Archiv für die Kategorie ‘Fundraising & Direktmarketing’

Spenderentwicklung…

Freitag, 11. Juni 2010

ist in aller Munde. Jeder weiss, dass Beziehungen zu Spendern so individuell und gezielt wie möglich entwickelt werden sollten. Nicht nur bei Grossspendern. Dass man dazu Bezüge herstellen kann zwischen den Daten, die man von Spendern hat und ihren Bedürfnissen oder Wünschen.  Aber wird das wirklich praktiziert?

Wenn ja, warum erhält eine uns bekannte Familie von einer grossen Organisation seit mehr als 10 Jahren kommentarlos das Heftli für die Kinder – die seit Jahren erwachsen und aus dem Haus sind? Warum kommt niemand auf die Idee, nachzufragen, ob das Angebot noch den aktuellen Bedürfnissen entspricht?

Dazu müsste ja nicht einmal jemand den Telefonhörer in die Hand nehmen. Ein Klick in der Datenbank ergibt alle Spender, die seit Jahr und Tag das Angebot erhalten. Dann wird innerhalb einer Stunde ein netter, persönlicher Brief geschrieben. In dem man einfach fragt, ob das Heftli denn weiterhin gewünscht wird, vielleicht für eventuell schon existierende Enkelkinder? Ob der Spender/die Spenderin andere Wünsche oder Fragen hat…?

Es wäre doch so einfach. Oder nicht?

Woran scheitert die Spenderentwicklung in der Realität? Ressourcen? Ideen? Zeit? Daten-Qualität? Arbeits-Prozesse? Ihre Meinung würde uns sehr interessieren!

Wenn der Spendensammler klingelt…

Dienstag, 02. Februar 2010

Ausgerechnet das Handelsblatt berichtete gestern von einer interessanten Studie zum Thema Spendenmotivation. Es ging dabei um das Spendensammeln an der Haustür, das von den Forschern List, Malmendier und DellaVigna extensiv in den USA getestet worden war.

Studienaufbau.
Die Studie lief von April 2008 bis Oktober 2009 und umfasste 9′000 Haushalte in wohlhabenderen Vororten Chicagos. Die Haushalte wurden um Spenden für ein Chicagoer Kinderkrankenhaus und für eine vor Ort wenig bekannte NPO aus einem anderen Staat gebeten.

Ein Teil dieser Haushalte erhielt unangekündigte Besuche von einem Spendensammler. Ein weiterer Teil wurde mittels Flugblatt informiert, wann am nächsten Tag ein Spendensammler klingeln würde. Und ein weiterer Teil konnte den Besuch auch mittels Kreuzchen auf dem Flugblatt explizit ablehnen.

Ergebnisse.
Es zeigte sich, dass bei unangekündigten Besuchen 41% der Haushalte öffneten, bei angekündigten Besuchen waren es (je nach Quelle) 4-25% weniger und bei Haushalten, die “Bitte nicht stören” angekreuzt hatten, immerhin noch etwa 30%.

Es zeigte sich ebenso, dass bei unangekündigten Besuchen Kleinspenden bis $5 durchschnittlich überwogen. Die Forscher schlossen daraus, dass solche Kleinspenden tendenziell eher von gefühltem sozialem Druck gegenüber dem Spendensammler motiviert werden, als aus altruistischen Motiven. Umso mehr, als Haushalte die vorgewarnt worden waren, eher höhere Beträge ab $10 spendeten. Die Vorwarnung und die Möglichkeit des Opting-Out reduzieren das Spendenverhalten beträchtlich besonders bei Kleinspenden unter $10.

Spendenzweck.
Auch bei den Spendenzwecken wurde ein Unterschied festgestellt – das örtliche Kinderkrankenhaus erhielt mehr Spenden als die relativ unbekannte NPO. Forscher John List schreibt «Der geschätzte Kostenpunkt, einen Spendensammler “Nein” zu sagen, liegt für eine NPO aus dem eigenen Bundesstaat bei $3.5 und bei einer NPO von ausserhalb bei $1.4»

Einfluss der Wirtschaftskrise
Ein Teil des Experiments fiel übrigens auch in die Zeit der Wirtschaftskrise. Als die Ergebnisse spezifisch ausgewertet wurden, zeigte sich, dass während des Kollapses von Lehman Brothers und des Aktienmarkts die unangekündigten Besuche fast Zweidrittel weniger Spenden einbrachten als vorher. Während Spenden aus Haushalten, die vorgewarnt worden waren (in der Studie als Altruisten bezeichnet, da sie das Spenden ja hätten vermeiden können) weniger Krisenabfall zeigten und eher noch höher waren als vorher.

Die Studie kann übrigens von Abonnenten, Journalisten oder «Einwohnern von Entwicklungsländern» vom National Bureau of Economic Research heruntergeladen werden.

Quellen:
Handelsblatt, Olav Storbeck «Wie Spender ticken»
Freakonomics, Stephen Dubner «What’s next: A Do-Not-Knock-Registry?»
Tim Harford, «Even in a recession, charitable giving can go up as well as down.»

Schnelles und gekonntes Email-Fundraising.

Freitag, 15. Januar 2010

Ein richtig gutes Fundraising-Mail kam gestern von Betterplace. Die Betreffzeile lautete «Jetzt aber schnell!» und der Text selbst war kurz und direkt:

«Hallo Gabriele Bryant

Verzichten wir auf das Vorgeplänkel. Es geht um Haiti.

Haiti gilt als das ärmste Land der westlichen Welt. Es wurde heute Nacht von dem wahrscheinlich schwersten Erdbeben seit 200 Jahren getroffen.

Schnelle und unkomplizierte Hilfe ist gefragt, denn es fehlt am Nötigsten. Helfen Sie den Menschen auf Haiti, indem Sie Projekte auf Betterplace unterstützen!

Ihr Moritz Eckert

Mitgründer betterplace.org»

Das wars. Und mehr brauchte es auch gar nicht. Denn dazu waren im gleichen Mail mehrere Direkt-Buttons gesetzt wie «Jetzt Betterplace.org weitersagen!», «Jetzt spenden!» und es wurde eine SMS-Nummer zum Spenden angegeben sowie Anleitungen, wie Links, Statusmeldungen und Banner zum Thema Haiti ganz einfach und schnell in die eigene Email-Signatur, das eigene soziale Netzwerk oder die eigene Website eingebaut werden konnten. Es ging um eine Katastrophe, es ging um schnelle Hilfe und es ging an die User von Betterplace, die alle internetaffin sind, wenig Zeit haben, lange Episteln zu lesen und schnell reagieren wollen.

Das war natürlich nicht das einzige NPO-Email, die wir zum Thema Haiti erhielten. Aber das Einzige, das es wirklich leicht machte, sofort etwas zu tun oder zu spenden.

White Mail?

Mittwoch, 16. September 2009

Ein alter amerikanischer Direktmarketing-/Fundraising-Witz geht so:

«Was ist ein passiv-agressiver Spender?
Jemand, der regelmässig spendet, aber immer per White Mail.»

Um über den Witz lachen zu können, muss man wissen, was «White Mail» eigentlich ist:

White Mail ist Korrespondenz von Spendern, die dazu nicht vordefinierte Antwort-Vehikel (Talons, Kuverts, Karten, Vordrucke etc. ) nutzen, sondern ihre eigenen Kuverts nehmen oder Kommunikationskanäle nutzen. Heute umschliesst die Definition auch z.B. Kommunikation via Email etc.  Der Inhalt der White Mail umfasst alles von Adressänderungen, Beschwerden, Fragen, Bestellungen bis Spenden, einzeln oder auch in Kombination.

Eigentlich eine gute Sache, sollte man denken, wenn die Spender von selber auf  einen zukommen. Bei grossen Direktmarketern ist White Mail allerdings nicht so beliebt, weil die Bearbeitung solcher Korrespondenz zwei- bis dreimal länger dauert als die Bearbeitung genormter spezifischer Antwort-Vehikel. Individuelle Kommunikation erfordert eben individuellen Aufwand.

Deshalb gab und gibt es bei grossen Direktmarketing-Anwendern meist jemanden, der speziell für White Mail verantwortlich ist.  Man geht dort davon aus, dass White Mail-Kunden/Spender eine besonders hohe Motivation haben, denn sie machen es sich ja von sich aus schwerer: sie schreiben Briefe oder Emails, besorgen sich Adressen, etc. Wer das heute noch macht, dem bedeutet die Firma/Organisation wirklich etwas und man sollte herausfinden, was.

Das deutsche Mailorder-Portal empfiehlt deshalb:

  • Jede White-Mail von der Anschrift bis zum PS lesen.
  • Jede persönliche Kommunikation ebenso persönlich beantworten. Und sich dabei idealerweise in Medium, Umfang und Stil nach der ursprünglichen Kommunikation richten. Bei der Versandfirma Lands End ist das Firmenrichtlinie: Ein zwei Seiten langer Brief erhält eine ebenso lange Antwort. Und wenn der erste Absatz eines Briefes über die Aktivitäten der Kinder spricht, dann bezieht sich auch die Antwort darauf.
  • Rasch antworten. Je länger man wartet, desto persönlicher muss die Antwort ausfallen und auch eine Begründung für die Verzögerung aufweisen.
  • Regelmässig die Daten auswerten nach besonderen Merkmalen, Verhalten oder Reaktionen.
  • Lob und Kritik aus den White Mails an alle MitarbeiterInnen und an die Produktverantwortlichen weitergeben.

Die meisten NPO haben zwar nicht derart riesige Abwicklungsmaschinen, dass «White Mail» überhaupt als eigenständiger Prozessbegriff auftauchen müsste. Aber auch NPO erhalten White Mail-Korrespondenz von Spendern und sie wird unserer Erfahrung nach leider nicht immer so sorgfältig behandelt wie bei vielen kommerziellen Unternehmen.

Quelle:
Mailorderportal.de

Bessere Mailingergebnisse durch Matched Giving?

Montag, 14. September 2009

Matched Giving ist vor allem in englischsprachigen Ländern beliebt als Fundraising-Tool. Im Matched Giving bietet Spender/Sponsor an, ein Projekt finanziell zu unterstützen, wenn die NPO einen Teil des Geldes selber einbringt. Im Klartext heisst das dann: «Jeden Dollar, den Sie spenden, matcht … mit weiteren … Dollar.»

Die Agentur Bluefrog stellte Ende August im Queer Ideas Blog die Frage, wie sich ein solches Matched-Giving-Angebot auf eine Spendenbitte per Direktmail auswirkt. Zwar ging man immer davon aus, dass ein derartiges Angebot sowohl die Responserate als auch die Spendenhöhe steigern müsste, hatte diese These aber nie selbst testen können.  Die beiden Forscher Karlan und List haben dies jedoch 2007 mit einer Direktmailkampagne in den USA getan. Ihr Experiment war wie folgt aufgebaut:

  • Die Organisation verschickte Mailings an 50′000 bestehende Unterstützer. Zweidrittel der Spender erhielten ein Matched-Giving-Angebot, der Rest als Kontrollgruppe nur das Standardmailing.
  • Der vierseitige Spendenbrief hielt sich an die typische Mailingform der Organisation, was Design, Inhalt, Umfang und Text betraf. Alle Spender erhielten das gleiche Mailing mit folgenden Unterschieden:
    - der Brief an die Testgruppe enthielt einen zusätzlichen Absatz oben auf der zweiten Seite, mit der Ankündigung, dass ein anonymes Mitglied der Organisation («a concerned fellow member») die Spende matchen wollte.
    - die Antwortkarte der Testgruppen enthielt detaillierte Angaben zum Matching-Angebot, die Antwortkarte der Kontrollgruppe trug an dieser Stelle das Organisationslogo.
  • Es gab drei verschiedene Matching-Angebote mit den Verhältnissen 1:1, 2:1 und 3:1, die nach Zufallsprinzip auf die Empfänger verteilt wurden. Auch der Spendenvorschlag unterschied sich nach Zufallsprinzip in der Höhe.

Ergebnisse
Die einfache Ankündigung eines Matching-Angebots von 1:1 zeigte schon eine signifikante Wirkung mit einer 19% höheren Durchschnittsspende und 22% mehr Response. Die Höhe des Matching-Verhältnisses hatte jedoch keine zusätzlich Wirkung, sodass zwischen der verdoppelten und der verdreifachten Spende kein wesentlicher Ergebnisunterschied bestand.

Die Forscher schliessen in ihrem Abstract, dass Spender sich durch ein Matching-Angebot wichtiger empfinden und es für dieses positive Verstärker-Gefühl keinen Unterschied mehr macht, wie sehr ihre Spende vervielfacht wird.

Das sind interessante Ergebnisse, die aber unserer Ansicht nach nicht generell auf Direktmailings angewendet werden können. Denn was man dazu wissen muss: bei der Kampagne ging es erstens um eine Kapitalkampagne und zweitens um ein dringendes politisches Thema. Menschen, die für politische Themen spenden, sind unter Umständen von einer anderen Motivation getragen, als Menschen, die ein Hilfswerk unterstützen.

Die Ergebnisse bieten jeodch auf jeden Fall genügend Anlass, Matched-Giving-Angebote auch einnmal im deutschsprachigen NPO-Direktmarketing zu testen.