Archiv für die Kategorie ‘Fundraising & Kommunikation’

Überzeugen mit dem Elevator Pitch.

Freitag, 30. April 2010

Können Sie in weniger als zwei Minuten klar und deutlich ausdrücken, was Ihre Organisation tut, warum es wichtig ist und vor allem, warum es wichtig für Ihr Gegenüber ist? Wenn ja, sollten Sie stolz auf sich sein! Dann beherrschen Sie nämlich den Elevator Pitch, also die ganz knappe Argumentation zwischen ein oder zwei Stockwerken.

The Chronicle of Philanthropy hat dazu ein interessantes Experiment durchgeführt und anlässlich einer Konferenz mehrere NPO-Manager nach ihrem Elevator-Pitch gefragt. Auf der Webseite philanthropy.com sehen Sie alle Videos – Achtung, die Soundqualität ist nicht die Beste, da viele Umgebungsgeräusche zu hören sind.

Wir sind gespannt, was Sie meinen. Wer hat den besten Pitch? Kann ein Elevator Pitch wirklich zwei Minuten dauern oder hat das Gegenüber da schon mental «aufgehängt»? Wer erzählt überzeugend? Wer kann den «Nutzen» für den Zuhörer am besten darstellen?

Auf YouTube finden Sie übrigens auch gute Tipps zum Elevator Pitch.

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Kiva hat Transparenz-Probleme.

Montag, 16. November 2009

Kiva ist eine der ersten und mit über 100 Millionen Dollar Einnahmen in vier Jahren eine der erfolgreichsten Mikrofinanzierungs-NPO im Markt. Kiva bietet ein Modell, das bisher ein Muster an Transparenz schien. Menschen werden vorgestellt, die Geld brauchen, um sich eine selbständige Existenz aufzubauen und man kann ihnen dieses Geld (über lokale NPO als Garanten für die saubere Abwicklung) ganz direkt leihen, um es dann zurückgezahlt zu bekommen, wenn sie mit ihrem Projekt selbst Geld verdienen.

Nun hat Kiva laut einer Meldung der New York Times (im Folgenden auszugweise übersetzt) selbst Transparenz-Probleme, denn anscheinend war doch nicht alles so klar und direkt, wie es schien. Die Menschen, die auf Kiva vorgestellt wurden, hatten in den meisten Fällen schon Mikrokredite erhalten und die Mensch-zu-Mensch-Verbindung war damit eher eine Illusion.  Die eingenommenen Gelder für Kiva wurden nicht für diese Menschen genutzt, sondern um die Mikrokredit-Institutionen vor Ort zu unterstützen:

«David Roodman, der dies in seinem Blog aufdeckte, löste damit einen ziemlichen Rummel aus. Dabei ging es ihm weniger darum, Kiva zu kritisieren (die Informationen hatte er ja auch auf der Kiva-Seite gefunden) als um die Frage, ob das propagierte Direkt-Modell funktionoieren kann und ob es für eine Organisatione überhaupt möglich ist, das Versprechen, Mensch mit Mensch zu verbinden, zu erfüllen.

Timothy Ogden, von Philanthropy Action, einem Online-Spendermagazin, meint dazu: «Es gibt eine ganz neue Generation von sozial-verbundenen NPO, die das Internet nutzen, um die Illusion vom Kontakt von Mensch zu Mensch glaubhafter zu machen. Das Problem dabei ist, dass sie das nicht viel mehr schaffen als die Kinderpatenschafts-Organisationen der Vergangenheit es konnten.»

Seriöse Patenschafts-Organisationen und auch Virtuelle Geschenk-Shops erklären mittlerweile auf ihren Webseiten, dass das Geld nicht wirklich nur für das eine Kind ist und dass die Spende nicht wirklich nur für eine Ziege eingesetzt wird. Jetzt muss auch Kiva eine bessere Erklärung ihrer Arbeitsweise liefern. Wo es vorher auf der Website hiess «Kiva bietet Ihnen die Möglichkeit, einem spezifischen Kleinunternehmer zu helfen, sich aus der Armut zu befreien», heisst es nach Roodmans Post schlicht «Kiva verbindet Menschen durch Kredite, um Armut zu lindern».

Kiva ist nicht die einzige derartiger Organisationen mit Transparenz-Problemen. Global Giving, auf deren Seite Spender aus verschiedenen Projekten wählen konnten, hat unter anderem auch Spenden für die philanthropischen Projekte von drei oder vier kommerziellen Unternehmen eingeworben, sagt Dennis Whittle, der Co-Gründer und CEO von Gloval Giving. Leider wurden die Spender nicht vorher informiert, dass sie mit ihren Geldern die Projekte von kommerziellen Unternehmen förderten, anstatt Projekte von NPO. So wurden zum Beispiel $975 für SunNight Solar Enterprises eingenomen, eine kleine Startup-Firma, die solargetriebene Produkte entwickelt, damit die Firma 500 solargetriebene Lampen an Flüchtlingscamps verteilen konnte.

Premal Shah, Präsident von Kiva, meint, die Zukunft von Kiva könne durchaus darin liegen, Menschen mit Menschen zu verbinden, sobald legale Hürden abgebaut seien und Menschen in Entwicklungsländern ihre Mobiltelefone nutzten, um Zahlungen zu machen.

Ogden jedoch stellt Kivas Rolle im Kreditprozess überhaupt in Frage «Wenn Kiva-Spender mit einem individuellen Kreditnehmer verbunden sein möchten, kann Kiva das nicht leisten und die Frage ist, wollen die Spender mit einer Mikrokredit-Institution verbunden sein – und warum bräuchten sie dazu Kiva?» Denn Spender können Mikrokredit-Institutionen jederzeit direkt unterstützen, zum Beispiel durch Microplace oder durch NPO wie die Grameen Stiftung oder Acción, die beide für Mikrofinanzierung stehen.

Shah meint dazu, dass Kiva es für Menschen leichter mache, mit wenig Geld und einem Mikrokredit zu helfen.Und dass der ganze Rummel letztendlich gut für Kiva sei, denn: «Wenn überhaupt, so hat es dazu geführt, dass sich mehr Menschen mit diesem Modell der Mikrofinanzierung beschäftigen. Es (das Modell) ist weit davon entfernt, perfekt zu sein, aber es ist wie ein kleines Kind: Es hat grosses Potential.» Und bis jetzt habe er noch keine negative Auswirkung auf die Einnahmen erlebt, die mit $293′000 am Tag seines Interviews einen Rekord verzeichnen konnten.»

Die eigene Arbeit so real wie möglich und so attraktiv wie nötig darzustellen, kann recht schwierig sein. Besonders für NPO, denn hier trifft das innere Feuer besonders hart auf die marketing-kommunikative Realität. Aber die Suche nach der richtigen Botschaft ist immer wichtig, auch und vor allem für NPO mit dem wertvollen Potential, das Kiva bietet.

Seattle Cancer Care: The Day I Found Out.

Montag, 27. Juli 2009

Lassen Sie doch einmal Ihre «Klienten» für Sie sprechen! Bei diesem Beispiel der Seattle Cancer Care Alliance geht es zwar nicht eigentlich um eine NPO. Aber auch die Menschen, denen SIE helfen, können sicher so manche authentische und anrührende Geschichte erzählen.



Zahnpastawerbung versus Spendenappelle.

Freitag, 24. Juli 2009

Kolumnist Nicholas Kristof von der New York Times kritisiert in der Online-Ausgabe vom 8. Juli die  NPO-Kommunikation. Er fragt: «Warum sind so viele Menschen bereit, einem Fremden zu helfen, der direkt vor ihnen steht und so unwillens, den vielen Fremden zu helfen, die weit weg gegen Malaria, Armut oder Katastrophen kämpfen müssen?»

Er meint, einer der Gründe liege darin,  dass NPO so furchtbar ineffektiv seien, wenn es darum geht, ihre Arbeit zu verkaufen. Jede Zahnpastamarke würde mit mehr Raffinesse beworben als die lebensrettende Arbeit von NPO. Andererseits haben NPO seiner Meinung nach auch einen Hang zur Übertreibung, weshalb die Öffentlichkeit oft mehr auf die Wirksamkeit von Zahnpasta vertraue als auf die der humanitären Hilfe.

So zeige es sich zunehmend, dass es kontraproduktiv ist, wegen Millionen bedrohter Leben hysterisch grosse rote Fahnen zu schwenken, denn laut vielen Studienergebnissen, sind Menschen sowieso eher bereit, für eine einzelne bedürftige Person zu spenden als für mehrere. In einem Experiment baten Forscher zum Beispiel um Spenden für einen $300′000-Fonds, der entweder das Leben eines Kindes oder die Leben von acht Kindern retten sollte. Für das einzelne Kind wurde mehr gespendet.

Es gibt den Spruch «Ein Tod ist eine Tragödie, eine Million ist eine Statistik». Kristof meint, dass – schlimmer noch – rationale Spendenwerbung Empathie sogar verhindern kann. Laut einer anderen Studie spendeten Menschen grosszügig für Rokia, ein siebenjähriges unterernährtes Mädchen in Afrika. Aber als Rokias Probleme im Kontext des grösseren gesamtafrikanischen Hungerproblems dargestellt wurden, waren die Studienspender weniger bereit zu helfen.

Ein Grund könne darin liegen, dass Menschen meist spenden, um sich selbst gut zu fühlen. Das funktioniert am besten, wenn man einen Scheck ausstellt und das Problem so löst. Wenn man dagegen an die grösseren Probleme erinnert wird, die man als einzelner Mensch nie wird lösen können, verringert sich das gute Spenden-Gefühl und damit die Motivation.

Ein anderer Faktor sei die persönliche Verantwortung, bzw. die Frage, mit wie vielen Menschen man sich diese teilt. In einem Experiment arbeiteten Studenten an einer Aufgabe, während eine junge Frau hinter einen Vorhang ging, auf einen Stuhl kletterte, um etwas zu holen und hinunterfiel. Sie stöhnte und rief, dass ihr Knöchel verletzt sei und sie nicht aufstehen könne. Wenn die Person, die an der Aufgabe arbeitete, allein war, half sie der Frau in 70% der Fälle. Aber sobald jemand anderes mit im Raum war, der auch mit der Aufgabe beschäftigt war und nicht auf die Hilferufe reeagierte, versuchten nur noch 7% der Probanden zu helfen.

Im Kampf gegen die weltweite Armut gibt es Millarden von Zuschauern, die das Gefühl des Einzelnen für persönliche Verantwortung verringern. Wenn NPO darüber hinaus Texte verwenden, die die Grössse des Problems noch mehr betonen («25′000 Kinder werden heute sterben!») ist es fraglich, ob der potentielle Spender dadurch eher betäubt oder wachgerüttelt wird.

Kristof fragt auch, ob der unablässige Fokus auf dem Leiden und den vielen unerfüllten Bedürfnissen eine Art negative Gefühlswolke erzeugt, die mit dazu führt, dass Menschen die Augen abwenden und weitergehen. Er schlägt daher vor, dass NPO die vielen humanitären Erfolge – z.B. die Senkung der Kindertodesrate since 1990 – betone. Sie bedeutet immerhin, dass in jeder Stunde jeden Tages 400 Kinderleben gerettet werden können.


Unser Kommentar:

Wie so oft, stimmt mal wieder beides. Kristof hat recht und er hat unrecht. Keine Zahnpastamarke kann erfolgreich «leere» Tuben verkaufen. NPO dagegen «verkaufen» jeden Tag Produkte, die keinen direkten Nutzen bieten ausser einem guten Gefühl.

Trotzdem ist dieser Artikel sehr wertvoll für NPO, denn es ist immer wichtig zu wissen, wie Menschen archetypisch funktionieren. Es ist ebenso wichtig, die  Kommunikation nicht nur auf diese theoretischen Verhaltensweisen auszurichten, sondern auch auf die realen Bedürfnisse der eigenen Spender.  Und nicht, wie leider so oft, alle Spender über den gleichen Kommunikationskamm zu scheren. Es wird immer Spender geben, die nur auf ein Paar grosse traurige Augen mit einem Namen dran reagieren. Aber es gibt zunehmend eben auch Menschen, die über diese archetypischen Verhaltensweisen hinausdenken und mehr wissen wollen. Unterschätzen Sie Ihre Spender nicht.

Die neue Öffentlichkeit

Dienstag, 23. Juni 2009

Vor zwei Jahren habe ich in unserem Newsletter noch über das dann immer noch relativ neue Phänomen des Gegoogelt-Werdens geschrieben. Heute hört sich das fast schon nach guter alter Zeit an, als man noch versuchen konnte, sich offline zu verstecken, wenn man online nicht gefunden werden wollte.

Heute ist es fraglich, ob überhaupt noch jemand sich selbst oder seine Aktivitäten verstecken kann.

Das zeigen auch die vielen, vielen Videos, die uns dieser Tage aus dem Iran erreichen. Kein Regime kann heute mehr seine Sünden verstecken. Das war schon bei Tiananmen schwierig, heute ist es unmöglich geworden: Die Öffentlichkeit besitzt Handies und Computer und sie ist überall – auf den Strassen und in den Netzen, bei Twitter, Facebook und YouTube.
Eigentlich eine klasse Sache – oder? Kein zahnbürstenbärtiger Diktator kann mehr ein ganzes Volk zum Kuschen bringen.

Andererseits bedeutet es auch – wieder einmal – ein Umdenken in der Kommunikation. Auch für NPO.
Auch sie können sich nicht länger hinter ihren Strukturen verstecken. Ihre Mitarbeiter, ihre Spender sind online unterwegs und geben ihre Meinungen online weiter – an wen auch immer. Viele NPO betrachten diesen neuen und zunehmenden Kontrollverlust mit grosser Nervosität: was kann nicht alles passieren, wenn wir unsere Kommunikation nicht mehr kontrollieren?

Manche NPO und auch manche Unternehmen sind schon eifrig dabei, Social Media Policies aufzustellen, darüber wo und wie ihre Mitarbeiter über sie reden dürfen. Andere, vor allem CEOS amerikanischer Unternehmen, wagen jedoch die Flucht nach vorn:

Sie wissen, dass sie sich nicht verstecken können. Also sorgen sie dafür, dass sie alles, aber auch alles, was irgendwie interessant ist, selbst verbreiten oder verbreiten lassen – von den grössten Triumphen bis zu den grössten Fehlern. Das ist der einzige Weg, um heute die eigene Online-Öffentlichkeitswirkung noch irgendwie positiv beeinflussen zu können.

So sagt Clive Thompson in seinem Artikel “The See-Through CEO” auf Wired:
“Being transparent, opening up, posting interesting material frequently and often is the only way to amass positive links to yourself and thus to directly influence your Googleable reputation.”