Archiv für die Kategorie ‘Fundraising & Grossspenden’

Sponsoring: Wie gut oder böse ist Geld?

Dienstag, 25. Mai 2010

In der NZZ erschien ein interessanter, fast zu differenzierter Artikel zum Thema Sponsoring an Schweizer Hochschulen. Einerseits wird darin ein Bild der «schleichenden Privatisierung» und der «sanften Prostitution» gezeichnet. Und diese These unter anderem durch Aussagen untermauert, laut denen Schweizer Hochschulrektoren neuerdings die Geldbeschaffung als höchste Wissenschaftler-Tugend priesen, einige ihre Institutionen als Unternehmen betrachteten und kritische Fragen kaum diskutiert würden.

Andererseits wird klar erkannt, dass Schweizer Hochschulen durchaus Spitzenforschung auch ohne Sponsoring betreiben, dass korrekte Sponsoring-Verträge die Unabhängigkeit von Lehre und Forschung verbriefen und dass private Geldgeber wertvolle Anschubfinanzierung auch für unterdotierte Fächer leisten.

Wohin führt nun das Hochschul-Sponsoring? In den Abgrund der gekauften Forschung oder in die Höhen realisierter Visionen? Wo liegt der Grat zwischen der totalen wissenschaftlerischen Freiheit und dem Anspruch, mit immer knapper werdenden staatlichen Mitteln auf dem akademischen Markt eine Spitzenposition zu erreichen oder zu behaupten? Schwierige Fragen, die sich natürlich jede Universität stellen muss und die ein offenes Auge für die Möglichkeiten und Fallstricke des Sponsorings nötig machen.

Übrigens: Diese Frage müssen sich natürlich nicht nur Universitäten stellen. Auch NPO stehen öfter vor der Entscheidung, wessen Geld sie nehmen und wessen Lied sie damit – zumindest dem Eindruck nach – singen. Hier gibt es pragmatischere und idealistischere Ansätze – je nach Organisation und je nachdem, welcher Einfluss den Projekt-Leuten gebenüber den Marketing-Leuten eingeräumt wird.

Wie gehen Sie damit um?

Nein oder Ja?

Freitag, 11. Dezember 2009

Die meisten Menschen geben schnell auf, wenn sie ein «Nein» hören. Richtig gute Verkäufer – und Grossspenden-Fundraiser müssen auch das sein können – hören jedoch genau hin. Denn manches «Nein» lässt sich zu einem «Ja» machen, wenn man den Subtext dahinter versteht.

Bernard Ross vom Management Center in London, gibt Beispiele dafür:

  • «Nein, nicht dafür.»
    Bieten Sie dem Spender das Falsche? Finden Sie heraus, was ihn wirklich interessiert und formulieren Sie Ihr Angebot entsprechend.
  • «Nein, nicht für Sie.»
    So einen Korb zu kriegen, tut weh… Finden Sie heraus, welche anderen Organisationen die Spenderin unterstützen würde und warum.
  • «Nein, ich nicht.»
    Fragen Sie, warum der Spender Ihre Organisation überhaupt unterstützt. Und wer dieses besonders wichtige Projekte unterstützt, wenn nicht er?
  • «Nein, so nicht.»
    Finden Sie heraus, wie die Spenderin lieber helfen möchte.
  • «Nein, nur wenn…»
    Manche Spender verknüpfen ihre Spende mit einer Bedingung. Vielleicht wollen sie Anerkennung, nur ein bestimmtes Projekt unterstützen oder den Stiftungsratspräsidenten kennenlernen. Finden Sie heraus, was Ihr Spender will und überlegen Sie, ob das seiner Spende angemessen und machbar ist.
  • «Nein, nicht jetzt.»
    In dieser aktuellen Wirtschaftslage kann es sein, dass Menschen helfen wollen, aber im Moment einfach nicht dazu in der Lage sind. Finden Sie heraus, ob die Spenderin evtl. langfristig in Raten spenden möchte. Erklären Sie ihr, dass jedes Bisschen hilft.
  • «Nein, das ist zuviel.»
    Recherchieren Sie – vorher – sorgfältig das Potential Ihres Spenders. Wenn Sie dennoch seine Komfortzone eindeutig überschritten haben, versuchen Sie es mit einer kleineren Spende.
  • «Nein, das ist zuwenig.»
    Bernard Ross erzählt, dass er einmal eine Gedächtnisspende für einen lieben Verstorbenen machen wollte. Er fragte, was er für die Organisation tun könne und jemand sagte, sie bräuchten einen neuen Fernseher. Da war er dann doch leicht beleidigt. Wenn Ihr Spender wirklich etwas leisten will, dann bieten Sie ihm eine angemessene Möglichkeit dafür.
  • «Nein, gehen Sie weg!»
    Respektieren Sie den Wunsch Ihrer Spenderin, aber senden Sie ihr trotzdem eine kleine Karte und danken Sie ihr für ihre Zeit. Vielleicht ist sie davon so überrascht, dass sie es sich noch einmal überlegt.

Quelle:
NonProfit Times Instant Fundraising

Zum Thema Beziehungspflege.

Mittwoch, 18. November 2009

Heute morgen in den Schweizer Nachrichten gehört und in der New York Times recherchiert:

Mona Webster,  die in Edinburgh lebte und dort diesen August mit 96 Jahren starb, liebte Vögel und die Oper. Wie am 9. November nach Testamentseröffnung klar wurde, vererbte sie der Metropolitan Opera (Met) in New York den Grossteil ihres Vermögens mit 7.5 Millionen US Dollar. Der englische Wildfowl and Wetlands Trust erhielt ebenso viel.

Ms Webster liebte die Oper und besuchte regelmässig die Aufführungen der Met bis ins Jahr 2000. Danach wurde sie zu gebrechlich,  verfolgte jedoch weiterhin die Aufführungen regelmässig daheim an ihrem Radio.

Die Fundraiser der Met blieben jedoch seitdem mit ihr in Verbindung. Sie sandten Ms. Webster Bücher über die Vögel im Central Park und Bücher über die Geschichte der Met, die ihrer Liebe für Informationen sehr entsprachen. Sie schickten ihr auch LP-Aufnahmen der Opern, da Ms. Webster keinen CD- oder DVD-Spieler besass. Gail Chesler, die Direktorin des Planned Giving Bereiches unterhielt eine regelmässige Korrespondenz mit Ms. Webster und besuchte sie auch gelegentlich in Schottland, wenn sie sich im Urlaub in Europa aufhielt. Beim letzten Besuch kurz vor ihrem Tod hatte Ms. Webster unter anderem über ihre Investitionen gesprochen und Ms Chesler wie immer versichert, dass sie sich auch nach ihrem Tod «um die Met kümmern» würde. Es war allerdings nie klar, um welchen Betrag es dabei gehen sollte.

Ms. Webster war schon sehr lange zu den Vorführungen der Met gereist, allerdings meist als Teil einer Opern-Reisegesellschaft. So fiel sie als Spenderin auch erst auf, als sie im Jahr 2000 eine grosse Spende machte und zu einer Premiere eingeladen wurde. Ms. Webster hat auch der englischen Royal Opera ein Legat hinterlassen, allerdings «nur» 167′000 US Dollar, da sie mit diesem Opernhaus nicht so zufrieden war. Der Artikel lässt offen, ob sie dort auch als Spenderin bekannt war und entsprechend betreut wurde.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings für die Erben: Auch die Met muss die Spende in Grossbritannien versteuern – mit 40% Erbschaftssteuer.

Unterschätze niemals einen Spender.

Mittwoch, 23. September 2009

Marc Pitman gibt in seinem Blog gute Beispiele von unterschätzten Spendern:

Jean Preston war eine Bibliothekarin, die sich von Fertiggerichten ernährte und immer mit dem Bus fuhr.  Gleichzeitig sammelte sie in ihrer Wohnung Kunst im Wert von $8 Millionen.
Vielleicht hätte sie diese bei ihrem Tod gern gespendet. Wenn ein Fundraiser davon gewusst und sie gefragt hätte.

Helen Whitlock Alley war 86 Jahre alt, als sie bei einem Hausbrand ums Leben kam. Sie vermachte der Juvenile Diabetes Research Foundation überraschend $7.3 Millionen. Bei der Organisation war Ms. Alley bis dahin nur als $100/Jahr-Spenderin bekannt. Niemand wusste, dass ihr Bruder an Diabetes gestorben war.

Richard Walters war allen nur als netter Obdachloser bekannt. Er besass nichts, nicht einmal ein Auto – dachte man. Aber als er starb, war er $4 Millionen reich und spendete dem National Public Radio und vielen anderen Organisationen jeweils $400′000.  Walters war vor seiner Pensionierung ein erfolgreicher Geschäftsmann gewesen und anscheinend hatte er von einem Telefon im Seniorenzentrum aus noch mit Aktien gehandelt.

Was bedeutet das nun fürs Fundraising? Zwei Dinge:

1. Unterschätzen Sie niemals einen Menschen. Gehen Sie nicht von Vorurteilen und automatischen Annahmen aus, die darauf basieren, wie jemand gekleidet ist, welches Auto er/sie fährt – oder wieviel er/sie spendet.

2. Recherche, Recherche, Recherche: Widmen Sie sich immer wieder einer Handvoll Spender aus Ihrer Datenbank. Solchen, die vielversprechend aussehen und auch solchen, die es nicht auf den ersten Blick scheinen. Versuchen Sie, so viel wie möglich über diese Spender zu erfahren. Recherchieren Sie. Rufen Sie sie an, unterhalten Sie sich mit ihnen über ihr Spenden, über Ihre Organisationen und warum sie Sie unterstützen. Gold findet nur der, der auch danach sucht.

Expanding…

Wie weit kann Reichtum sinnvoll verpflichten?

Dienstag, 16. Juni 2009

Ich war einige Tage in Deutschland und dort hat mir einiges doch sehr zu denken gegeben. Unter anderem ein Editorial in der Stuttgarter Zeitung vom 12.Juni:

“Eigentum verpflichtet. Endlich hat das Bundesverfassungsgericht einmal mit der notwendigen Klarheit deutlich gemacht, wozu Eigentum verpflichten kann. … Es kann reiche und gesunde Menschen dazu verpflichten, wenigstens drei Jahre lang in eine soziale Krankenkasse einzuzahlen, obwohl sie sich bei einer privaten Versicherung besser und sogar noch billiger absicher könnten. Das ist nicht sehr viel. Aber es ist erheblich mehr, als sich bisher einige Zeitgenossen vorstellen konnten, die der Überzeugung waren, Eigentum verpflichte ausschliesslich dazu, den eigenen Wohlstand zu mehren….”

Des Weiteren die Beobachtung vom Strassencafe in der Shoppingmeile, dass keiner – kein einziger – der vielleicht nicht “reichen”, aber doch sorglos shoppenden und flanierenden Menschen einem freundlichen Strassenzeitungs-Verkäufer seine Zeitung für 1.70 € abkaufte. Die meisten schauten ihn nicht mal an.

Und gestern die Meldung zum SPD-Regierungsprogramm, dass die “Gutverdienenden” nun auch zur Bewältigung der Wirtschafts- und Finanzkrise herangezogen werden sollen: “Geringverdiener und Familien sollen unter anderem durch einen niedrigeren Eingangsteuersatz und einen höheren Kinderfreibetrag entlastet werden. Gutverdiener sollen durch einen «Bildungs-Soli» als Aufschlag auf den Spitzensteuersatz und eine Börsenumsatzsteuer stärker zur Kasse gebeten werden.”

Ich überlege mir, wohin diese von aussen wahrnehmbare, sich seit der Finanzkrise noch steigernde Gesellschafts-Haltung des “Reichtum verpflichtet!” führen könnte.

Nicht nur, dass sich “Gutverdienende” zunehmend überlegen, ob sie nicht anderswo eben so glücklich leben könnten. Unternehmerisches Risiko und 50-60-70-Stunden-Wochen sind auch in anderen Ländern möglich und werden dort unter Umständen nicht so hart bestraft… Immerhin zahlen Gutverdiener in Deutschland schon jetzt Spitzensteuersätze von über 50%.

Aber für mich stellen sich für die Zukunft des Fundraisings auch folgende grundsätzliche Fragen:

a. Welche Motivation werden “Reiche” in Zukunft haben, sich zusätzlich zum Spitzensteuersatz, zu Solidaritätsbeiträgen, zu Versicherungszwängen etc… auch noch spendenmässig für das Gemeinwohl zu engagieren?

b. Wie weit werden Menschen, die sich als “nicht-reich” definieren, ihre gesellschaftliche Verantwortung auf die “Reichen” übertragen?