Mit ‘Godin’ getaggte Artikel

Netze spinnen und Kreise ziehen.

Montag, 21. September 2009

Social Media sind Netzwerke. Netze – wenn man sich mal an die in der Natur vorhandenen erinnert – bestehen aus miteinander verbundenen konzentrischen Kreisen.

Marketing-Spezialist Seth Godin schreibt in seinem Blog:

«Der erste Kreis ist der schwierigste: Freunde, Käufer, Abonnenten, Medien und andere, die unsere Argumente hören wollen. Ihnen erzählen wir über uns neues Produkt, unsere neue Schallplatte, unsere nächste Verkaufsaktion. Wir wollen mehr von ihrer Aufmerksamkeit und wir wollen mehr Menschen auf dieser Liste, denen wir was erzählen können.

Das jedoch lenkt uns ab vom wirklich wichtigen: dem zweiten Kreis.

Der zweite Kreis sind die Menschen, die vom ersten Kreis über uns hören. Wenn sie es toll finden, was wir tun und es sogar so toll finden, dass sie drüber reden, dann werden sie zwei oder sechs oder zehn Freunden davon erzählen. Und wenn wir wirklich gut sind, dann wird der zweite Kreis – also die Leute, die wir nicht mal kennen – einem dritten Kreis von uns erzählen. Und dieser dritte Kreis macht uns dann zum Hit, sorgt dafür, dass wir gewählt werden, dafür, dass unsere Idee gekauft wird.

Der grosse Graben liegt dabei zwischen unserem eigenen Enthusiasmus (HEY! KAUF! DAS!) und der eventuell lauwarmen Reaktion des ersten Kreises (Gähn…). Gute Marketer verbringen daher ihre Zeit nicht damit, den ersten Kreis zu vergrössern. Sie setzen alles daran, Dienstleistungen, Produkte und Geschichten zu erschaffen, die nicht in den grossen Graben fallen.»

Kreise sind eine tolle Sache und in den modernen Netzen noch viel schneller zu ziehen als früher. Nutzen Sie sie für sich. Spinnen Sie Netze und sorgen Sie dafür, dass sich Ihre Geschichten darüber verbreiten.
Bedenken Sie dabei aber auch immer zwei weitere Tatsachen:
1. Schlechte Nachrichten verbreiten sich noch viel effektiver als gute! Legen Sie also auch ab und zu Ihr Ohr ans Netz und hören Sie mit.
2. Kommunikation verläuft auch in einem sozialen Netz nicht nur von der Mitte nach aussen. Alles was im Netz passiert, wird an jeden Kreis weitergeleitet… Interessieren Sie sich und reden Sie mit.

Aufmerksamkeit im Wandel der Zeit.

Dienstag, 25. August 2009

Marketing-Spezialist Seth Godin schrieb heute in seinem Blog einen interessanten Artikel über das Thema Aufmerksamkeit im Marketing und wie sich diese im Lauf der Zeit gewandelt hat.

Flächendeckende Aufmerksamkeit.
Was Godin als Zeit des «Aufmerksamkeitsmangels» bezeichnet, ist für uns jedoch eher zu verstehen als die Zeit, in der die Aufmerksamkeit flächendeckend und en masse zu haben war. Man konnte sich darauf verlassen, dass Millionen Fernsehzuschauer eine Sendung anschauen, einen Werbespot sehen und sich evtl. im Laden an die Marke erinnern würden.

Man konnte sich mehr oder weniger darauf verlassen, dass Hunderttausende Leser eine Zeitung oder Zeitschrift lesen, sich dabei auch mit einer mehr oder weniger hintersinnigen Werbeanzeige beschäftigen und sich bei der Kaufentscheidung evtl. daran erinnern würden.

Und man konnte sich darauf verlassen, dass ein hoher Prozentsatz der Empfänger einen Spendenbrief aus dem Briefkasten holen (vielleicht lag er ja sogar noch ganz alleine drin!) und zumindest mal aufmachen und überfliegen würden, bevor sie ihn wegwarfen. Oder spendeten.

Fraktale Aufmerksamkeit.
Unsere heutige Medien-Umgebung hat das verändert. Godin bezeichnet die aktuelle Situation mit «Aufmerksamkeitsüberschuss», aber das stimmt nicht. Die Menschen haben heute genausoviel Aufmerksamkeit wie früher, aber sie müssen sie auf mehr Lebensbereiche und auf viel mehr Medien verteilen – und sie haben dazu weniger Zeit.

Menschen können heute nicht mehr flächendeckend angesprochen werden, weil sie sich nicht mehr so leicht in Massenbewegungen einteilen lassen. Und sich davon abgesehen auch gar nicht als Teil einer Masse verstehen, sondern als Individuen mit speziellen Interessen und Bedürfnissen.

Menschen sitzen heute nicht mehr zu Millionen vor der gleichen Fernsehsendung. Wenn sie überhaupt alle gleichzeitig sitzen, dann vor Fernsehern, vor DVD-Playern, vor digitalem Fernsehen ohne Werbung, vor dem Computer, vor YouTube, vor Twitter, vor Facebook, vor dem iPhone…

Menschen, die heute noch Zeitungen ausgedruckt lesen, haben keine Zeit und keine Lust mehr, sich mit ausgeklügelt witziger Werbung zu beschäftigen, die ihnen nicht sofort einleuchtet oder für ihr Leben relevant ist.

Und im Briefkasten unserer Spendenbriefempfänger sind sowieso schon viel zu viele Briefe, die sie eigentlich gar nicht haben wollen: Rechnungen, Amtliches, andere Spendenbriefe… Wer keine Lust mehr auf Post hat, geht online. Und spendet auch online, vorausgesetzt, er oder sie wird auch online “abgeholt”.

Aufmerksamkeit durch Relevanz.
Im wichtigsten Punkt hat Godin jedoch völlig recht: Menschen reagieren auch heute noch auf Werbung. Wenn sie sie in ihrem Umfeld finden, wenn sie sie persönlich anspricht und wenn sie – vor allem – persönlich relevant ist.

Werbung, egal ob für Firmen, NPO oder politische Kandidaten, muss und wird immer lokaler, spezieller und vor allem relevanter werden, um zu funktionieren.