Fundraising per Videoclip.
Wie oft sehen Sie pro Woche ein YouTube-Video, das Ihnen von Bekannten, Kollegen oder Freunden weitergeleitet wurde? Weil es spannend ist wichtig, informativ – oder auch nur witzig bzw. aber-witzig. Diejenigen unter Ihnen, die wie wir intensiv online unterwegs sind, sehen bestimmt mehr als andere. Trotzdem ist YouTube heute ein Begriff, sogar für Menschen, die kaum im Internet oder web-affin sind.
YouTube- und andere Web-Videos sind Teil des normalen Medienverhaltens geworden. Wie können NPO das nutzen? Und welche NPO nutzen YouTube?
Präsenzen auf YouTube.
Eine ganz kurze Suche bei YouTube ergibt einige grosse und kleine NPO, die auf YouTube entweder mit eigenen Channels (eine eigene Seite, auf der alle geposteten Videos zu finden sind, samt einem Statement zur Organisation, und die User abonnieren können) oder Videos vertreten sind.
Eigene Channel unterhalten unter anderem die Friedrich Ebert Stiftung, Greenpeace Deutschland, der Schulsanitätsdienst des Deutschen Jugendrotkreuzes, die BUNDJugend, die Rhema Bibelgemeinde, der Weisse Ring, ONE Deutschland, die Schwestern vom Guten Hirten und Inwent.org. In der Schweiz unter anderem Greenpeace Schweiz, der WWF und der VCS.
Einige NPO, die mit wenigen bis ganz vielen Videos dabei sind: SOS-Kinderdorf, World Vision, Terre des Hommes, Menschen für Menschen, Rotes Kreuz, Schweizerisches Arbeiterhilfswerk, WWF, etc.
Beim Inhalt der Videos reicht die Bandbreite von der Selbstdarstellung über Spendenrufe, Werbespots oder Videos von Promi-Besuchen und anderen Events bis hin zu Unterstützungsaufrufen privater YouTube-User für ihre favorisierte NPO.
Obwohl es auch andere Video-Plattformen im Web gibt, wie zum Beispiel Sevenload oder Vimeo, ist YouTube doch zum Standard avanciert. Das ist auch daran ersichtlich, dass direkte Verknüpfungen zwischen YouTube und den Profilen in sozialen Netzwerken wie FaceBook ganz einfach möglich sind.
Empfehlungen eines Video-Fundraisers.
Mattias Brender beim deutschen BibelTV hat langjährige Erfahrung mit Video-Fundraising. Laut Brender ist Video noch weit davon entfernt, das wichtigste Tool im Fundraising-Werkzeugkasten zu sein, aber kostendeckend kann jede NPO damit heute schon arbeiten.
Videos erlauben durch ihr Format und ihren Inhalt eine direktere, persönlichere und emotionalere Kommunikation als andere Fundraising-Instrumente, wie z.B. Direktmail. Sie sind für Brender eine perfekte Mischung aus dem Idealen (persönlicher Besuch beim Spender) und dem Möglichen (Massenkommunikation). Bewegtes Bild und Ton besitzen hohe Glaubwürdigkeit. Videos sind kurzfristig und schnell einsetzbar, was besonders in Katastrophenfällen wichtig und wertvoll ist. Und die Reaktion auf Videos kann sofort gemessen werden.
Videos können in Email-Newsletter integriert werden und helfen dabei, die Empfänger inhaltlich und emotional in die Organisation «herein zu holen». Videos eignen sich besonders im Fall von Katastrophen oder wenn es darum geht, Menschen oder Aktivitäten in der Organisation zu portraitieren. Selbst ein Video vom Umbau kann für einen Spenderkreis interessant sein und den Spendern das Gefühl geben, dazu zu gehören. Wenn Videos in Emails integriert werden, empfiehlt Brender, das Email bewusst um das Video herum zu gestalten und so die Aufmerksamkeit auf den Link zu lenken.
Wer Fragen an Matthias Brender hat, darf diese gern per Email an ihn richten: matthias@brender.de
Das YouTube NPO-Programm.
YouTube selbst engagiert sich zunehmend im NPO-Bereich. Im – leider nur für USA und UK zugänglichen – Nonprofit-Programm bietet YouTube jetzt ein neues «Call to Action»-Feature an, mit dem NPO über Videos direkt Reaktionen auslösen können. Zuschauer können mit einem Mausklick auf eine Overlay-Anzeige im Video auf die Webseite der NPO gelangen, wo sie dann spenden, einen Newsletter abonnieren oder sonstiges tun können. Laut YouTube funktioniert das Ganze mit grossem Erfolg. Zum Beispiel promotete YouTube am letzten Weltwassertag ein Video von charity:water, das den neuen «Call to Action»-Overlay enthielt und die Zuschauer ermutigte, zu spenden. Bis heute haben über 300’000 Menschen das Video gesehen und charity:water hat damit an einem Tag über $ 10’000 gesammelt.
Wir haben natürlich gleich bei YouTube nachgefragt, ob und wann dieses Feature auch in Europa zu erwarten ist. Leider haben wir bis jetzt noch keine keine Antwort erhalten – aber wir bleiben dran.
Quelle:
YouTube Blog
Herdentrieb auf YouTube.
Die ETH Zürich hat sich mit der Frage beschäftigt, warum einzelne Videos auf YouTube millionenfach angeschaut werden, während 90% der Beiträge nur einzelne Zuschauer finden. Eine neue Studie zeigt, dass die Aufmerksamkeit in sozialen Netzen wie bei YouTube nach bestimmten, sich wiederholenden, Mustern verläuft, die mit mathematischen Modellen beschrieben werden können. Wissenschaftler aus den verschiedensten Bereichen sind fasziniert vom so genannten «Herding»-Verhalten in Online-Communities.
Die Studie nennt als Beispiel das Video eines vorher unbekannten Komikers aus Ohio, das innerhalb von zwei Wochen über zehn Millionen Mal und während seiner Gesamtlaufzeit auf YouTube sogar 103 Millionen Mal angeschaut wurde. Das Video schaffte es damit auch in die amerikanischen Mainstream-Medien. Der Komiker selbst, Judson Laipply, ist heute ein Star.
Der Autor der Studie, Riley Crane, beschäftigte sich bis vor zwei Jahren an der University of California mit kritischen Phänomenen in Quantensystemen, die sich unter bestimmten Voraussetzungen aufgrund geringer Störungen verändern können. Ähnliches ist auch in sozialen Systemen zu beobachten, mit denen sich Crane heute an der ETH Zürich auseinandersetzt.
Er beschreibt zusammen mit seinem Professor Didier Sornette, wie das «Herding»-Verhalten von YouTube-Nutzern in einfachen mathematischen Modellen dargestellt werden kann. Crane hat dafür zwei Jahre lang die Zuschauerzahlen von 5 Millionen YouTube-Videos beobachtet – in erster Linie diejenigen Filme, die am meisten Aufmerksamkeit erhielten, d.h. mindestens 100 Mal pro Tag angesehen wurden (= 10 % der gesamten YouTube-Videos).
Crane unterteilte diese populären Videos in drei Klassen:
1. «Junk»-Videos generieren unverhofft sehr viel Aufmerksamkeit, aber nur für sehr kurze Zeit. Sie lösen keine selbstorganisierte Entwicklung, keinen «Herdentrieb» innerhalb der Gemeinschaft aus.
2. «Virale» Videos dagegen breiten sich epidemieartig über soziale Netzwerke aus, zum Beispiel über E-Mails, Blogs und Internet-Links. Beispiel dafür ist ein Werbe-Video für einen Harry Potter-Kinofilm an, das alleine durch Mund-zu-Mund-Werbung im Internet zu enormer Aufmerksamkeit kam.
3. «Qualitäts»-Videos sind den Viralen ähnlich. Sie erhalten sehr schnell sehr viel Aufmerksamkeit, sie verteilen sich rasch und ebben danach langsam wieder ab. So zum Beispiel bei den Videos zum Tsunami in Südostasien 2004.
Crane brachte die Zuschauerzahlen von «Qualitäts»-Videos und «viralen» Videos auf dem Höhepunkt ihrer Aufmerksamkeitskurve in Verbindung mit der Gesamtmenge an Zuschauern über den beobachteten Zeitraum. «Wir entdeckten, dass die Kurven der Zuschauerzunahme und -abnahme bei beiden Arten von Videos eine sehr charakteristische Form haben. Die Kapazität eines Videos, zu einem Massenphänomen innerhalb der YouTube-Community zu werden, kann somit an der Form der Kurve abgelesen werden», sagt Crane.
Auch für das Nachlassen der Aufmerksamkeit bei viralen Videos gelten mathematische Modelle, hier die Modellierung von Nachbeben bei Erdbeben, «Epidemics Type Aftershock»-Modelle. «Ich finde es faszinierend, dass ein soziales System anscheinend ebenso nach bestimmten Regeln funktioniert wie ein physikalisches System und dadurch mathematisch fassbar wird», sagt Crane. Mit seinem Modell lassen sich einzig anhand von Tendenzen, also des Zuschauerzuwachses für ein bestimmtes Video, Entwicklungen erkennen, die zu einem Massenphänomen führen könnten – noch bevor diese Entwicklung überhaupt von einer kritischen Masse an Individuen vollzogen wurde.
Für das Marketing sind diese Erkenntnisse sehr interessant. Crane und Sornette verhandeln daher zurzeit mit dem Internet-Buchverkäufer Amazon. Mittelfristig schwebt den beiden Wissenschaftlern ein Art Trend-Überwachungszentrum für das Internet vor. Mit diesem könnten Phänomene in sozialen Systemen auf verschiedenen Web-Plattformen frühzeitig erkannt werden.
Quelle:
ETH Zürich
Crane R, Sornette D. Robust dynamic classes revealed by studying the response function of a social system, Proceedings of the National Academy of Sciences, Vol. 105, No. 41. (October 2008), pp. 15649-15653. doi:10.1073/pnas.0803685105
Tipps zur Einbindung von Videos
Nicht nur die Qualität des Videos ist wichtig, sondern auch die Qualität seiner Einbindung in diverse Übermittlungsmedien, z.B. Emails. Videos können in Emails aufgrund der gängigen Sicherheitseinstellungen nicht direkt übermittelt werden. Die Übermittlung funktioniert daher meist über einen Link zur Webseite. Email-Marketing-Spezialist Nico Zorn gibt Tipps dazu:
Video-Screenshot
Nutzen Sie ein Standbild des Videos inklusive der Bedienelemente des Videoplayers, um das Interesse der User zu wecken und sie zum Klicken zu animieren. Zusätzlich sollten Sie einen Textlink zum Video setzen, damit der Link auch bei deaktivierten Grafiken geklickt wird.
Interessantes Standbild
Die Auswahl des richtigen Standbilds für den Screenshot kann sich erheblich auf die Klickrate auswirken. Achten Sie darauf, ein Standbild auszuwählen, das eine interessante Situation aus dem Videoclip zeigt.
Videoplattformen nutzen
In den meisten Fällen macht es mittlerweile kaum noch Sinn, Videos selber zu hosten. Zahlreiche Videoplattformen wie Youtube, Sevenload oder Veoh nehmen einem diese Arbeit kostenlos ab und bieten weitere Vorteile: Sie ermöglichen den Usern, den Clip problemlos in die eigene Website oder in ein Blog zu integrieren und zeigen an, wie häufig das Video aufgerufen wurde. Darüber hinaus profitieren Sie von der Reichweite der entsprechenden Plattformen und können mit aussagekräftigen Titeln und Schlagwörtern (Tags) zusätzliche Views generieren.
Quelle:
EmailmarketingBlog, Nico Zorn
Tipps fürs Web-Video
Video kann ein wichtiger technischer und emotionaler Kanal sein, um Menschen zu erreichen. Denn Video liefert laut den Videospezialisten von See3 in Chicago aufgrund seines Formats den potentiell überzeugendsten Inhalts jeder Online-Kommunikationsmassnahme. Und zudem die Art Inhalt, mit dem User sich online am längsten beschäftigen. Ein Video ist jedoch nicht aus dem Ärmel zu schütteln – worauf es ankommt beim «Drehen», dazu geben die See3-Spezialisten folgende Tipps:
1. Erzählen Sie eine Geschichte.
Wenn Sie wollen, dass Ihre Zuschauer sich mit Ihnen identifizieren, dann brauchen Sie eine überzeugende und bewegende Geschichte mit realen Menschen. Eine Geschichte, die bewegt und motiviert, die Leidenschaft und Energie rüberbringt.
2. Behalten Sie Ihre Zuschauer im Auge.
Wollen Sie junge Leute erreichen, die viel im Jugendzentrum sind, oder Online-Senioren auf dem Land? Schneiden Sie Ihre Botschaft darauf zu und seien Sie sich im Klaren darüber, was Ihre Zuschauerinnen fühlen und denken sollen – bevor Sie die Kamera einschalten.
3. Sprechen Sie klar und deutlich.
Sie haben die Aufmerksamkeit Ihrer Zuschauer, jetzt sagen Sie ihnen, was sie tun sollen: spenden, sich ehrenamtlich engagieren oder Ihre Website aufsuchen?
Zu viele Videos werden einfach mal ins Netz gestellt und auch wenn sie lustig oder interessant sind, lösen sie nichts aus. Weil einem niemand sagt, was man mit dem Gesehenen tun soll!
4. Schauen Sie in die Zukunft.
Videomaterial kann für verschiedenste Projekte und Botschaften recycelt werden. Kaufen Sie noch heute eine Videokamera und nehmen Sie sie mit, zu Projekten, zu Events, zu allem. Filmen Sie alles, was mit Ihrer Organisation zu tun hat und bauen Sie sich damit ein Archiv, das Sie immer wieder für alle möglichen Zwecke nutzen können. Bitten Sie auch Ihre Unterstützerinnen und Ehrenamtlichen, ihre Arbeit per Video zu dokumentieren und der NPO zur Verfügung zu stellen.
5. Machen Sie ein Skript.
Auch ein ein- oder zweiminütiges Video braucht einen ausgewogenen Erzählfluss. Und jedes gute Video beruht auf einem guten Skript. Überlegen Sie sich, wie Sie Ihre Geschichte am besten kommunizieren: als Dokumentarfilm, als Interview, lustig oder dramatisch, sachlich oder emotional?
6. Seien Sie grosszügig.
Nehmen Sie immer mehr auf, als Sie eigentlich brauchen, denn kürzen können Sie immer. Wenn Sie genug Material aufgenommen haben, können Ihr Video aus den besten Stücken zusammenbauen, wenn es ans Editieren geht.
7. Achten Sie auf den Ton.
Einer der am meisten unterschätzten Produktionsaspekte ist der Ton. Web-Zuschauer sind eher bereit, ein Video mit schlechter Bildqualität und gutem Ton anzuschauen, als ein Video mit gutem Bild und schlechter Tonqualität.
8. Helfen Sie den Zuschauern.
Kann der User das Video an einen Freund weiterleiten, Ihren RSS-Feed abonnieren oder auf sonst eine Weise sofort etwas tun, was Ihnen und Ihrer Botschaft dient?
9. Veranstalten Sie ein Screening.
Laden Sie Kollegen, Freunde oder auch Spender ein und schauen Sie sich das Video zusammen an. Sind sie begeistert, ist es gut. Sind sie es nicht, ist es eine gute Gelegenheit zur Diskussion und eventuell zur Verbesserung.
Jetzt haben Sie ein tolles Video, aber auch damit ist es noch nicht ganz getan. Wie erreichen Sie die richtigen Leute online? Nicht jeder, der auf YouTube ist, wird Ihr Video finden, anschauen oder gar darauf reagieren. Recherchieren Sie also, bewegen Sie sich im Netz, beteiligen Sie sich an den Gesprächen und Diskussionen im Web. Erzählen Sie von Ihrer Organisation und verlinken Sie immer wieder zu Ihrem Video, Ihrer Webseite.
Quelle:
E-Philanthropy Foundation
See3
Video-Dreh per Handy
YouTub-Videos können auch einfach und schnell mit dem Handy “gedreht” werden – vorausgesetzt, es hat diese Fähigkeit zur Videoaufnahme. Wenn das Video aufgenommen ist, schickt man einfach eine Email oder ein MMS an die eigene YouTube-Emailadresse. Und mit dem Android 1.5-Feature, das in absehbarer Zeit auch in Europa verfügbar sein sollte, kann das Video mittels «Share»-Button direkt an das eigene YouTube-Konto übermittelt werden.
Im YouTube Blog ist übrigens auch ein Video von Michael Buckley zu sehen, der ein «Webinar» von 26 Minuten in schnellem Amerikanisch abhält und darin erklärt, wie man erfolgreiche Videos macht.
Quelle:
YouTube Blog
03.06.09