Zugegebenermassen verfügt die katholische Kirche über weitaus mehr Ressourcen finanzieller und personeller Art als jede NPO. Dennoch könnte man sich als NPO ein Beispiel daran nehmen, wie sehr diese ansonsten doch sehr traditionsverhaftete Institution seit neuestem auf moderne Medien setzt.
Am 24. Januar, dem Welttag der sozialen Kommunikation rief Papst Benedikt kirchliche Institutionen unter anderem dazu auf, ihr Kommunikationsbild zu überdenken und anzupassen; sich mit allen Kommunikationsmitteln vertraut zu machen und auch multimedial das Evangelium zu verbreiten.
Der Tag der sozialen Kommunikationsmittel selbst hat übrigens nur scheinbar etwas mit sozialen Medien zu tun, wie wir sie heute kennen. Der Tag wurde 1967 von Papst Paul VI als Welttag der Massenmedien eingführt. Der jeweilige Papst veröffentlicht an diesem Tag seither «eine Botschaft, die die christliche Soziallehre bezüglich der Ethik der Massenmedien erläutert» (Wikipedia).
Nun aber wieder zurück zum Papst. Mit der Website pope2you.net überraschte der Vatikan im Mai 2009 die Medienlandschaft. Mit dem Einbezug von Social Media Instrumenten wie Facebook, Twitter, Youtube, aber auch einer iPhone Applikation versucht die Kirche seither, näher an ihre jüngere Online-Gemeinde heranzutreten.
Website: Pope2you.net
Die Kirche nutzt alle sozialen Medien intensiv, um ihre Botschaften zu verbreiten. Basis und Plattform ist dabei die hübsch gestaltete Webseite pope2you.net. Besucher können hier die Botschaften des Papstes herunterladen, sie via Facebook an ihre Freunde weiterleiten oder emailen. Sie können sie sogar an ihnen bekannte Priester weiterleiten per Facebook oder e-Mail oder – falls der Priester partout nicht online-affin ist – als ausgedruckte Postkarte, Kalender oder Lesezeichen versenden (wobei man sich ja fragt, warum der Priester die Botschaften seines Chefs noch nicht kennt…). Die Webseite bietet via Flickr auch eine Bildergalerie und eine Art visuelle Weltkarte «Piece of Peace», in die der Besucher mittels einer Emails sein Foto einfügen kann.
Youtube
Der Vatikan unterhält mit «The Vatican» auch einen eigenen YouTube Kanal in vier Sprachen zur Verbreitung seiner Videos. Weitere Videos findet man unter h2onews, einem katholischen Newskanal ebenfalls auf YouTube, der Video- und Audionachrichten aus dem Vatikan liefert.
Facebook
Natürlich hat der Papst auch eine Facebook Fanseite namens «His Holiness Pope Benedikt XVI» mit knapp 95′000 Fans. Die letzte Meldung auf der Pinnwand ist vom 20. Juli 2008, das Diskussionsforum wird allerdings rege genutzt für Diskussionen zu Themen wie das Beten des Rosenkranzes, das Freimaurertum oder Homosexualität. In den Diskussionen tritt der Papst selbst, bzw. der Fanseiten-Administrator, nie in Erscheinung. Die Fans diskutieren scheinbar unmoderiert untereinander.
Zudem hat der Vatikan mit «Pope2You» eine eigene Facebook-Applikation lanciert. Mit der Applikation sollen Fans die Botschaften des Papstes auf Facebook erhalten, ihn hören und sehen und sie – zum Beispiel durch virtuelle Postkarten – auch und vor allem an Freunde weiterleiten können.
iPhone
Auch iPhone und iPod Touch wurden nicht vergessen. Die iPhone-Applikation ist allerdings mehr oder weniger eine Verlängerung des YouTube-Kanals und dient als Broadcast-Tool für die Botschaften. Die Nachrichten sind per Video, Audio oder Text erhältlich.
Twitter
Zwar nicht der Papst, aber der Vatikan twittert als Vatican_va, wobei es sich mit 1′300 Followern um eine recht bescheidene Präsenz handelt, die anscheinend auch nur genutzt wird, um die neuesten Podcasts zu bewerben.
Das sieht nun nach einer intensiven Nutzung aller verfügbaren Kanäle und nach einem Einstieg in die moderne interaktive Kommunikation aus, die ja aus Geben und Nehmen bestehen sollte. Es ist allerdings mitnichten so. Jeder genutzte Kanal dient der Kirche einzig und allein als Instrument zum Verbreiten der Botschaft. Auf Englisch heisst das: Preaching to the Choir. So kann man wohl die bereits Gläubigen erreichen, aber in einen wirklichen Dialog mit Menschen kommt man so nicht. Die Kirche hat sich also nicht geöffnet, sondern nutzt einfach zusätzliche moderne Kommunikationskanäle. Das eingangs erwähnte Beispiel, das sich NPO hier nehmen könnten, bezieht sich demnach auch ausschliesslich auf den stringenten und verknüpften Einsatz der Instrumente – nicht auf die Art der Kommunikation.
Anstoss zu diesem Artikel gaben Artikel in den Blogs von Mashable und Thomas Hutter.