Kiva ist eine der ersten und mit über 100 Millionen Dollar Einnahmen in vier Jahren eine der erfolgreichsten Mikrofinanzierungs-NPO im Markt. Kiva bietet ein Modell, das bisher ein Muster an Transparenz schien. Menschen werden vorgestellt, die Geld brauchen, um sich eine selbständige Existenz aufzubauen und man kann ihnen dieses Geld (über lokale NPO als Garanten für die saubere Abwicklung) ganz direkt leihen, um es dann zurückgezahlt zu bekommen, wenn sie mit ihrem Projekt selbst Geld verdienen.
Nun hat Kiva laut einer Meldung der New York Times (im Folgenden auszugweise übersetzt) selbst Transparenz-Probleme, denn anscheinend war doch nicht alles so klar und direkt, wie es schien. Die Menschen, die auf Kiva vorgestellt wurden, hatten in den meisten Fällen schon Mikrokredite erhalten und die Mensch-zu-Mensch-Verbindung war damit eher eine Illusion. Die eingenommenen Gelder für Kiva wurden nicht für diese Menschen genutzt, sondern um die Mikrokredit-Institutionen vor Ort zu unterstützen:
«David Roodman, der dies in seinem Blog aufdeckte, löste damit einen ziemlichen Rummel aus. Dabei ging es ihm weniger darum, Kiva zu kritisieren (die Informationen hatte er ja auch auf der Kiva-Seite gefunden) als um die Frage, ob das propagierte Direkt-Modell funktionoieren kann und ob es für eine Organisatione überhaupt möglich ist, das Versprechen, Mensch mit Mensch zu verbinden, zu erfüllen.
Timothy Ogden, von Philanthropy Action, einem Online-Spendermagazin, meint dazu: «Es gibt eine ganz neue Generation von sozial-verbundenen NPO, die das Internet nutzen, um die Illusion vom Kontakt von Mensch zu Mensch glaubhafter zu machen. Das Problem dabei ist, dass sie das nicht viel mehr schaffen als die Kinderpatenschafts-Organisationen der Vergangenheit es konnten.»
Seriöse Patenschafts-Organisationen und auch Virtuelle Geschenk-Shops erklären mittlerweile auf ihren Webseiten, dass das Geld nicht wirklich nur für das eine Kind ist und dass die Spende nicht wirklich nur für eine Ziege eingesetzt wird. Jetzt muss auch Kiva eine bessere Erklärung ihrer Arbeitsweise liefern. Wo es vorher auf der Website hiess «Kiva bietet Ihnen die Möglichkeit, einem spezifischen Kleinunternehmer zu helfen, sich aus der Armut zu befreien», heisst es nach Roodmans Post schlicht «Kiva verbindet Menschen durch Kredite, um Armut zu lindern».
Kiva ist nicht die einzige derartiger Organisationen mit Transparenz-Problemen. Global Giving, auf deren Seite Spender aus verschiedenen Projekten wählen konnten, hat unter anderem auch Spenden für die philanthropischen Projekte von drei oder vier kommerziellen Unternehmen eingeworben, sagt Dennis Whittle, der Co-Gründer und CEO von Gloval Giving. Leider wurden die Spender nicht vorher informiert, dass sie mit ihren Geldern die Projekte von kommerziellen Unternehmen förderten, anstatt Projekte von NPO. So wurden zum Beispiel $975 für SunNight Solar Enterprises eingenomen, eine kleine Startup-Firma, die solargetriebene Produkte entwickelt, damit die Firma 500 solargetriebene Lampen an Flüchtlingscamps verteilen konnte.
Premal Shah, Präsident von Kiva, meint, die Zukunft von Kiva könne durchaus darin liegen, Menschen mit Menschen zu verbinden, sobald legale Hürden abgebaut seien und Menschen in Entwicklungsländern ihre Mobiltelefone nutzten, um Zahlungen zu machen.
Ogden jedoch stellt Kivas Rolle im Kreditprozess überhaupt in Frage «Wenn Kiva-Spender mit einem individuellen Kreditnehmer verbunden sein möchten, kann Kiva das nicht leisten und die Frage ist, wollen die Spender mit einer Mikrokredit-Institution verbunden sein – und warum bräuchten sie dazu Kiva?» Denn Spender können Mikrokredit-Institutionen jederzeit direkt unterstützen, zum Beispiel durch Microplace oder durch NPO wie die Grameen Stiftung oder Acción, die beide für Mikrofinanzierung stehen.
Shah meint dazu, dass Kiva es für Menschen leichter mache, mit wenig Geld und einem Mikrokredit zu helfen.Und dass der ganze Rummel letztendlich gut für Kiva sei, denn: «Wenn überhaupt, so hat es dazu geführt, dass sich mehr Menschen mit diesem Modell der Mikrofinanzierung beschäftigen. Es (das Modell) ist weit davon entfernt, perfekt zu sein, aber es ist wie ein kleines Kind: Es hat grosses Potential.» Und bis jetzt habe er noch keine negative Auswirkung auf die Einnahmen erlebt, die mit $293′000 am Tag seines Interviews einen Rekord verzeichnen konnten.»
Die eigene Arbeit so real wie möglich und so attraktiv wie nötig darzustellen, kann recht schwierig sein. Besonders für NPO, denn hier trifft das innere Feuer besonders hart auf die marketing-kommunikative Realität. Aber die Suche nach der richtigen Botschaft ist immer wichtig, auch und vor allem für NPO mit dem wertvollen Potential, das Kiva bietet.