Archiv für die Kategorie ‘Newsletterarchiv 2009’

Kickstart für die Kunst.

Samstag, 10. Oktober 2009

Der Toningenieur Earl Scioneaux aus New Orleans wollte schon lange ein eigenes Album produzieren, konnte aber die dafür nötigen $4’000 nicht aufbringen. Dann lernte er Kickstarter kennen – ein kleines Online-Unternehmen in Brooklyn, das Künstler und Geldgeber zusammenbringt.

Bei Kickstarter erhalten die «Mäzene» Insider-Einblick in die Projekte, die sie finanzieren und meistens auch eine greifbare Erinnerung an ihre Beteiligung. Und die Künstler und Erfinder können auf der anderen Seite den kommerziellen Wert ihrer Ideen abschätzen, bevor sie viel Zeit oder Geld darin investieren.

Perry Chen, der Gründer von Kickstarter, sagt: «Es ist keine Investition, keine Leihgabe oder Spende. Es ist etwas in der Mitte von alldem: ein nachhaltiger Marktplatz, wo Menschen Güter tauschen und einen Wert erhalten.»

Earl Scioneaux warb über Kickstarter $4’100 ein, indem er seinen Unterstützern die Wahl bot: für $15 erhielten sie eine Vorauskopie des Albums, für $30 eine persönliche Musik-Lektion. Für $50 oder mehr bekam man beides zusammen sowie einen Platz an Scioneaux’ Esstisch, eine Schüssel hausgemachtes Gumbo und die Chance, sich seine Studioaufnahmen anzuhören. Dieses Angebot war fast sofort ausverkauft.

Dieses Gefühl, dazu zu gehören, ist ein wichtiger Teil des Kickstarter-Angebots, da die Mäzene ihre Unterstützung nicht steuerlich geltend machen können. Zwei von Scioneaux’ Unterstützern, die zusammen $100 gegeben hatten, sagen: «Wir entschieden, dass es uns das wert war für die Unterhaltung und die Möglichkeit, Teil einer Musikproduktion zu sein. Ich selbst bin Petroleumingenieur – wie könnte ich das sonst machen?»

Perry Chen hatte die Idee 2002 geboren, nachdem er wegen des hohen finanziellen Risikos ein Konzert abgeblasen hatte, das er während des New Orleans Jazz Festivals hatte veranstalten wollen. «Ich sah, dass es hier ein grundlegendes Problem gab, für das es eine Lösung brauchte» sagt er. «Es müsste doch einen Weg geben, herauszufinden, ob Leute an einer Veranstaltung interessiert sind und sie finanziell unterstützen wollen.»  Als er 2005 Yancey Strickler kennenlernte, den ehemaligen Chef des Redaktionsteams eines Online-Musik-Shops, beschlossen die beiden, das Konzept auszuprobieren.

Nachdem sie von Familienmitgliedern und Freunden $300’000 Startfinanzierung erhalten hatten, ging die Plattform Kickstarter im April online. Heute arbeitet die Firma noch ohne Profit – alles Geld geht direkt in die geförderten Projekte. Dabei sind bis jetzt mehr als $400’000 für fast 400 Ideen gespendet worden.

Alle Projekte wurden von den Gründern selbst ausgesucht. Diese planen allerdings, die Plattform irgendwann zu öffnen und dann eine Gebühr für die Transaktionskosten zu verlangen.

Quelle:
New York Times
Kulturmanagement-Blog

01.10.09

Social Networks – wer ist dabei?

Mittwoch, 08. Juli 2009

Schweizer NPO im Web 2.0.

Wir haben vor zwei Wochen auf Facebook und Twitter 63 grössere und mittelgrosse, nationale und internationale Schweizer NPO recherchiert, um zu sehen, wer hier schon aktiv geworden ist. Hier ein kleiner Überblick über die NPO, die wir dort gefunden haben:

Das Fastenopfer tritt nicht mit einer eigenen Gruppe in Erscheinung, ist aber durch eine Petition zum Klimawandel und als Mitglied der Clean Clothes Kampagne auf Facebook vertreten.

«Lotti Latrous»
hat eine Facebook-Gruppe mit 184 Mitgliedern.

Médécins sans frontières
bzw. Ärzte ohne Grenzen tritt mit zahlreichen internationalen und regionalen Gruppen im Facebook auf, darunter eine deutschsprachige Gruppe für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Auch auf Twitter findet man MSF mit teilweise sehr grossen Follower-Zahlen. Bei der Schweizer Präsenz muss man jedoch leider noch um die Erlaubnis zum Followen bitten, das ist eine unnötige Hürde.


SOS Kinderdorf Schweiz
ist mit einer Facebook-Kampagne zur Eishockey-WM dabei und hat 14 Twitter-Follower.

Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi hat eine Facebook-Gruppe mit 82 Mitgliedern sowie eine privat initiierte Ehemaligen-Gruppe.

Swissaid ist mit 64 Followern auf Twitter vertreten.

Der Tearfund Schweiz hat eine Facebook-Gruppe mit 57 Mitgliedern.

Terre des Hommes Schweiz hat drei Regionalgruppen auf Facebook sowie eine Kampagnen-Gruppe «Kein Kind ist illegal» mit 695 Mitgliedern.

World Vision
Schweiz ist mit einer mit einer 24 Mitglieder starken Förderergruppe auf Facebook vertreten.

Die Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft ist mit einer Betroffenengruppe auf Facebook zu finden.

Die Aids-Hilfe Schweiz erscheint in Verbindung mit der letztjährigen WAT-Kampagne «Gegen Aids, für die Betroffenen» auf Facebook und hat dort 210 Mitglieder gesammelt.

Die Schweizer Krebsliga hat eine Facebook-Gruppe mit 817 Mitgliedern.

Procap hat fünf Facebook-Mitglieder.

Der Schweizerische Gehörlosensportverband hat 59 Mitglieder auf Facebook.

Die Stiftung Wunderlampe hat insgesamt vier bis fünf Facebook-Gruppen mit insgesamt 633 Mitgliedern.

Amnesty Schweiz veröffentlicht in Facebook den Jahresbericht 2008 und hat dort 251 Mitglieder und hat eine Studenten-Gruppe mit 52 Mitgliedern.

Der Bruno Manser Fonds hat eine grössere englischsprachige Facebook-Gruppe mit fast 400 Mitgliedern.

Die Erklärung von Bern tritt selbst nicht bei Facebook auf, sondern als Mitgründer des Public Eye Awards und als Mitglied der Clean Clothes Kampagne.

Greenpeace Schweiz hat drei verschiedene Facebook-Gruppen mit insgesamt 302 Mitgliedern, dazu die Präsenz der Gruppe Greenpeace iChange Lovepeace mit 83 Mitgliedern. Auf Twitter hat Greenpeace Schweiz 418 Follower.

Pro Natura tritt wie die EVB als Mitinitiator des Public Eye Awards im Facebook auf, dazu kommt noch die Regionalgruppe Aargau mit 254 Mitgliedern.

Pro Specie Rara hat zwei Gruppen mit 93 Mitgliedern auf Facebook.

Der Schweizer Alpenclub hat drei Facebook-Gruppen mit insgesamt 347 Mitgliedern.

Die Rega hat 912 Facebook-Mitglieder.

Die Fondation Franz Weber hat eine Facebook-Gruppe mit 230 Mitgliedern, dazu noch eine Kampagnen-Gruppe und eine kleine private Unterstützer-Gruppe.

Der Schweizer Tierschutz ist mit 129 Facebook-Mitgliedern dabei.

Vier Pfoten Schweiz zählt auf eine 36 Mitglieder starke private Unterstützer-Gruppe.

Pink Cross
Schweiz hat 207 Facebook-Mitglieder.

Dieser Überblick ist vom Juni 2009 – sollten wir jemand übersehen haben, bitten wir um Entschuldigung und eine kurze Mitteilung!

08.07.09

Show Your Face!

Mittwoch, 03. Juni 2009

NPO und Facebook & Co.

Kaum begeistern NPO sich für Facebook, werden auch schon die ersten Studien in den US-amerikanischen Medien breitgetreten und social networks teils in den Himmel gelobt oder als nutzloser Hype verteufelt. Wer die Studien genauer liest, sieht genau das, was zu erwarten ist: dass die Kosten-Nutzen-Relation von social networks – wie bei jedem neuen Instrument in unserer fraktalen Welt – langsam aber voraussehbar besser wird.

In absoluten Zahlen passiert oft noch relativ wenig, trotzdem ist die Teilnahme am Web 2.0 unverzichtbar, um mit den modernen Spendern in Kontakt zu kommen und um in einer immer fraktaleren Öffentlichkeit präsent zu sein.

Wichtig ist, dass NPO sich im Web 2.0 nicht wie bisher nur mal hübsch hinsetzen und abwarten, was passiert. Sondern Web 2.0 als das begreifen was es ist: die Möglichkeit, sich effektiv und aktiv in einer Kommunikationswelt zu bewegen und proaktiv Informationen, Kontakte und Beziehungen zu suchen und zu bieten.

Kritische Studienergebnisse:

Laut einer aktuellen Studie produzieren Online-Netze noch relativ wenig Spendeneinnahmen. Viele NPO nutzen social networks wie Facebook und Twitter um ihre Unterstützer zu erreichen, aber noch haben erst wenige NPO dabei mehr als ein paar Tausend Unterstützer gewonnen und auch die Spendeneinnahmen sind eher gering – besagt eine Befragung von 980 US-amerikanischen NPO-Fundraisern.

Fast Dreiviertel der befragten NPO hatte eine Präsenz auf Facebook, das populärste kommerzielle social network in den USA. Knapp 40% dieser NPO hatten Facebook auch für Fundraising genutzt. 29% von ihnen hatten dabei im letzten Jahr weniger als 500 Dollar eingeworben und nur 1.2% hatten mehr als 10’000 Dollar erhalten. Die Studie konkludierte, dass die Einnahmen durch social networks nicht relevant seien.

YouTube und Twitter sind die nächsten zwei populärsten Netzwerke, auf denen etwas über 40% der NPO Präsenzen unterhalten. 33 % der NPO sind auch auf LinkedIn und 26% in MySpace.

Knapp ein Drittel der NPO hatten auch eine eigenes social network aufgebaut, um ihren Unterstützern die Möglichkeit zu geben, sich auszutauschen.

Auf Facebook hatten die NPO durchschnittlich rund 1’400 Mitglieder gewonnen. Von den  NPO mit eigenen Netzwerken hatten Dreiviertel bis 2’500 Mitglieder darauf versammeln können.

NPO investieren zwar noch relativ wenig aber dafür konkret in soziale Netzwerke und diese Investionen werden laut der Studie noch zunehmen. Vier von fünf Fundraisern gaben an, dass ihre NPO mindestens eine Viertelstelle dem sozialen Netzwerken gewidmet hatten und mehr als die Hälfte der NPO wird diese Personalressourcen im nächsten Jahr vergrössern.
Die Washington Post drehte die Ergebnisse gar so, dass die Mehrzahl der NPO keine Spenden über Facebook eingenommen habe. Dass weniger als 50 der 179’000 fundraisers in Causes on Facebook 10’000 Dollar eingenommen haben und dass nur 2 NPO mehr als 100’000 Dollar eingenommen haben. Dass während 25 Millionen der 200 Millionen Mitglieder sich als Unterstützer mindestens einer Cause eingetragen haben, haben nur 185’000 von ihnen jemals gespendet. Das sind 0.74%, also keine besonders rosigen Ergebnisse.

Quelle:
Donorpowerblog
Philanthropy.com

Unser Fazit:

Bitte immer realistisch bleiben. Es gibt nun mal im Fundraising keine Zaubermittel und auch Facebook ist keine von selbst sprudelnde Spendenquelle.

Auch wenn, wie gesehen, in absoluten Zahlen vielleicht noch wenig passiert, ist es für NPO trotzdem wichtig, in social networks präsent zu sein. Zu lernen, sie optimal für Kommunikation und Fundraising zu nutzen und auch die Entwicklung im Sinne von NPO mit voranzutreiben (siehe Nonprofits on Facebook).

Interaktion wirkt.

Der englische online Fundraising-Service Bmycharity gibt an, dass Spenden über seine persönlichen Fundraising-Seiten verglichen mit dem letzten Jahr um 47% gestiegen sind. Zusätzlich stieg die durchschnittliche Spende um 8% über den gleichen Zeitraum auf fast 40£.

Der Gründer und Direktor von Bmycharity, Ben Brabyn, führt das Wachstum auf die verstärkte Interaktion zwischen NPO und ihren Unterstützern zurück: «Bis jetzt haben NPO es ihren Unterstützern überlassen, auf fremden Webseiten für sie um Spenden zu werben. Aber mit interaktiven Tools wie Twitter, können die NPO nun direkt und effektiv mit Spendern und Unterstützern in Verbindung treten. Zusätzlich zum deutlichen Anstieg des Spendendurchschnitts reduzieren sich hier die Kosten der Spendergewinnung und man kann eine viel weiter reichende Öffentlichkeit erreichen als mit traditionellen Methoden.»
Ein Fundraiser sagte in Twitter: «Ich liebe die Interaktion… besonders für uns Fundraiser ist es ein richtiger Bonus, endlich bemerkt zu werden.»
Indem Tools wie Twitter oder YouTube in Fundraising-Seiten integriert werden, könen Fundraiser ihren Spendern wirkliche, tagesaktuelle Interaktion bieten.

Quelle:
UK Fundraising News
Bmycharity

Fundraising als Popularitätswettbewerb.

Natürlich sehen nicht nur NPO den Nutzen von sozialen Netzen, sondern wie immer sind ihnen die Unternehmen darin schon weit voraus. Seit Ende 2006 finden schon Spenden-Wettbewerbe statt und auch diese kann man natürlich von verschiedenen Blickwinkeln betrachten:

Ein kritischer Beitrag zum Thema Social Network-Fundraising via Facebook & Co. von Celina Ribeiro:
«Im Internet ist es besser zu geben, als zu nehmen. Die amerikanische Kaufhaus-Kette Target nutzte Facebook, um bis Ende Mai 3  Millionen Dollar an Hilfswerke zu verteilen. Target lancierte eine zweiwöchige Kampagne in der Facebook-Mitglieder für zehn verschiedene NPO stimmen konnten, die Target unterstützen sollte. Die NPO erhalten jeweils den Anteil der Spende, der ihrem Stimmenanteil entspricht. Die Kampagne versucht auch, Facebook-User zu motivieren, bei lokalen Organisationen ehrenamtlich mitzuarbeiten.

Ob man es jetzt cool findet oder eher zynisch betrachtet, dass Kaufhaus-Superketten sich in Philanthropie betätigen, egal… Der wirkliche Punkt ist, dass Target anderthalb Tage nach der Eröffnung der Wahl-Plattform auf Facebook mehr als 16’000 Menschen dazu gebracht hat, mitzumachen.

Die Kampagne kommt nicht lange, nachdem der Schauspieler Hugh Jackman ein Twitter-Fieber provozierte – und damit auch gleichzeitig Werbung für seinen neuesten Film – als er auf seiner Twitter-Seite 100’000 Dollar feilbot. Webseiten wie Kiva und Globalgiving basieren alle darauf, dass man dort Gott spielen kann mit einem Geldtopf, den man sowieso spenden möchte.

Jedenfalls zentriert sich die öffentliche Aufmerksamkeit in sozialen Netzen nun immer mehr auf diejenigen, die Geld spenden und nicht diejenigen, die um Spenden bitten.

Einen Haufen Geld originell zu spenden ist etwas Positives und etwas, worauf soziale Netze am besten reagieren. Das ist keine unausweichliche oder unveränderbare Situation. Aber wie werden NPO darauf reagieren, dass Macht und Öffentlichkeit immer mehr in die Hände der Spender gelangen? Gehört das Netz den Spendern?»


Beth Kanter sieht das Ganze in ihrem Blog etwas positiver:

«Die Target Facebook-Kampagne «Bullseye Gives» lud Menschen ein, zu entscheiden, wie 3 Millionen Dollar unter zehn verschiedenen NPO zu verteilen wären. Darunter die Parent Teacher Association, Feeding America, The Salvation Army, American Red Cross, National Parks Foundation, Breast Cancer Research Foundation, St. Jude Children’s Research Hospital, Kids In Need, Operation Gratitude und The HandsOn Network/Points of Light Institute.

Die Spende wird nach dem prozentualen Stimmenanteil jeder Organisation verteilt. Ich stimmte für das Rote Kreuz, das zu dem Zeitpunkt 2% Stimmen hatte, was eine 74’000 $-Spende bedeutete. Man konnte einmal täglich abstimmen und ich hatte vor, jeden Tag für eine andere NPO abzustimmen.

Seit dem ersten solchen Online-Wettbewerb im Dezember 2006, der von Network for Good und Yahoo lanciert wurde, sind Online-Wetbewerbe für das Spenden-Engagement von Unternehmen, Web 2.0-Firmen und auch Stiftungen immer populärer geworden. Die Bandbreite reicht dabei von Wettbewerben, bei denen jede NPO mitmachen kann bis zu solchen, bei denen die NPO-Empfänger vom Veranstalter vorher selektiert wurden.

Beim Giving Challenge der Case Foundation im Jahr 2007, der via Causes on Facebook, Network for Good, Global Giving und dem Magazin Parade stattfand, konnte jede NPO, auch kleine Grassroots-Organisationen, mitmachen und gewinnen. Die Wettbewerbsregeln ebneten das Spielfeld, da der Gewinn auf der Anzahl individueller Spender basierte.

Razoo March-Madness bot 10’000 Dollar für die Organisationen, die die meisten Spender hatten. Charity SmackDwon stellte Promi-Teams mit Unternehmens-Sponsoren zusammen, um Gelder für neun verschiedene NPO einzuwerben. Der Wettbewerb basierte auf den Gesamteinnahmen an Spenden.

In manchen Wettbewerben geht es nicht um Spenden, sondern zm Stimmen. Der IdeaBlob-Wettbewerb gibt Organisationen und Privatpersonen die Möglichkeit, eine Idee zu präsentieren und dafür Stimmen zu bekommmen.

In manchen Facebook-Wettbewerben, die von Unternehmen veranstaltet werden, muss die Gewinner-NPO nur die meisten ihrer Spender und Unterstützer dazu bringen, der Gruppe beizutreten. Das Rote Kreuz erhielt so letzten Dezember 50’000 Dollar und auch die Humane Society gewann 50’000 Dollar in einem Microsoft Facebook-Wettbewerb.»

Kanter ist sich im Fazit nicht ganz schlüssig über Online-Wettbewerbe. Auf der einen Seite ist sie für einen gesunden Wettbewerb, der NPO dazu bringt, Risiken einzugehen, etwas Neues auszuprobieren und neue Tools zu versuchen. Andererseits erinnern sie Online-Wettbewerbe auch an eine gewisse Erfahrung, die sie einmal beim Fische-Füttern machte und sie macht sich Gedanken um mögliche Folgen wie «Themen-Ermüdung», «Knappheits-Denken» etc.

Quellen:
Professional Fundraising Blogs, Celina Ribeiro «Are funders taking over social network fundraising?», 12. 5.09

Beth Kanter, Beth’s Blog: How Nonprofits can use Social Media. 10.5.09

Tipps zum Facebook.

Aber wie nutzt man denn nun Facebook als NPO? Das ist heute schon fast eine eigene «Wissenschaft» und doch gar nicht so schwer, wie es aussieht. Trotzdem übersteigt eine komplette Nutzungsanleitung den Rahmen dieses Newsletters… Viele viele Tipps für Einsteiger findet man unter anderem bei Beth Kanter im Beth’s Blog.

Ausserdem gibt es in Facebook auch die Gruppe Non-Profits on Facebook mit vielen Tipps und Best Practices für NPO, die Facebook als Plattform nutzen wollen.

Wir selbst werden im Herbst ein Seminar zum Thema „Soziale Netzwerke nutzen“ veranstalten.

03.06.09

Sie auch hier – auf YouTube?

Mittwoch, 03. Juni 2009

Fundraising per Videoclip.

Wie oft sehen Sie pro Woche ein YouTube-Video, das Ihnen von Bekannten, Kollegen oder Freunden weitergeleitet wurde? Weil es spannend ist wichtig, informativ – oder auch nur witzig bzw. aber-witzig. Diejenigen unter Ihnen, die wie wir intensiv online unterwegs sind, sehen bestimmt mehr als andere. Trotzdem ist YouTube heute ein Begriff, sogar für Menschen, die kaum im Internet oder web-affin sind.

YouTube- und andere Web-Videos sind Teil des normalen Medienverhaltens geworden. Wie können NPO das nutzen? Und welche NPO nutzen YouTube?

Präsenzen auf YouTube.

Eine ganz kurze Suche bei YouTube ergibt einige grosse und kleine NPO, die auf YouTube entweder mit eigenen Channels (eine eigene Seite, auf der alle geposteten Videos zu finden sind, samt einem Statement zur Organisation, und die User abonnieren können) oder Videos vertreten sind.

Eigene Channel unterhalten unter anderem die Friedrich Ebert Stiftung, Greenpeace Deutschland, der Schulsanitätsdienst des Deutschen Jugendrotkreuzes, die BUNDJugend, die Rhema Bibelgemeinde, der Weisse Ring, ONE Deutschland, die Schwestern vom Guten Hirten und Inwent.org. In der Schweiz unter anderem Greenpeace Schweiz, der WWF und der VCS.

Einige NPO, die mit wenigen bis ganz vielen Videos dabei sind: SOS-Kinderdorf, World Vision, Terre des Hommes, Menschen für Menschen, Rotes Kreuz, Schweizerisches Arbeiterhilfswerk, WWF, etc.

Beim Inhalt der Videos reicht die Bandbreite von der Selbstdarstellung über Spendenrufe, Werbespots oder Videos von Promi-Besuchen und anderen Events bis hin zu Unterstützungsaufrufen privater YouTube-User für ihre favorisierte NPO.

Obwohl es auch andere Video-Plattformen im Web gibt, wie zum Beispiel Sevenload oder Vimeo, ist YouTube doch zum Standard avanciert. Das ist auch daran ersichtlich, dass direkte Verknüpfungen zwischen YouTube und den Profilen in sozialen Netzwerken wie FaceBook ganz einfach möglich sind.

Empfehlungen eines Video-Fundraisers.

Mattias Brender beim deutschen BibelTV hat langjährige Erfahrung mit Video-Fundraising. Laut Brender ist Video noch weit davon entfernt, das wichtigste Tool im Fundraising-Werkzeugkasten zu sein, aber kostendeckend kann jede NPO damit heute schon arbeiten.

Videos erlauben durch ihr Format und ihren Inhalt eine direktere, persönlichere und emotionalere Kommunikation als andere Fundraising-Instrumente, wie z.B. Direktmail. Sie sind für Brender eine perfekte Mischung aus dem Idealen (persönlicher Besuch beim Spender) und dem Möglichen (Massenkommunikation). Bewegtes Bild und Ton besitzen hohe Glaubwürdigkeit. Videos sind kurzfristig und schnell einsetzbar, was besonders in Katastrophenfällen wichtig und wertvoll ist. Und die Reaktion auf Videos kann sofort gemessen werden.

Videos können in Email-Newsletter integriert werden und helfen dabei, die Empfänger inhaltlich und emotional in die Organisation «herein zu holen». Videos eignen sich besonders im Fall von Katastrophen oder wenn es darum geht, Menschen oder Aktivitäten in der Organisation zu portraitieren. Selbst ein Video vom Umbau kann für einen Spenderkreis interessant sein und den Spendern das Gefühl geben, dazu zu gehören. Wenn Videos in Emails integriert werden, empfiehlt Brender, das Email bewusst um das Video herum zu gestalten und so die Aufmerksamkeit auf den Link zu lenken.

Wer Fragen an Matthias Brender hat, darf diese gern per Email an ihn richten: matthias@brender.de

Das YouTube NPO-Programm.

YouTube selbst engagiert sich zunehmend im NPO-Bereich. Im – leider nur für USA und UK zugänglichen – Nonprofit-Programm bietet YouTube jetzt ein neues «Call to Action»-Feature an, mit dem NPO über Videos direkt Reaktionen auslösen können. Zuschauer können mit einem Mausklick auf eine Overlay-Anzeige im Video auf die Webseite der NPO gelangen, wo sie dann spenden, einen Newsletter abonnieren oder sonstiges tun können. Laut YouTube funktioniert das Ganze mit grossem Erfolg. Zum Beispiel promotete YouTube am letzten Weltwassertag ein Video von charity:water, das den neuen «Call to Action»-Overlay enthielt und die Zuschauer ermutigte, zu spenden. Bis heute haben über 300’000 Menschen das Video gesehen und charity:water hat damit an einem Tag über $ 10’000 gesammelt.

Wir haben natürlich gleich bei YouTube nachgefragt, ob und wann dieses Feature auch in Europa zu erwarten ist. Leider haben wir bis jetzt noch keine keine Antwort erhalten – aber wir bleiben dran.

Quelle:
YouTube Blog

Herdentrieb auf YouTube.

Die ETH Zürich hat sich mit der Frage beschäftigt, warum einzelne Videos auf YouTube millionenfach angeschaut werden, während 90% der Beiträge nur einzelne Zuschauer finden. Eine neue Studie zeigt, dass die Aufmerksamkeit in sozialen Netzen wie bei YouTube nach bestimmten, sich wiederholenden, Mustern verläuft, die mit mathematischen Modellen beschrieben werden können. Wissenschaftler aus den verschiedensten Bereichen sind fasziniert vom so genannten «Herding»-Verhalten in Online-Communities.

Die Studie nennt als Beispiel das Video eines vorher unbekannten Komikers aus Ohio, das innerhalb von zwei Wochen über zehn Millionen Mal und während seiner Gesamtlaufzeit auf YouTube sogar 103 Millionen Mal angeschaut wurde. Das Video schaffte es damit auch in die amerikanischen Mainstream-Medien. Der Komiker selbst, Judson Laipply, ist heute ein Star.

Der Autor der Studie, Riley Crane, beschäftigte sich bis vor zwei Jahren an der University of California mit kritischen Phänomenen in Quantensystemen, die sich unter bestimmten Voraussetzungen aufgrund geringer Störungen verändern können. Ähnliches ist auch in sozialen Systemen zu beobachten, mit denen sich Crane heute an der ETH Zürich auseinandersetzt.

Er beschreibt zusammen mit seinem Professor Didier Sornette, wie das «Herding»-Verhalten von YouTube-Nutzern in einfachen mathematischen Modellen dargestellt werden kann. Crane hat dafür zwei Jahre lang die Zuschauerzahlen von 5 Millionen YouTube-Videos beobachtet – in erster Linie diejenigen Filme, die am meisten Aufmerksamkeit erhielten, d.h. mindestens 100 Mal pro Tag angesehen wurden (= 10 % der gesamten YouTube-Videos).

Crane unterteilte diese populären Videos in drei Klassen:
1. «Junk»-Videos generieren unverhofft sehr viel Aufmerksamkeit, aber nur für sehr kurze Zeit. Sie lösen keine selbstorganisierte Entwicklung, keinen «Herdentrieb» innerhalb der Gemeinschaft aus.
2. «Virale» Videos dagegen breiten sich epidemieartig über soziale Netzwerke aus, zum Beispiel über E-Mails, Blogs und Internet-Links. Beispiel dafür ist ein Werbe-Video für einen Harry Potter-Kinofilm an, das alleine durch Mund-zu-Mund-Werbung im Internet zu enormer Aufmerksamkeit kam.
3. «Qualitäts»-Videos sind den Viralen ähnlich. Sie erhalten sehr schnell sehr viel Aufmerksamkeit, sie verteilen sich rasch und ebben danach langsam wieder ab. So zum Beispiel bei den Videos zum Tsunami in Südostasien 2004.

Crane brachte die Zuschauerzahlen von «Qualitäts»-Videos und «viralen» Videos auf dem Höhepunkt ihrer Aufmerksamkeitskurve in Verbindung mit der Gesamtmenge an Zuschauern über den beobachteten Zeitraum. «Wir entdeckten, dass die Kurven der Zuschauerzunahme und -abnahme bei beiden Arten von Videos eine sehr charakteristische Form haben. Die Kapazität eines Videos, zu einem Massenphänomen innerhalb der YouTube-Community zu werden, kann somit an der Form der Kurve abgelesen werden», sagt Crane.

Auch für das Nachlassen der Aufmerksamkeit bei viralen Videos gelten mathematische Modelle, hier die Modellierung von Nachbeben bei Erdbeben, «Epidemics Type Aftershock»-Modelle. «Ich finde es faszinierend, dass ein soziales System anscheinend ebenso nach bestimmten Regeln funktioniert wie ein physikalisches System und dadurch mathematisch fassbar wird», sagt Crane. Mit seinem Modell lassen sich einzig anhand von Tendenzen, also des Zuschauerzuwachses für ein bestimmtes Video, Entwicklungen erkennen, die zu einem Massenphänomen führen könnten – noch  bevor diese Entwicklung überhaupt von einer kritischen Masse an Individuen vollzogen wurde.

Für das Marketing sind diese Erkenntnisse sehr interessant. Crane und Sornette verhandeln daher zurzeit mit dem Internet-Buchverkäufer Amazon. Mittelfristig schwebt den beiden Wissenschaftlern ein Art Trend-Überwachungszentrum für das Internet vor. Mit diesem könnten Phänomene in sozialen Systemen auf verschiedenen Web-Plattformen frühzeitig erkannt werden.

Quelle:
ETH Zürich
Crane R, Sornette D. Robust dynamic classes revealed by studying the response function of a social system, Proceedings of the National Academy of Sciences, Vol. 105, No. 41. (October 2008), pp. 15649-15653. doi:10.1073/pnas.0803685105

Tipps zur Einbindung von Videos

Nicht nur die Qualität des Videos ist wichtig, sondern auch die Qualität seiner Einbindung in diverse Übermittlungsmedien, z.B. Emails. Videos können in Emails aufgrund der gängigen Sicherheitseinstellungen nicht direkt übermittelt werden. Die Übermittlung funktioniert daher meist über einen Link zur Webseite. Email-Marketing-Spezialist Nico Zorn gibt Tipps dazu:

Video-Screenshot
Nutzen Sie ein Standbild des Videos inklusive der Bedienelemente des Videoplayers, um das Interesse der User zu wecken und sie zum Klicken zu animieren. Zusätzlich sollten Sie einen Textlink zum Video setzen, damit der Link auch bei deaktivierten Grafiken geklickt wird.

Interessantes Standbild
Die Auswahl des richtigen Standbilds für den Screenshot kann sich erheblich auf die Klickrate auswirken. Achten Sie darauf, ein Standbild auszuwählen, das eine interessante Situation aus dem Videoclip zeigt.

Videoplattformen nutzen

In den meisten Fällen macht es mittlerweile kaum noch Sinn, Videos selber zu hosten. Zahlreiche Videoplattformen wie Youtube, Sevenload oder Veoh nehmen einem diese Arbeit kostenlos ab und bieten weitere Vorteile: Sie ermöglichen den Usern, den Clip problemlos in die eigene Website oder in ein Blog zu integrieren und zeigen an, wie häufig das Video aufgerufen wurde. Darüber hinaus profitieren Sie von der Reichweite der entsprechenden Plattformen und können mit aussagekräftigen Titeln und Schlagwörtern (Tags) zusätzliche Views generieren.

Quelle:
EmailmarketingBlog, Nico Zorn

Tipps fürs Web-Video

Video kann ein wichtiger technischer und emotionaler Kanal sein, um Menschen zu erreichen. Denn Video liefert laut den Videospezialisten von See3 in Chicago aufgrund seines Formats den potentiell überzeugendsten Inhalts jeder Online-Kommunikationsmassnahme. Und zudem die Art Inhalt, mit dem User sich online am längsten beschäftigen. Ein Video ist jedoch nicht aus dem Ärmel zu schütteln – worauf es ankommt beim «Drehen», dazu geben die See3-Spezialisten folgende Tipps:

1. Erzählen Sie eine Geschichte.
Wenn Sie wollen, dass Ihre Zuschauer sich mit Ihnen identifizieren, dann brauchen Sie eine überzeugende und bewegende Geschichte mit realen Menschen.  Eine Geschichte, die bewegt und motiviert, die Leidenschaft und Energie rüberbringt.

2. Behalten Sie Ihre Zuschauer im Auge.

Wollen Sie junge Leute erreichen, die viel im Jugendzentrum sind, oder Online-Senioren auf dem Land?  Schneiden Sie Ihre Botschaft darauf zu und seien Sie sich im Klaren darüber, was Ihre Zuschauerinnen fühlen und denken sollen – bevor Sie die Kamera einschalten.

3. Sprechen Sie klar und deutlich.

Sie haben die Aufmerksamkeit Ihrer Zuschauer, jetzt sagen Sie ihnen, was sie tun sollen: spenden, sich ehrenamtlich engagieren oder Ihre Website aufsuchen?

Zu viele Videos werden einfach mal ins Netz gestellt und auch wenn sie lustig oder interessant sind, lösen sie nichts aus. Weil einem niemand sagt, was man mit dem Gesehenen tun soll!

4. Schauen Sie in die Zukunft.
Videomaterial kann für verschiedenste Projekte und Botschaften recycelt werden. Kaufen Sie noch heute eine Videokamera und nehmen Sie sie mit, zu Projekten, zu Events, zu allem. Filmen Sie alles, was mit Ihrer Organisation zu tun hat und bauen Sie sich damit ein Archiv, das Sie immer wieder für alle möglichen Zwecke nutzen können. Bitten Sie auch Ihre Unterstützerinnen und Ehrenamtlichen, ihre Arbeit per Video zu dokumentieren und der NPO zur Verfügung zu stellen.


5. Machen Sie ein Skript.

Auch ein ein- oder zweiminütiges Video braucht einen ausgewogenen Erzählfluss. Und jedes gute Video beruht auf einem guten Skript. Überlegen Sie sich, wie Sie Ihre Geschichte am besten kommunizieren: als Dokumentarfilm, als Interview, lustig oder dramatisch, sachlich oder emotional?

6. Seien Sie grosszügig.
Nehmen Sie immer mehr auf, als Sie eigentlich brauchen, denn kürzen können Sie immer. Wenn Sie genug Material aufgenommen haben, können Ihr Video aus den besten Stücken zusammenbauen, wenn es ans Editieren geht.

7. Achten Sie auf den Ton.
Einer der am meisten unterschätzten Produktionsaspekte ist der Ton. Web-Zuschauer sind eher bereit, ein Video mit schlechter Bildqualität und gutem Ton anzuschauen, als ein Video mit gutem Bild und schlechter Tonqualität.

8. Helfen Sie den Zuschauern.
Kann der User das Video an einen Freund weiterleiten, Ihren RSS-Feed abonnieren oder auf sonst eine Weise sofort etwas tun, was Ihnen und Ihrer Botschaft dient?


9. Veranstalten Sie ein Screening.

Laden Sie Kollegen, Freunde oder auch Spender ein und schauen Sie sich das Video zusammen an. Sind sie begeistert, ist es gut. Sind sie es nicht, ist es eine gute Gelegenheit zur Diskussion und eventuell zur Verbesserung.

Jetzt haben Sie ein tolles Video, aber auch damit ist es noch nicht ganz getan. Wie  erreichen Sie die richtigen Leute online? Nicht jeder, der auf YouTube ist, wird Ihr Video finden, anschauen oder gar darauf reagieren. Recherchieren Sie also, bewegen Sie sich im Netz, beteiligen Sie sich an den Gesprächen und Diskussionen im Web. Erzählen Sie von Ihrer Organisation und verlinken Sie immer wieder zu Ihrem Video, Ihrer Webseite.

Quelle:
E-Philanthropy Foundation
See3

Video-Dreh per Handy

YouTub-Videos können auch einfach und schnell mit dem Handy “gedreht” werden – vorausgesetzt, es hat diese Fähigkeit zur Videoaufnahme. Wenn das Video aufgenommen ist, schickt man einfach eine Email oder ein MMS an die eigene YouTube-Emailadresse. Und mit dem Android 1.5-Feature, das in absehbarer Zeit auch in Europa verfügbar sein sollte, kann das Video mittels «Share»-Button direkt an das eigene YouTube-Konto übermittelt werden.

Im YouTube Blog ist übrigens auch ein Video von Michael Buckley zu sehen, der ein «Webinar» von 26 Minuten in schnellem Amerikanisch abhält und darin erklärt, wie man erfolgreiche Videos macht.

Quelle:
YouTube Blog

03.06.09

Lange Wege ins Nichts.

Mittwoch, 06. Mai 2009

Von der Idee zum Projekt.

Wir haben diese satirische Darstellung in einem Workshop von Alan Clayton gefunden. Sie ist sicher überspitzt, aber in unserer eigenen Erfahrung oft durchaus zutreffend: Der lange Weg von der Idee zum Projekt in vielen NPO.

Dieser Artikel wird Sie sicher zum Schmunzeln bringen. Aber vielleicht auch zum Nachdenken. Über gewachsene Strukturen, die hingenommen und nicht hinterfragt werden. Über Ansprüche und Erwartungen in unseren Organisationen, Vereinen, Verbänden. Die einmal genau richtig waren. Aber uns heute vielleicht in einer immer schneller drehenden Welt zum Tod durch Langsamkeit verurteilen.

Entscheidungsfindung: Wie es leider oft funktioniert.

  • Sie (der/die FundraiserIn) haben eine (sicher geniale) Idee.
  • Die Abteilungen Fundraising, Marketing, Kommunikation, Projekte, Finanzen und der Praktikant am Empfang sitzen zusammen, um zu entscheiden, wer über Ihre Idee entscheiden soll.
  • Man kann sich nicht einigen.
  • Ein Komitee wird gebildet.
  • Das Komitee hält eine Besprechung ab, um über den Entscheidungsfindungs-Prozess zu entscheiden (ohne Sie).
  • Man einigt sich darauf, die Entscheidungsverantwortung gemeinsam zu tragen.
  • Und gibt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag.
  • Das Komitee bezweifelt die Ergebnisse der Studie.
  • Und gibt Marktforschungs-Recherchen in Auftrag.
  • Das Komitee entscheidet, dass die Ergebnisse nicht repräsentativ sind und legt sie in die Schublade.
  • Das Komitee trifft eine Entscheidung: Ein Plan wird gebraucht, um eine Entscheidung zu treffen.
  • Eine Planungsgruppe wird gebildet.
  • Die Planungsgruppe verbringt sechs Monate mit der Entwicklung des Plans.
  • Der Plan wird präsentiert. Das Komitee weist den Plan zurück.
  • Das Komitee entwirft in 24 Stunden einen neuen Plan und präsentiert ihn sich selbst.
  • Das Jahresbudget ist mittlerweile leider schon verabschiedet worden. Eine Entscheidung kann nun erst wieder nächstes Jahr getroffen werden.
  • Über die nächsten sechs Monate werden 12 verschiedene Budgets entworfen.
  • Nach den sechs Monaten sind vier Komitee-Mitglieder nicht mehr für die Organisation tätig. Die Idee wird drei Monate auf Eis gelegt, bis das Komitee sich neu formiert hat.
  • Drei weitere Monate vergehen, bis die neuen Mitglieder des Komitees von der Idee überzeugt worden sind.
  • Das neue Komitee ändert die Idee. Noch ein Plan und weitere Budgets werden gemacht.
  • Das Budget wird den Abteilungsleitern, der Geschäftsführerin und dem Stiftungsrat präsentiert.
  • Und abgeschossen.
  • Das Komitee bekommt eine Stunde, um das Budget zu ändern und noch einmal zu präsentieren. Das Komitee hält eine Not-Sitzung ab.
  • Und kürzt das Budget um 75%.
  • Das Komitee präsentiert das verstümmelte Budget.
  • Das Budget wird genehmigt und das Projekt kann beginnen.
  • In den nächsten acht Wochen werden alle Abteilungen, Ehrenamtlichen, Lieferanten, Manager und Spender «ins Boot geholt». Mit einem internen Launch, einem Stakeholder-Launch, einem PR-Launch, einem Marketing-Launch und einem öffentlichen Launch.
  • Danach meldet die Finanzabteilung, dass das Budget falsch aufgestellt wurde. Die gesamte Organisation bricht in Panik aus.
  • Das Budget wird nochmals gekürzt.
  • Die Finanzabteilung beschwert sich, dass das Projekt immer noch kein Geld erwirtschaftet hat.
  • Das Komitee schaut sich nach einem Schuldigen um.
  • Und das sind natürlich Sie. Aber immerhin: Sie haben jetzt  wertvolle Berufs-Erfahrung in «Strategischer Planung» gewonnen.
  • Damit gehen Sie zum nächsten Fundraising-Kongress, um einen neuen Job zu finden.
  • Oder Sie werden Berater.

Entscheidungsfindung: Wie könnte es besser funktionieren.

  • Sie haben eine Idee.
  • Der Entscheider hört zu.
  • Und entscheidet.
  • Und gibt Ihnen Ressourcen.
  • Die Idee wird umgesetzt.


Clayton zog in seiner Präsentation das Fazit:

«Wir haben eine Vision, eine Idee oder Aufgabe, und unsere NPO-Kultur bringt uns dazu, sofort jeden mit einbeziehen zu wollen. Das Risiko zu verteilen, indem wir Sicherheit in der Gruppe suchen und versuchen, einen unmöglichen Konsens aufzubauen, bevor überhaupt mal etwas getan wird.

Aber: Erfolgreiche Revolutionen beginnen nicht mit einer Abstimmung im Komitee. Sie beginnen mit einem Anführer.

Und: Manchmal ist es besser, um Vergebung zu bitten, als um Erlaubnis zu fragen.»

Nur wenn Entscheidungen getroffen werden dürfen, geschehen Dinge und Sie können die Welt verändern.

Die Welt braucht Fundraiser, die führen, die die Dinge vorantreiben und die den «kommerziellen Imperativ» in NPO bringen.

Ehrgeiz allein genügt nicht. Jeder kann hart arbeiten. Die wirklich ehrgeizigen Leute tun die wirklich schwierigen Dinge.»

Quelle:
Alan Clayton Workshop «Fresh Perspectives», 2008

06.05.09