Archiv für die Kategorie ‘Fundraising & Gesellschaft’

Über den Generationenwechsel der Spender.

Mittwoch, 09. Juni 2010

Ein Artikel von Network for Good über den Generationenwechsel der Spender und über den dafür nötigen Paradigmen-Wechsel bei NPO (sinngemäss übersetzt und gekürzt), dem eigentlich nichts hinzuzufügen ist:

“NPO müssen anders über ihre Spender denken. Wir sind mitten in einem riesigen Generationenwechsel, der grossen Einfluss auf unsere Arbeit hat. Die Generation der Spender, die aus Verpflichtung spendeten und Organisationen ihr Geld in gutem Glauben anvertrauten, verschwindet langsam. Die neuen Spender sind weitaus anspruchsvoller. Sie sehen ihre Spenden als Investition und wollen fundierte Informationen über den Fortschritt der Projekte, die sie unterstützen.

Das heisst, es genügt nicht mehr, ein Bedürfnis anzumelden und ein Dankeschön zu schicken.

NPO sollten sich ihre Organisationen aus der Sicht des Spender anschauen. Zum Beispiel, indem sie regelmässig einen «Sei Dein eigener Spender»-Tag veranstalten: Besuchen Sie Ihre eigene Webseite. Fragen Sie sich als Spender, ob Sie erkennen, was Ihre Organisation tut. Sehen Sie etwas, das eine emotionale Beziehung schafft? Sind Tools vorhanden, mit denen die Inhalte über soziale Netzwerke mitgeteilt werden können? Erscheinen die Stimmen der Spender und Unterstützerinnen in den Inhalten? Wie fühlt sich die Webseite an  – wie eine Community oder wie eine Broschüre?
Spenden Sie on- und offline. Wann und wie bedankt man sich bei Ihnen? Was geschieht danach? Rufen Sie Ihre Zentrale an und stellen Sie Fragen. Abonnieren Sie den Email-Newsletter. Twittern Sie Ihre Unterstützung für die Organisation und schauen Sie, was passiert.
Spielen Sie regelmässig «Spender» – mindestens einmal im Vierteljahr. Nur so werden Sie Ihre Schwächen in der Spenderbetreuung entdecken und sich verbessern können.

Ein weiterer Paradigmenwechsel im Fundraising: Beim Spenden geht es heute nicht mehr darum, Bedürfnisse zu stillen, sondern darum, Wirkung zu erzielen. Im Fundraising geht es also nicht darum, was Sie brauchen, sondern darum, was der Spender – durch Sie – erreichen kann. Jeder weiss, dass Sie Geld brauchen. Genau wie tausend andere Organisationen. Wenn das alles ist, was Sie sagen können, sind Sie nur eine unter vielen NPO.
Was ist besonders an Ihnen? Es muss darum gehen, dass Sie zusammen mit dem Spender Dinge erreichen können, die sonst niemand schaffen kann.
Diese Wirkung erreichen Sie, indem Sie über Individuen sprechen. Sprechen Sie nicht von grossen Zahlen, erschreckenden Statistiken oder unfassbaren Ergebnissen. Individuelle Erfolgsgeschichten schaffen die emotionale Beziehung zu Ihrer Arbeit, die für die Spenderbeziehung zu wichtig ist. Online-Tools, von Webseiten bis zu Twitter sind sehr hilfreich, um diese Geschichten zu transportieren.  Stellen Sie diese einzigartigen Geschichten auf Ihrer Webseite, Ihrer Facebook-Seite, in Ihrem Email-Newsletter in den Fokus. Und am Rand geben Sie dann einen kurzen Überblick, wie viel von den Spenden verwendet wird, um diese Wirkung mit Ihren Programmen zu erzielen.”

Quelle:
Network for Good

Der Originaltext ist übrigens ein Auszug aus dem sehr empfehlenswerten und kostenlosen eBook von NFG «Homer Simpson for Nonprofits».

Pay what you want!

Freitag, 28. Mai 2010

Der amerikanische Brot-Produzent Panera Bread Co. hat vor zwei Wochen einen seiner Café-Läden in St. Louis in eine NPO verwandelt, die Geld für lokale Organisationen erwirtschaften soll. Der Laden hat den Namen «St. Louis Bread Co. Cares» – er zeichnet sich vor allem auch dadurch aus, dass die Waren dort zwar mit Preisen ausgezeichnet sind, es sich dabei aber eher um unverbindliche Vorschläge handelt.

Nach dem Motto «Take what you need, leave your fair share» bezahlen die Kunden, was sie wollen und legen das Geld in eine Spendenbox neben der Kasse. Letztere dient nur noch dazu, Wechselgeld herauszugeben. Kunden, die nichts bezahlen können, werden gebeten, in Café mitzuhelfen.

Der Laden wird von einer gemeinnützigen Stiftung betrieben. Aus den Erträgen werden die Betriebs-, Miet- und Personalkosten bezahlt, was übrigbleibt, geht an lokale gemeinnützige Organisationen. Wenn sich das Modell bewährt, will Panera es auch auf andere Städte ausdehnen – die Firma wird jedoch nicht für Verluste aufkommen, sollte das Experiment scheitern.

Denise Cerreta vom One World Salt Lake City Restaurant, das seit 2003 auf ähnliche Weise operiert, meint dazu: «Irgendwie balanciert es sich aus. Ich denke, Menschen sind schlussendlich gut. Sie wollen etwas beitragen.»

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Quellen:
Yahoo Finance
STLToday

Das Leben ist kein Beliebtheitswettbewerb. Oder doch?

Donnerstag, 11. März 2010

Spender wollen heute mitentscheiden, was wo gefördert werden soll. Dazu stellen sie ihre eigenen Aktionen ins Netz auf Portalen wie Helpedia oder sie stimmen ab, welche Förderprojekte ihrer Ansicht nach gefördert werden sollen. Viele Portale und manche NPO greifen diese Art der Publikumsabstimmung auf – der Blog Kampagne 2.0 stellt dazu eine interessante Frage im Rahmen des Trinkwasserprojekts von 2aid.org. Hier konnte Anfang Jahr abgestimmt werden, ob ein Brunnen in Kenia, Malawi oder Uganda gebohrt werden sollte und die 148 Twitpoll-User entschieden sich für Uganda. Was bedeutet, dass die Menschen in den anderen Ländern weiterhin ohne Brunnen auskommen mussten. Kampagne 2.0 fragt daher: «Auf welcher Grundlage entscheiden deutsche Internetuser, wo Hilfe am nötigsten und am besten geleistet werden muss?» und meint, dass solche Abstimmungen wie die von 2aid.org paternalistische Züge aufweisen und eher der alten Auffassung von Entwicklungshilfe («Wir wissen, was am besten für Euch ist.») entsprechen, anstatt der modernen Idee der Entwicklungszusammenarbeit.

Für uns stellt sich weiter die Frage, wann derartige Abstimmungen in ein vom TV her sattsam bekanntes «Gladiatorenformat» kippen. Wo jeder Teilnehmer um die Gunst der Jury/Zuschauer buhlen muss, um nicht abgewählt zu werden und um am Schluss zu gewinnen.

Der Grat ist schmal. Auf der einen Seite stehen die gefühlten menschlichen Bedürfnisse der Spender, mitzuentscheiden. Auf der anderen Seite die realen substanziellen Bedürfnisse der Projekte. Vielleicht sollte man hier von einem Entweder-Oder absehen, sondern ein Format wählen, in dem abgestimmt wird, wie eine bestimmte Summe unter verschiedenen Organisationen aufgeteilt wird?

Dazu auch ein Zitat von der amerikanischen Seite BestoftheWeb, das unser leichtes Unbehagen verdeutlicht:

«Wir haben einen Sieger…
Wir freuen uns, verkünden zu können, dass der gesamte Erlös der SES NY Charity Party an die Leukemia und Lymphoma Society geht. Es war ein sehr enges Rennen, aber nach wochenlangem Abstimmungskampf, verdrängte die Leukemia und Lymphoma Society die HMBANA Milk Banks mit nur 2% …»

Was meinen Sie? Ist der Spendenmarkt sowieso ein unbewusster «Beliebtheitswettbewerb», in dem süsse Kinder und Tierchen mit grossen Augen das Rennen machen vor unbequemen obdachlosen Alkoholikern? Ist es ganz gut, wenn dieser Beliebtheitswettbewerb öffentlich ausgetragen wird? Oder finden Sie es fragwürdig, wenn Leukämie gegen Morbus Crohn kämpft, Kenia gegen Uganda? Ist dieses Dilemma überhaupt lösbar – da es ja anscheinend auf der menschlichen Natur beruht?

Wir sind gespannt auf Ihre Meinung!

WikiLeaks braucht Spenden.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Web 2.0 birgt Herausforderungen und Veränderungen, mit denen wir als Menschen und als Gesellschaft lernen müssen, umzugehen. Aber Web 2.0 schützt uns auch vor vielen Dingen. So wird eines heute – mit YouTube und Twitter und Mobiltelefonen – immer unmöglicher: eine Diktatur, in der Wenige die Meinung und den Informationsstand Vieler beherrschen können.

Dazu trägt auch ganz besonders die Non-Profit-Organisation WikiLeaks bei. Wie der Tagesspiegel am 16.2. schrieb, lässt sich heute einfach keine Information mehr «von oben» unterdrücken – egal ob «von oben» nun aus Regierungen, Banken oder grossen Unternehmen besteht.

Jetzt kann allerdings auch WikiLeaks nicht mehr ehrenamtlich arbeiten, sondern sucht Spenden, um den weiteren Betrieb zu gewährleisten. Ende Dezember ging die Seite sogar zwei Monate in Streik mit der Meldung «Wir schützen die Welt, aber wer wird uns schützen?».  Bis heute kamen so die dringendsten Betriebskosten und die Seite ist in eingeschränkter Funktion wieder online.

Quelle:
Tagesspiegel «Verrat auf Nummer sicher», 16.2.2010

Wie Luft und Wasser: Medienkonsum bei Kindern.

Montag, 01. Februar 2010

Wir mögen davon halten, was wir wollen. Tatsache ist, dass neue Generationen mit dem Bildschirm aufwachsen:

Die Kaiser Family Foundation führte in den USA unlängst eine Studie zur Mediennutzung durch, deren Ergebnisse die Autoren erschreckten.

Die letzte Studie mit 8- bis 18jährigen Kindern und Jugendlichen war vor fünf Jahren durchgeführt worden. Damals lag der Medienkonsum der Teilnehmer bei knapp sechseinhalb Stunden pro Tag. Heute liegt dieser Durchschnitt bei siebeneinhalb Stunden pro Tag.

Dabei nahm die Zeit vor dem Fernseher ab, während die Zeit, die die Kinder mit Musik, PC, Videospielen, Printmedien und Filmen verbringen, zunahm. Dazu kommt allerdings, dass viele Kinder mehrere Medien gleichzeitig konsumieren, sodass die Gesamtzeit für alle Medien eher bei ca. 11 Stunden pro Tag liegt. Dabei sind Gespräche am Handy oder SMS nicht mit eingerechnet.

Amerikanische Fachleute, wie der Kinderarzt Dr. Michael Rich, kommen heute mehr und mehr zu Ansicht, dass es sinnlos geworden ist, über positive oder negative Einflüsse des Medienkonsums zu debattieren. Er meint, Kinder konsumieren heute Medien so wie sie «atmen, trinken und essen».

Medien in all ihren Formen werden für die meisten Menschen auch in unserer Kultur und Gesellschaft banaler, normaler Teil des Alltags.  Pädagogen müssen sich darüber Gedanken machen, wie damit umzugehen ist.

Fundraising als Form von Marketing muss sich dieser Entwicklung anpassen und Fundraiser sollten sich mit allen Medienkanälen vertraut machen. Niemand kann alleine alle Kanäle und ihre Einsatzmöglichkeiten umfassend kennen und für jedes Medium gibt es Spezialisten. Aber jeder Fundraiser sollte sich auf Twitter, Facebook und StudiVZ wenigstens einmal umgesehen haben. Jede Fundraiserin sollte sich über die Auswirkungen des digitalen Bestellfernsehens Gedanken machen. Und jeder Fundraiser sollte ungefähr wissen, was auf Handys und Smartphones möglich ist. Um nur einige Medienkanäle zu nennen.

Mehr zum Thema/Quellen:

Businessinsider
New York Times
Mashable