Auszug aus einem Schweizer Briefkasten im Januar und Februar 2008:
Schützen Sie den Amazonas-Regenwald!
Internationaler Naturschutz (WWF)
Wir arbeiten daran, dass die Lepra ausgerottet wird – unterstützen Sie uns dabei!
Kampf gegen Lepra in Entwicklungsländern (Evangelische Lepramission)
Ihr Engagement für Helvetas ist eine Erfolgsgeschichte.
Internationalen Entwicklungszusammenarbeit (Helvetas)
Mädchenbeschneidung – ein Eingriff mit lebenslangen Folgen.
Internationaler Kinderschutz (unicef)
Ihr Jahresbeitrag für die Zeitschrift Greenfo der Grünen. Schweiz
Grüne Politik (Grüne)
Recht auf Nahrung – Frieden für Chiapas
Internationale Hilfe zur Selbsthilfe (HEKS Spenderzeitschrift)
Immer mehr Menschen in Afghanistan lernen lesen und schreiben – auch Mädchen und Frauen.
Internationale Entwicklungszusammenarbeit (helvetas)
Stopp Malaria!
Kampf gegen Malaria in Afrika (Biovision)
«Laura ist mein Sonnenschein.»
Hilfe für Menschen mit HIV und Aids und ihre Angehörigen. (Aidshilfe Schweiz)
Die Landschaftsinitiative und der SVS brauchen Ihre Unterschrift.
Umwelt- und Vogelschutz (Schweizer Vogelschutz)
Blutgeschäfte stoppen – Mit Ihrer Unterstützung schaffen wir es!
Kampf gegen Waffenhandel (GSOA)
Eine Familie und Starthilfe für Waisenkinder.
Hilfe für Aidswaisen in Mozambique (terre des hommes)
Die Städte gehören dem ÖV, Fuss- und Veloverkehr – dank Ihrem Mitgliederbeitrag 2008.
Umweltfreundlicher Verkehr (umverkehr)
Dossier Jugendliche
Internationale Entwicklungszusammenarbeit (Helvetas Spenderzeitschrift)
Unser Boden ist wertvoll! Er kann nicht vermehrt werden.
Heimat- und Umweltschutz (Schweizer Heimatschutz)
Steigt 2008 der Kurs für die Alpentransitbörse ? Wir verstärken den Druck auf Bundesbern. Helfen Sie mit?
Schutz der Alpen vor Verkehr (Alpeninitiative)
Und jetzt hören wir einer Spenderin beim Denken zu:
„Gerade habe ich wieder mal meinen Briefkasten geleert. Diese ganzen Spendenbriefe lege ich ja immer alle hier in die Schublade, bis ich irgendwann Zeit habe, mich damit zu beschäftigen. Das letzte Mal war das in den Weihnachtsferien. Au weia, das sind ja schon wieder so viele! Und so viele Verschiedene!
Was ist denn das alles? Schutz des Regenwalds… Lepra… Entwicklungszusammenarbeit… Kampf gegen Mädchenbeschneidung… Grüne Politik… Frauenrechte und Frauenbildung in Afghanistan… Malaria… Aids in der Schweiz… Schutz der Schweizer Vogelwelt… Waffenhandel… Aidswaisen in Afrika… Umweltfreundliche Verkehrsplanung… Schweizer Heimatschutz… Schutz der Alpen vor zu viel Verkehr…
Meine Güte… Ich meine, das ist ja alles schon irgendwo wichtig. Ich meine, der Klimawandel und so – das gibt einem ja schon zu denken. Und dass die im Regenwald einfach weiter Holz schlagen! Und Lepra – dass es das noch gibt? Wieso tut da keiner was? Mädchenbeschneidung – also da hab ich ja mal ein Buch gelesen. Das ist einfach furchtbar – da müsste man als Frau wirklich was dagegen tun. Wieso lassen das die Mütter eigentlich zu? Die Grünen, na ja – was machen die eigentlich? Früher habe ich denen ja auch immer noch was gegeben. Vielleicht sollte ich das mal lesen. Also diese islamischen Machos in Afghanistan! Wieso dürfen Mädchen da nichts lernen? Als Frau müsste man da doch was spenden! Und diese arme alleinerziehende Mutter mit Aids, die sich nicht mal den Zahnarzt leisten kann. Das muss doch schrecklich sein… Die Vögel, na ja, jetzt wird’s ja wieder Frühling, die kommen schon wieder, ich hör’ sie ja schon singen jeden Morgen. Da muss ich vielleicht nicht unbedingt noch was machen, oder? Hmmm, Waffenhandel… das ist ein grosses Thema, da verdienen Einige viel Geld dran. War doch kürzlich so ein Film im Fernsehen. Aber kann man da als Privatperson überhaupt was dagegen machen? Und die armen Waisen in Afrika, die ihre Eltern verlieren und dann ganz allein leben müssen – dass es da keine Waisenhäuser gibt. Das ist ja schlimm! Mit dem Verkehr sehe ich das Problem ja nicht so, aber wichtig ist das ja auch irgendwie schon… Und mit dem neuen Tunnel am Gotthard sollte das Alpenverkehrsproblem doch auch besser werden – oder doch nicht?
Was mach ich jetzt eigentlich? Allen kann ich ja nicht spenden. Was ist denn wichtiger? Irgendwie habe ich den Eindruck, in der ganzen Welt brennt’s an allen Ecken und Enden. Das ist total deprimierend. Was kann ich denn da alleine ausrichten? Und wenn ich diesen spende, fehlt’s dem hier drüben… Soll ich „Ene mene Mu“ spielen? Oder einfach alle wegschmeissen….?
Kommentar
Nun gut: Vielleicht sammelt ja nicht jeder Spender zwei Monate lang Mailings, um sich dann zu entscheiden, für welchen guten Zweck er sein hart verdientes Geld einsetzen will. Viele Spender haben ja auch «ihre» NPO, denen sie oft oder immer spenden und schauen sich den Rest der Briefe, die sie erhalten, gar nicht erst an.
Trotzdem bleibt es eine Tatsache: Jeder Schweizer (und jeder Deutsche und überhaupt jeder Bewohner der westlichen Welt) findet jeden Monat Spendenbitten in seinem Briefkasten. Und je öfter er spendet oder sich sonstwie gemeinnützig hervortut, desto mehr gerät er in die Mühlen der Adress-Datenbanken und desto mehr Spendenmailings erhält er.
Und so muss er sich immer wieder entscheiden. Für einen Spendenzweck und damit oft gegen einen anderen. Auf welcher Basis geschieht diese Entscheidung? Warum hier und nicht da? Kann die Antwort darin liegen, einfach weiterhin vier bis fünfmal pro Jahr Appelle in die weite Welt zu schicken und zu hoffen, dass 1% davon irgendwo aus irgendeinem Grund «hängen bleiben»? Und zu akzeptieren, dass 99% im Papierkorb landen?
Wir brauchen dringend mehr und bessere Spender-Forschung für den deutschsprachigen Raum! Zwar gibt es zunehmend Studienangebote für den Bereich Fundraising. Und jährliche Umfragen zu den beliebtesten Spendenthemen, zum allgemeinen Spendenvolumen, zur allgemeinen Spendertreue usw. Aber noch keine Studien über Motivation und Verhalten unserer Spender. Warum? Wer könnte/müsste dafür interessiert werden? Wessen Aufgabe ist es, dafür zu sorgen? Oder gibt es schon etwas in der Richtung, das man bekannt machen müsste? Wir freuen uns über Ihr Feedback zu diesen Fragen!
05.03.08