weiter auf grössere Aktionen, will aber auch in Deutschland politisch stärker aktiv werden. Der WWF will evtl. weiter versuchen, Klimakonferenzen zu Abkommens-Erfolgen zu bringen, plant jedoch seine künftige Klima-Strategie in diesen Tagen. Oxfam will auf globaler Ebene weitermachen, auch die Kampagnenseite tcktcktck.org läuft vorerst weiter mit der Meldung: «Die Führer der Welt sind noch nicht fertig. Und wir auch nicht.»

Näheres und Quellen:
Social Times
Tageszeitung

Aktuelle Facebok Zahlen D und CH.

Dienstag, 16. Februar 2010

Facebook wird auch in Deutschland zum stärksten sozialen Netzwerk.  Im Januar wuchsen die Nutzerzahlen in Deutschland um 16.7% und in der Schweiz um 8.8%. Deutschland ist mit gut 28 Millionen Nutzern auf Platz 5 der Länder mit der grössten Facebook-Nutzung, die Schweiz liegt mit ca. 2 Millionen auf dem zehnten Platz. Deutsche und Schweizer Nutzer verbringen im Durchschnitt um die vier Stunden pro Monat auf der Plattform.

In der Schweiz sind die prozentualen Nutzerzahlen gemessen an der Zahl der Einwohner besonders hoch und es besteht ein leichter Männerüberschuss, während in Deutschland etwas mehr Frauen Facebook nutzen.

In der Altersstruktur bilden in der Schweiz und auch in Deutschland die 25-34jährigen die stärkste Gruppe, gefolgt von den 18-24jährigen, den 35-44jährigen und den 13-17jährigen. Die 45-55jährigen und die noch Älteren bilden die Schlusslichter mit immerhin noch gut 150’000 bzw. knapp 100’000 Nutzern. Dafür legte in Deutschland die Altersgruppe der 55-63jährigen mit knapp 31% am stärksten zu, die Gruppe der 45-54jährigen stieg um gut 27%.

Zahlen von Penn OlsonThomas Hutter und Facebookmarketing.de

It’s not just…

Montag, 15. Februar 2010

Eine schöne Kampagne in England, um mehr Menschen für eine Karriere in der Sozialarbeit zu begeistern. Der Text zeigt die kleinen Hilfsmittel, die es braucht, um mit Menschen in Kontakt zu kommen. Eine Tasse Tee, Chips oder ein Klumpen grüne Knetmasse. Und mit denen man ins Gespräch kommt, über Probleme reden und schlussendlich helfen kann.

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Gesehen bei Osocio.

Pope2You: Katholische Kommunikation 2.0

Montag, 15. Februar 2010

Zugegebenermassen verfügt die katholische Kirche über weitaus mehr Ressourcen finanzieller und personeller Art als jede NPO. Dennoch könnte man sich als NPO ein Beispiel daran nehmen, wie sehr diese ansonsten doch sehr traditionsverhaftete Institution seit neuestem auf moderne Medien setzt.

Am 24. Januar, dem Welttag der sozialen Kommunikation rief Papst Benedikt kirchliche Institutionen unter anderem dazu auf, ihr Kommunikationsbild zu überdenken und anzupassen; sich mit allen Kommunikationsmitteln vertraut zu machen und auch multimedial das Evangelium zu verbreiten.

Der Tag der sozialen Kommunikationsmittel selbst hat übrigens nur scheinbar etwas mit sozialen Medien zu tun, wie wir sie heute kennen. Der Tag wurde 1967 von Papst Paul VI als Welttag der Massenmedien eingführt. Der jeweilige Papst veröffentlicht an diesem Tag seither «eine Botschaft, die die christliche Soziallehre bezüglich der Ethik der Massenmedien erläutert» (Wikipedia).

Nun aber wieder zurück zum Papst. Mit der Website pope2you.net überraschte der Vatikan im Mai 2009 die Medienlandschaft. Mit dem Einbezug von Social Media Instrumenten wie Facebook, Twitter, Youtube, aber auch einer iPhone Applikation versucht die Kirche seither, näher an ihre jüngere Online-Gemeinde heranzutreten.

Website: Pope2you.net
Die Kirche nutzt alle sozialen Medien intensiv, um ihre Botschaften zu verbreiten. Basis und Plattform ist dabei die hübsch gestaltete Webseite pope2you.net. Besucher können hier die Botschaften des Papstes herunterladen, sie via Facebook an ihre Freunde weiterleiten oder emailen. Sie können sie sogar an ihnen bekannte Priester weiterleiten per Facebook oder e-Mail oder – falls der Priester partout nicht online-affin ist – als ausgedruckte Postkarte, Kalender oder Lesezeichen versenden (wobei man sich ja fragt, warum der Priester die Botschaften seines Chefs noch nicht kennt…). Die Webseite bietet via Flickr auch eine Bildergalerie und eine Art visuelle Weltkarte «Piece of Peace», in die der Besucher mittels einer Emails sein Foto einfügen kann.

Youtube
Der Vatikan unterhält mit «The Vatican» auch einen eigenen YouTube Kanal in vier Sprachen zur Verbreitung seiner Videos. Weitere Videos findet man unter h2onews, einem katholischen Newskanal ebenfalls auf YouTube, der Video- und Audionachrichten aus dem Vatikan liefert.

Facebook
Natürlich hat der Papst auch eine Facebook Fanseite namens «His Holiness Pope Benedikt XVI» mit knapp 95’000 Fans. Die letzte Meldung auf der Pinnwand ist vom 20. Juli 2008, das Diskussionsforum wird allerdings rege genutzt für Diskussionen zu Themen wie das Beten des Rosenkranzes, das Freimaurertum oder Homosexualität.  In den Diskussionen tritt der Papst selbst, bzw. der Fanseiten-Administrator, nie in Erscheinung. Die Fans diskutieren scheinbar unmoderiert untereinander.

Zudem hat der Vatikan mit «Pope2You» eine eigene Facebook-Applikation lanciert. Mit der Applikation sollen Fans die Botschaften des Papstes auf Facebook erhalten, ihn hören und sehen und sie – zum Beispiel durch virtuelle Postkarten – auch und vor allem an Freunde weiterleiten können.

iPhone
Auch iPhone und iPod Touch wurden nicht vergessen. Die iPhone-Applikation ist allerdings mehr oder weniger eine Verlängerung des YouTube-Kanals und dient als Broadcast-Tool für die Botschaften. Die Nachrichten sind per Video, Audio oder Text erhältlich.

Twitter
Zwar nicht der Papst, aber der Vatikan twittert als Vatican_va, wobei es sich mit 1’300 Followern um eine recht bescheidene Präsenz handelt, die anscheinend auch nur genutzt wird, um die neuesten Podcasts zu bewerben.

Das sieht nun nach einer intensiven Nutzung aller verfügbaren Kanäle und nach einem Einstieg in die moderne interaktive Kommunikation aus, die ja aus Geben und Nehmen bestehen sollte. Es ist allerdings mitnichten so. Jeder genutzte Kanal dient der Kirche einzig und allein als Instrument zum Verbreiten der Botschaft. Auf Englisch heisst das: Preaching to the Choir. So kann man wohl die bereits Gläubigen erreichen, aber in einen wirklichen Dialog mit Menschen kommt man so nicht. Die Kirche hat sich also nicht geöffnet, sondern nutzt einfach zusätzliche moderne Kommunikationskanäle. Das eingangs erwähnte Beispiel, das sich NPO hier nehmen könnten, bezieht sich demnach auch ausschliesslich auf den stringenten und verknüpften Einsatz der Instrumente – nicht auf die Art der Kommunikation.

Anstoss zu diesem Artikel gaben Artikel in den Blogs von Mashable und Thomas Hutter.

«Jetzt hört ihr mir mal alle zu!»

Freitag, 05. Februar 2010

Christian Henner-Fehr vom Kulturmanagement-Blog berichtet, dass der #followamuseum-Twitterevent deutschen Museen 1’584 neue Follower gebracht hat. So richtig verstanden haben die twitternden Museen das Medium anscheinend aber doch noch nicht.

Denn die grosse Mehrheit hat zwar relativ viele Follower, folgt aber selbst nur sehr wenigen Twitterern zurück. Hier wird immer noch Kommunikation 1.0 gemacht, schreibt Henner-Fehr:

«Das Museum verbreitet Nachrichten und die interessierten UserInnen warten andächtig darauf. Von Dialog spürt und sieht man eher weniger. Es gibt Museen, in deren Tweets findet man nicht eine einzige Reaktion auf andere Twitterer (zu erkennen an Tweets, die mit @ beginnen). Die Sache scheint also sehr einseitig. Daher stellt sich für mich die Frage: was machen die Museen denn nun mit den vielen neuen Followern? Sich freuen, dass sich die Zahl der Verfolger um x% erhöht hat? Mag sein, dass sich dadurch die eine oder andere neue BesucherIn in ein Museum verirrt. Aber dafür hätte es die Aktion nicht gebraucht.»

Gleiches fällt uns selbst leider auch bei bei twitternden NPO auf. Wenige, denen wir folgen, folgen uns zurück. Brauchen sie keine Öffentlichkeit? Noch weniger reagieren auf Kommentare zu ihren Meldungen.

Es ist anscheinend immer noch nicht durchgedrungen, dass Medien wie Twitter nicht einfach ein kostenloser PR-Kanal sind, in dem man megaphonmässig seine Meldungen in eine dankbare Welt hinausposaunt. (Das hat übrigens auch bei der traditionellen Pressearbeit nie funktioniert…)  Sondern ein Medium, in dem erwartet wird, dass auch Organisationen fähig sind, zu kommunizieren und Interesse an anderen zu zeigen. Kommunikation auf Gegenseitigkeit also.

Diese Twitter-Sünden fallen indes nicht nur bei NPO auf. Kürzlich sind wir sogar einem Unternehmen begegnet, dessen Tweets darauf schliessen lassen, dass da ein Roboter am Werk ist. Was das wohl für das Unternehmen bringt? Gar nichts.