Was Grossspenden für Grossspender bedeuten.
Für Kent Dove, Senior Vice President Fundraising der Indiana University Stiftung, entstammt eine Grossspende der Leidenschaft eines Spenders für ein Thema und seinem Wunsch, ein bleibendes Zeichen zu setzen. Beim Grossspendenfundraising sollte man daher die Aufmerksamkeit nicht auf die in der Vergangenheit eingeworbenen Gelder oder auch den eigenen aktuellen Bedarf richten, sondern sich ganz auf den Spender konzentrieren.
Was eine Grossspende ausmacht, wird nicht vom Fundraiser definiert, sondern vom Spender. Denn sie ist für ihn sowohl emotional als auch in Bezug auf sein Vermögen bedeutsam: er macht eine persönlich wichtige Investition.
Dove empfiehlt daher auch, dem Spender nicht einfach zu sagen, dass die NPO eine Million Dollar braucht. Sondern dass sie z. B. in der Gemeinde dieses Jahr 300 zusätzliche Familien ernähren muss. Bringen Sie den Spender dazu zu fragen: «Wie kann ich helfen?»
Für Dove hängt jede Grossspende vom Verständnis des Fundraisers für das LAI-Prinzip ab: Linkage (=Verbindung), Ability (=Fähigkeit), Interest (=Interesse). Finden Sie heraus, welche Verbindung ein Spender zu Ihrem Thema hat, was er tatsächlich zu geben imstande ist und ob (und wie sehr) ihn Ihre Projekte überhaupt interessieren. Dann kommt noch das Element «Timing» hinzu: Geht es um einen Notfall und eine sofortige Spende oder kann der Spender auch langfristig helfen, evtl. mit einem Legat?
Grossspenden-Fundraising ist wirklich spender-zentriert, sagt Dove. Natürlich gehören die üblichen Prospekt-Recherchen dazu, aber es gibt keinen Ersatz dafür, mit dem Spender selbst zu reden – und ihm zuzuhören.
Und die Regeln der «Sechs Richtigen» zu befolgen:
1. Die richtige Person fragt
2. den richtigen Spender
3. nach der richtigen Summe
4. für das richtige Projekt
5. zur richtigen Zeit
6. auf die richtige Art und Weise.
Dove ist es auch wichtig, dass es im Fundraising nicht darum geht, dass Spender Opfer bringen, sondern dass man ihnen etwas zeigt, das sie mit-erschaffen und zukünftigen Generationen hinterlassen können, und das innerhalb ihrer Spenden-Komfortzone ist. Und im Grossspenden-Fundraising geht es auch um Möglichkeiten. Sehr oft versucht ein Fundraiser einem Spender etwas zu «verkaufen», ohne richtig zuzuhören. Entscheiden Sie nicht für den Spender und setzen Sie seiner Spendenbereitschaft kein Limit.
Quelle:
Kent Dove, « Major Giving’s High Ceiling—Tips on Cultivation», Juni 2008, AFPNet
Was Grossspendern wichtig ist.
Eine aktuelle Studie des Center for High Impact Philanthropy zeigt, dass es vielen Grossspendern gar nicht wichtig ist, wie viel NPO für Verwaltungskosten ausgeben, auch wenn die Spender-/Konsumentenschutz-Gruppen darauf immer sehr viel Wert legen.
Interviews mit 33 Menschen, die durchschnittlich $1.5 Millionen pro Jahr spenden, zeigen, dass viele Grossspender in der Vergangenheit selbst Unternehmen aufgebaut hatten und verstehen können, dass eine NPO auch Geld für Verwaltungs- und Betriebskosten braucht und dass sie auch willens waren, dafür zu spenden.
Die meisten der Befragten gaben an, dass sie sich NPO aussuchen, indem sie sich auf Informationen verlassen, die sich von ihren Freunden und Bekannten erhalten, anstatt selbst zu recherchieren oder Spender-Organisationen oder Quellen wie Guidestar zu Rate zu ziehen: «Jemand kennen im Vorstand oder im eigenen Bekanntenkreis, der das Thema oder die Organisation empfiehlt“, wurde von 26 der Befragten als sehr wichtig eingestuft.
Mehrere Spender sagten auch, dass sie keine Zeit hätten, um für sich selbst Entscheidungs-Kriterien zu entwickeln, welche NPO welche Summen bekommen sollten. Deshalb gäben sie oft nicht so viel, wie sie sich eigentlich leisten könnten.
Manche Spender sagten, sie bräuchten bessere Informationen über die Themen die sie interessieren, aber die meisten gaben an, dass sie NPO nicht aktiv nach detaillierten Informationen fragen. Die Forscher identifizierten zwei Gründe hinter der Zurückhaltung der Spender, um Informationen zu bitten. Erstens wollten sie bei den NPO keine zu grossen Hoffnungen wecken und zweitens fürchteten sie unerwünschte Spendenbitten. Die Forscher schreiben: «Wir waren nicht wirklich überrascht, als wir bei den Befragten ein akutes Gefühl von Hilfswerk-Überflutung identifizierten.» Manche Spender beschrieben, dass sie wöchentlich Dutzende von Spendenbitten erhalten. Zusätzlich sagten die meisten Spender dass es für sie schwierig ist, Beziehungen zu einer NPO zu beenden, die sie unterstützt haben – auch, wenn sie entschieden haben, dass es Zeit ist aufzuhören.
Da die Spender es für schwierig halten, die Wirkung ihrer Spenden zu beobachten, geben sie meist greifbaren oder zeitlich begrenzten Projekten (z.B. ein neues Gebäude oder ein Stipendium) den Vorzug.
Die Spender drückten allgemein auch Zurückhaltung aus, wenn es darum ging, von ihnen unterstützte NPO nach Wirksamkeits-Daten zu fragen. Viele sagten, dass sie die NPO nicht mit zusätzlichen Bitten um Details belasten wollten, dass sie nicht als «anspruchsvolle Spender» gelten oder den Eindruck erwecken wollen, dass sie der NPO nicht vertrauen. Gefragt nach formellen Projekt-Evaluationen von NPO, zeigten sich manche Spende ambivalent über ihre Nützlichkeit und sagten, dass die Daten oft schlecht präsentiert sind, nicht die richtige Information liefern oder einfach unnötig sind.
Befragt zu ihrer Rolle als Spender sagte eine Minderheit , dass sie sich nicht als Philanthropen sehen, obwohl sie jedes Jahr so viel spenden. Sie wollten eher als Community Volunteers oder Community Unterstützer gesehen werden. Die meisten Spender gaben an, dass sich ihre Rollen bei NPO entwickelt hatten. Weg vom einfachen Scheck-Ausstellen und hin zu mehr Beteiligung, als ihre Erfahrung, ihre Zeit und ihr Vermögen wuchsen.
Quelle:
Holly Hall «New Study Sheds Light on What Wealthy Donors Care About; Many Say They Will Support Operating Costs.», September 2008, The Chronicle of Philanthropy.
Studie erhältlich beim Center on High Impact Philanthropy der University of Pennsylvania
Unter Fundraisern geistert oft noch die Vorstellung herum, dass alle Grossspender sich nur irgendwie ein Denkmal setzen wollen. Das ist sicherlich ein Motiv für manchen Spender, aber es gibt noch viele andere, ebenso gültige Motive: etwas zurückgeben, etwas Positives bewirken/erschaffen, dazu gehören, das Richtige tun, das Gleiche tun, wie die anderen etc…
Interessant ist die «Furcht» vieler Grossspender vor einer Überflutung mit Hilfsappellen. Ganz offensichtlich gehen zu viele Fundraiser auch im Grossspenden-Bereich noch nach dem Brausekopf- oder dem Steter-Tropfen-Prinzip vor und lassen dabei ausser acht, dass Grossspender anders funktionieren als Direktmail-Spender. Auch bei Letzteren wäre ein Idealzustand erreicht, wenn wir jeden einzelnen Spender nach dem LAI-Prinzip ansprechen könnten. Bei Grossspendern ist dieses Vorgehen jedoch einfach unerlässlich.
Was ein Prospect Researcher macht.
Als Ali McLane bei der Texas Tech University als Prospect Researcher arbeitete, hatte sie, wie jeder ihrer Kollegen, ihre Top-50-Prospects, die sie ständig «monitorte», um zu sehen, ob es etwas Neues zu ihnen gab. Eines Morgens um halb neun gab es etwas Neues: Einer von McLanes Prospects war gerade an die Führungsspitze einer grossen Firma befördert worden. Sie wusste, dass einer der Fundraiser sich in zwei Stunden mit diesem Prospect treffen sollte. Sie rannte ins Büro der Fundraising-Leitung und sagte Bescheid. Der Fundraiser wurde unterwegs auf dem Handy angerufen und konnte so eine Flasche Champagner mitbringen und das Gespräch beginnen, indem er dem potentiellen Spender zur Beförderung gratulierte. Der beeindruckte Spender spendete schliesslich eine siebenstellige Spende – einer der Höhepunkte von McLanes Karriere.
Prospect Researcher sind nicht so sichtbar wie die Fundraiser selbst, aber ihre Arbeit ist nicht weniger wichtig.
Sie füttern ständig Tausende von Namen in einen komplexen Software-Screening-Prozess, um Individuen herauszufiltern, die sowohl die Möglichkeit haben, grosse Spenden zu geben, als auch die Neigung, die Organisation oder Institution zu unterstützen.
Die Association of Professional Researchers for Advancement (APRA) hat heute fast 2’000 Mitglieder. Pamela Poland, Präsidentin von APRA, sagt: «Ein Fundraising-Research-Programm erlaubt Institutionen und Organisationen, sich auf die besten Spenderprospects zu konzentrieren – die, die die grösste finanzielle Wirkung haben werden. Intelligente Recherche und Datenmanagement sollten daher eigentlich Pflicht sein für eine NPO, die gut mit Spendengeldern umgeht.»
Kirsten Jasna hat Prospect Research aus beiden Perspektiven erlebt. Sie begann ganz gross mit der Stiftung der University of Michigan: «Wir hatten wirklich alles, auch das höchste Level von LexisNexis, um Nachrichtenquellen, Rechtsquellen und verschiedene öffentliche Daten-Quellen über Informationen zu potentiellen Spendern zu durchsuchen. Unter anderem auch eine Software, um die öffentlichen Daten der Securities and Exchange Commission zu nutzen.» Heute, als Fundraiserin bei der Stiftung des Museum of New Mexico hat Jasna hat sehr viel weniger Möglichkeiten, mit denen sie arbeiten kann. Sie konnte die Stiftung überzeugen, ihr den Basic Level von LexisNexis zu kaufen, mit dem sie unter anderem Immobilienquellen, Aktien-Markt-Quellen und Who is Who-Listen durchsuchen kann. Manche dieser Informationen gibt es natürlich auch kostenlos im Internet, aber mit der Software sind sie viel schneller gefunden.
Kleine NPO geben ihre Prospect Research meist ausser Haus, damit ihre Fundraiser sich darauf konzentrieren können, die Fundraising-Strategien zu implementieren. Wenig Personal zu haben, kann bedeuten, dass auch weniger Fundraising-Massnahmen umgesetzt werden. Aber die positive Wirkung von guter Recherche auf Kostenbegrenzung und Optimierung von Spendengeldern bleibt immer gleich. Die meisten Research-Dienstleister bieten an, die Datenbank einer kleinen NPO zu durchsuchen und die besten 100 Prospects für ein paar Tausend Dollar zu identifizieren.
Da Researcher so viel mit sensitiven Daten zu tun haben, ist der Umgang mit der Information ein ständiges Thema und die Einhaltung der ethischen Richtlinien ist der APRA sehr wichtig. Gute Researcher nutzen nur öffentlich zugängliche Informationen und vermeiden es, rein persönliche Daten wie polizeiliche Führungszeugnisse zu Rate zu zeihen oder jede Art von privater Informationen, für die man die Social-Security-Nummer haben muss, wie z.B. Testamente oder Scheidungsurteile.
Research ist ein delikates Thema, sagen die Researcher selbst. Niemand mag die Vorstellung, dass jemand Unterlagen über einen führt. Aber wer die Mission einer NPO unterstützt, sollte auch unterstützen, dass sie NPO effizient vorgeht. Zum Beispiel würden Unterstützer des Roten Kreuzes sicher wollen, dass ihre Organisation weiss, ob eine Stiftung für ihre Projekte Geld zu vergeben hat, bevor jemand dort einen Antrag stellt. Das wäre sonst schlechtes Fundraising und die Spender wären zu Recht entrüstet. Researcher sagen, dass sie das Gleiche mit Privatleuten machen: Haben sie Geld? Sind sie interessiert? Gibt es eine Beziehung? Und das geschieht möglichst effizient durch geeignete Tools.
McLane selbst sagt: «Sie werden nie wissen, wie viel jemand wirklich wert ist. Ich kann nicht sehen, was Sie für Schulden haben. Ich weiss nicht, wie viel auf Ihrem Sparbuch ist oder in Ihren Vermögensanlagen. Und ich weiss auch nicht, ob Sie Ihre Grossmutter finanziell unterstützen.»
Es gibt Indikatoren für einen guten Prospect. Laut McLane wäre ein guter Prospect z. B. jemand, der 10% oder mehr einer Firma besitzt oder der CEO oder Verwaltungsratsmitglied einer Firma ist. In den USA gibt es heute insgesamt ca. 400’000 solche Menschen, die irgendwo in der Datenbank einer NPO sein könnten. Das wäre dann wie ein grosses Los.
«Grundsätzlich ist es auch so, dass alle wohlhabenden Menschen von jemanden angesprochen und kultiviert werden,» sagt McLane. «Sie haben die Wahl. Entweder sind Sie besser in der Ansprache und Kultivation als ihre Mitbewerber oder Sie finden jemanden, den wirklich noch niemand gefragt hat.»
Spender sollten wissen, dass sie nicht unbedingt gleich «untersucht» werden, sobald sie einer NPO eine Spende geben. Meist ist es eher so, dass die Spender, die untersucht werden, schon von sich aus mit einem grösseren Spendenangebot auf die NPO zugekommen sind. Dann ist es Aufgabe der NPO, Hintergrundinfos aufzubereiten, damit die Fundraiser die Motive, Interessen und Spendergeschichte der Spender verstehen. So können sie um eine Spende bitten, die zum Spender passt, ihn nicht beleidigt und nicht seine Zeit verschwendet.»
Auszüge aus einem NonProfit Times-Artikel vom Mai 2005, Mike Patterson and Dan D’Ambrosio
Das ist sicher in deutschsprachigen Ländern eine paradiesische Vorstellung für Grossspenden-Fundraiser: Jemanden haben, der nichts tut, als den ganzen Tag Prospects zu recherchieren. Und dann mit punktgenauen Hintergrund-Informationen zielführende Gespräche führen können. Wenn man sich die heutige Personalsituation im Fundraising anschaut, ist es ein langer Weg, bevor die grösseren deutschsprachigen Organisationen oder Institutionen Geld in eine reine Research-Stelle investieren werden. Entsprechend wird es auch lange dauern, bis das Grossspenden-Volumen in Deutschland oder der Schweiz vergleichbare Ausmasse zu dem der USA, England oder Kanada erreichen wird.
Wir arbeiten zusammen mit unseren Projektpartnern weiterhin an der Entwicklung des «Fundmatcher», der die Such- und Recherche-Arbeiten im Bereich Grossspenden-Fundraising etwas einfacher machen wird.
09.03.09


