Mit ‘Grossspender’ getaggte Artikel

Der Spender als Investor.

Dienstag, 06. November 2007

Lewis Cullman, amerikanischer Philanthrop.

Der Philanthrop Lewis Cullman schrieb 2004 das Buch „Can’t Take it With You: The Art of Making and Giving Money». Zu dieser Zeit hatten er und seine Frau schon 100 Millionen Dollar gespendet und wollten weitere 100 Millionen spenden. Ende 2005 entdeckten sie dann, dass sie mit 225 Millionen Dollar schon über ihrem Ziel lagen- was sie aber gar nicht störte. Cullman machte sein Vermögen ab 1964 mit fremdfinanzierten Firmenübernahmen. 1999 zog er sich aus dem aktiven Geschäftsleben zurück und begann, sich philanthropisch zu engagieren. Er unterstützt die öffentliche Bücherei der Stadt New York, das American Museum of Natural History, das Museum of Modern Art und viele anderen Organisationen. Bis zu seinem Tod will der ehemalige, heute 86-jährige, Financier sein restliches Vermögen an gute Zwecke verteilen, anstatt es einer immerwährenden Stiftung zu überschreiben. Und er bekniet seine reichen Freunde, es genau so zu machen. Nach seinem Ableben und dem seiner Frau, sollen alle verbleibenden Gelder innerhalb eines Jahres verteilt werden.

Überblick über Spender und Stiftungen in den USA
In den USA wurden 2006 rund 260 Milliarden Dollar an Spenden eingenommen. Dreiviertel davon stammten von Privatleuten, 7% waren Vermächtnisse und 18% entfielen auf Stiftungen und Unternehmen. Dazu kommen ehrenamtliche Leistungen: 2005 waren es 8.2 Milliarden Stunden freiwilliger Hilfsdienste, die insgesamt 150 Milliarden Dollar wert waren. Die Zahl der amerikanischen privaten Stiftungen hat sich seit 1980 mehr als verdreifacht und 2006 überschritten ihre kombinierten Vermögenswerte die 500 Milliarden Dollar-Grenze. Viele Stiftungen sind dabei zu Selbstläufern geworden, die nur sehr wenig ihres ständig wachsenden Vermögens auch einsetzen. Laut amerikanischem Recht müssen sie jährlich mindestens 5% ihres Vermögens and Fördermitteln vergeben. Allerdings beinhalten diese 5% auch den Verwaltungsaufwand.

«Chess for Schools»
Cullmans liebstes Projekt ist «Chess for Schools» in New York. Das massgeblich von ihm finanzierte Programm versucht, mit minimalem Aufwand die schlimmsten Versäumnisse an benachteiligten öffentlichen Schulen auszubügeln. Mehr als 30’000 Schüler an 120 Schulen in New York spielen einmal pro Woche, mindestens ein halbes Schuljahr lang, Schach im Unterricht. Sie bekommen einen Schachlehrer und ein eigenes Brett mit Figuren, die die Stiftung in China für weniger als 2 Dollar das Set einkauft. Der Effekt ist enorm. Cullmann: «Kinder die Schach spielen, lernen, wie man denkt, Situationen analysiert und plant. Das führt zu besserem Konzentrationsvermögen und Selbstbeherrschung.» Die einzige Teilnahmebedingung für Schulen ist, dass ihre Schüler mit öffentlichen Mitteln verköstigt werden, weil ihre Familien knapp an der Armutsschwelle leben. In New York betrifft das Dreiviertel der Schulen.

Die Quote aller Kinder in New York, die den High School Abschluss machen, liegt bei 54%. Kinder, die nach der dritten Klasse beim Schach dabei bleiben, schaffen zu 100 % den High School Abschluss und 98% gehen im Anschluss aufs College. An solchen Werten misst Cullman den Ertrag seiner Investitionen.

Zitate eines Gross-Spenders
Als bekannter Philanthrop und Autor gibt Lewis Cullman viele Interviews und schreibt auch auf seiner Website, was für ihn beim Spenden wichtig ist. Hier einige Zitate aus verschiedenen Quellen:

Auszüge aus einem Newsweek Interview, Januar 2005:
Warum spenden nicht mehr Menschen aus ihrem Vermögen?
Die altmodische Idee dahinter ist, dass man niemals seine Kapitalbasis antastet, sondern nur das Einkommen daraus. Die alte Regel lautet ja, dass man immer 10% seines Einkommens spenden sollte. Sogar Leute mit bescheidenen Mitteln machen das so. Aber richtig reiche Leute sollten auch etwas von ihrem Vermögen abgeben.

Wie entscheidet man, wie viel man für Kinder und Enkelkinder hinterlassen sollte und wie viel für die Gesellschaft allgemein?
Ich sage immer, man sollte für eine angemessene Ausbildung seiner Kinder sorgen und ihnen ein bescheidenes Nestei hinterlassen. Zu jungen Leuten sage ich immer: «Der Dollar, den du verdienst, ist ganz anders, als der, den du erbst.» Der ererbte Dollar geht einher mit allen möglichen psychologischen Problemen, Schuldgefühlen und Gott weiss was allem. Ererbter Wohlstand in grosser Grösse nimmt einem die Motivation.

Was war Ihre liebste Spende?
Ich bekomme wahrscheinlich mehr Befriedigung aus dem Programm «Chess for Schools», das wir für benachteiligte Kinder in New York aufgebaut haben – obwohl das eine viel kleinere Organisation ist als die Bücherei oder das MoMA oder irgendeine andere der grossen NPO, die ich unterstütze. Ich habe auch viel Spass dabei, meinen Findigkeit zu gebrauchen, um mein Geld mit Hebelwirkung wirksam einzusetzen, durch Challenge Gifts und Ähnliches. Das ist auch ein Weg, um die Leute zu motivieren, ihre Kräfte zusammenzubringen.

Werden Sie es jemals müde, um Spenden gebeten zu werden?
Ja, das alte Sprichwort «Keine gute Tat bleibt unbestraft» ist hier wirklich anwendbar (lacht). Wenn Du viel Geld spendest, dann können sie Dich um mehr bitten, jedes Mal. Aber ich tue es ja auch selbst und bitte andere um Spenden. Ich trage zwei Hüte.
Ich denke, Pensionierung ist ein Witz. Ich denke das wichtigste für einen Menschen ist einen Grund zu haben, morgens aufzustehen. Egal was für ein Grund. Als ich mein Geschäft verkaufte, steckte ich all meine Energie in die Nonprofit-Welt, also arbeite ich heute soviel wie früher, vielleicht sogar mehr.
Aus der Website:
«Ich verstehe die Superreichen nicht, Leute, die mehrere Billionen Dollar wert sind und unbedingt alles davon behalten wollen. Was kann man mit 15 Billionen tun, das man mit einer nicht kann?»

«Ich verstehe auch das Steuerrecht nicht, das es den Wohlhabenden erlaubt, von ihren Steuern Geld abzuziehen, das sie privaten Stiftungen spenden – aber nie verlangt, dass diese Stiftungen dieses Geld auch ausgeben…. Für ist das verrückt: schlechte Steuerpolitik, schlechte Gesellschaftspolitik und moralisch unhaltbar obendrein…Viele Stiftungen sitzen auf viel zu viel sterilem Geld und der Berg wird in den kommenden Jahren weiter wachsen. Stiftungen sollten gezwungen werden, ihr ganzes Vermögen, innerhalb von Jahren nach der Gründung auszugeben.»

«Ich denke, Menschen, die die Möglichkeit bekommen haben, viel Geld zu verdienen, haben eine eiserne Verpflichtung, im gleichen Mass zurückzugeben.»

«Unser Spenden ist keine Übung in Selbstkasteiung oder Entbehrung gewesen. Wir haben alles, was wir wollen könnten. Für uns war es immer ein Vergnügen, eine Möglichkeit, etwas Gutes zu tun mit dem Erfolg meiner Geschäftskarriere. Für die Gelegenheiten, die all das möglich machten, die Leute, die mir entlang des Wegs geholfen haben, die Zeiten, die ich durchlebt habe, bin ich sehr dankbar, aber ich bin auch leidenschaftlich neugierig auf die Zukunft.»

Aus einem NZZ Folio Artikel:
«Meine Mutter hat mich gelehrt, dass einer der grössten Vorteile, erfolgreich zu sein und Geld zu verdienen, darin besteht, es freudig mit beiden Händen wieder auszugeben.»

«Die meisten Industriekapitäne dachten nicht an Philanthropie, bevor sie die Sechzig überschritten hatten. Das hat sicher etwas mit dem Nachsinnen über die eigene Sterblichkeit zu tun. Wer hat schon als junger Mensch den Tod vor Augen? Und die Frage was von einem Leben übrig bleibt? Mir ging es nicht anders, ich habe mich erst 1999 aus dem Geschäftsleben zurückgezogen und meine Energien in die Philanthropie gesteckt.»

«Früher hielt ich Ausschau, nach Aktien von Firmen, deren Wert noch niemand erkannt hatte. Und auch heute suche ich nach unentdeckten Juwelen. Ich will das Gefühl haben, dass ich etwas bewirken und bei der Umsetzung mitmachen kann, statt nur einen Scheck auszustellen.»

«Grosse Stiftungen spenden jährlich drei Prozent für gute Zwecke. Ein schmutziger Trick, den wenige kennen. Das Kapital, das ein Mäzen eingezahlt hat und das er sofort steuerlich geltend machen kann, wird gar nie angetastet.»

06.11.07

Herzenssache: Auch Grossspender spenden emotional.

Mittwoch, 08. August 2007

Auch Gross-Spender spenden emotional.

Wer Gross-Spender-Fundraising betreibt, weiss, dass die Recherche einen Hauptteil der Arbeit ausmacht. Dabei geht es nicht nur darum, zu recherchieren, welche Menschen in der engeren und weiteren Umgebung als Gross-Spender in Frage kommen könnten. Es geht auch darum, warum sie in Frage kommen: was könnten ihre Motive sein?

Die Wurzeln des philanthropischen Verhaltens

Tony Myers, Fundraiser an der Universität von Calgary (Kanada), und Scott Decksheimer, Direktor von Nine Lions Consulting in Calgary haben dazu Interviews mit Gross-Spendern durchgeführt. Sie gingen davon aus, dass die Wurzeln des philanthropischen Verhaltens Aufschluss darüber geben, warum, wie und wem Menschen helfen – ob finanziell oder durch andere Unterstützungsleistungen. Diese Wurzeln liegen in sechs verschiedenen Bereichen:
Kirche und Religion, Lebensort/gesellschaftliches Umfeld, Familie, eigene Betroffenheit, Schule und sportliche Vereinigungen.
(Anmerkung: Letztere sind besonders typisch für das US-amerikanische und kanadische Umfeld, da dort jedes Kind durch Schule oder Sportverein mit Ehrenamt und Fundraising in irgendeiner Form (meist durch Verkauf von Schokoriegeln oder Ähnlichem) vertraut ist. Diese Ausgangspunkte lassen sich also nicht ohne Weiteres auf deutschsprachige Verhältnisse übertragen.)

Interviews mit Gross-Spendern
Myers und Decksheimer wollten zu den Wurzeln des philanthropischen Verhaltens und damit auch zu den wichtigen verhaltens-steuernden Werten der Spender gelangen. Dazu fragten sie die Spender nach ihrem ehrenamtlichen Engagement, nach ihrem Spendenverhalten und auch nach ihren Erinnerungen in Bezug auf Unterstützung oder Geschenke, die sie selbst erhalten hatten. Dabei stellte sich natürlich wieder einmal heraus, dass das Geld den Werten folgt: Auch Gross-Spender spenden anhand ihrer Wertevorstellungen.

Myers und Decksheimer empfehlen allen Gross-Spender-Fundraisern ähnliche Interviews mit ihren Spendern zu führen. Wichtige Grundlage für ein solches Interview ist natürlich die vom Gesprächspartner gefühlte Sicherheit und Vertraulichkeit der Informationen. Diese Sicherheit muss auf einer schon bestehenden und vertrauensvollen Beziehung basieren. Das vorgeschlagene Gesprächsmodell hat sechs thematische Stufen:
•    Ehrenamtliche Erfahrungen des Spenders.
•    Erinnerungen an Spenden, Unterstützungsleistungen oder auch Geschenke, die der Spender erhalten hat und die ihm viel bedeutet haben.
•    Der gemeinsame Nenner dieser Erfahrungen: Freude, Erfüllung, Bedeutung für den Spender, etc.
•    Das heutige Motiv des Spenders, zu spenden oder sich zu engagieren.
•    Das mögliche Motiv, der eigenen NPO zu spenden («Was könnte Sie dazu bewegen, eine Spende an unsere Organisation in Betracht zu ziehen?»)
•    Die nächsten Schritte («Wie verbleiben wir jetzt miteinander?»)

Auch Myers hält solche Interviews nicht für einfach. Trotzdem rät er Fundraisern (und ihren Geschäftsführern, Vorständen, eben allen Ansprechpersonen für Gross-Spender) unbedingt, das Risiko einzugehen, denn in der Mehrzahl aller Fälle wird das Verhalten vom Spender belohnt.


Quelle:

Tony Myers, , M.A., LL.B. CFRE
Berater des Präsidenten der Universität von Calgary
Vortrag am Deutschen Fundraising Kongress 2007


Unser Kommentar:

Der emotionale und wertebasierte Ansatz der US-amerikanischen und kanadischen Fundraiser scheint uns im deutschsprachigen Raum manchmal allzu gefühlsbetont, bzw. fast peinlich. Wir sind hier einfach – mal ganz allgemein behauptet – distanzierter und kühler im Umgang mit unseren Mitmenschen.
Trotzdem stellt sich die Frage: muss das so sein? Oder könnte es den entscheidenden Unterschied machen, wenn wir über den eigenen Schatten springen und wenigstens einmal versuchen (vielleicht mit einem ganz besonders zugänglichen Menschen), etwas von dieser emotionaleren Ansprache auszuprobieren?

Wir empfehlen grundsätzlich, Ideen aus dem Ausland weder einfach 1:1 umzusetzen, noch sie von vorne herein als inkompatibel von der Hand zu weisen. Sondern sie ganz genau auf ihre Adaptionsfähigkeit abzuklopfen. Tatsache ist, dass schon immer viele Innovationen wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Art aus dem Ausland zu uns gekommen sind und weiter kommen werden. Und so können wir von Ländern, in denen das Fundraising, aus welchen Gründen auch immer, weiter fortgeschritten ist, etwas lernen. So wie die Länder, die jetzt mit dem Fundraising beginnen, auch von uns lernen können.

08.08.07

Recherche: Die Basis für Grossspenderfundraising.

Mittwoch, 06. Juni 2007

Wie alle Spender haben auch Gross-Spender bestimmte Motive. Diese Motive gleichen denen von «normalen» Spendern, sind aber, aufgrund der gesellschaftlichen und finanziellen Bedeutung der Gross-Spender, ungleich wichtiger in ihrem Einfluss auf die Fundraising-Arbeit.

Mögliche Motive von Gross-Spendern
Einige Gross-Spender spenden aus einem Gefühl von Altruismus, von gesellschaftlicher Verantwortung heraus. Sie möchten anderen Menschen helfen, Menschen, denen es nicht so gut geht wie ihnen, Menschen, die nicht das gleiche Glück im Leben hatten. Manche möchten der Gesellschaft „etwas zurückgeben“ für ihren eigenen Erfolg. Manche fühlen sich von ihrer Religion zur Nächstenliebe verpflichtet.

Bei anderen Gross-Spendern gehört das Spenden oder Sich-Engagieren zum guten gesellschaftlichen Ton und/oder ist mit Spass verbunden (z. B. bei Events). Diese Spender wollen zu einer In-Gruppe gehören, sie wollen sich ihrem Umfeld beweisen, sich profilieren oder auch nur der Familien-Tradition folgen.

Einige Spender (und nicht die Schlechtesten) denken beim Spenden an den direkten persönlichen Nutzen, den sie davon haben. Die Spende könnte ihnen oder ihrer Familie zugute kommen, z. B. durch bevorzugte Behandlung, sollten sie die Dienste der Organisation einmal in Anspruch nehmen müssen oder wollen. Eine bedeutende Spende an eine NPO kann ihnen ein Gefühl persönlicher Macht vermitteln. Oder sie erwarten sich von einer Spende Steuervergünstigungen bzw. direkte Gegenleistungen der NPO.


Recherche, Recherche, Recherche

Es ist immer gut zu wissen, warum ein Mensch gespendet hat. Noch besser ist es zu wissen, aus welchem Grund er für einen bestimmten Zweck spenden «wollen müsste». Dazu muss so viel wie möglich über ihn in Erfahrung gebracht werden. Und dazu braucht es umfassende und gründliche Recherche und ein gutes Wissensmanagement der in Erfahrung gebrachten Daten.

Wer in grosse amerikanische NPO schaut, sieht, dass sich im Gross-Spender-Fundraisingteam sehr viele Menschen befinden, die jeden Tag nichts tun ausser recherchieren. Wonach suchen sie? Worauf achten sie, wenn sie die «Potentials» im Umkreis der NPO unter die Lupe nehmen? Einige der unten aufgeführten Aspekte scheinen uns hier im deutschsprachigen Raum bedenklich in die Privatsphäre einzudringen. Andererseits sind sie unabdingbar, um zu entscheiden, ob und wie und über wen man einen Menschen als potentiellen Spender anspricht.

Die Formel, um einen potentiellen Gross-Spender zu definieren lautet daher:
Interest + Capacity + Acess = Prospect
(Oder: Interesse + Fähigkeit + Zugang = Potentieller Spender)


Aspekte der Recherche

NPO-Umfeld
Ist der Spender mit der NPO schon bekannt oder gar involviert?

Soziodemographisches

Wie alt ist der/die Spender/in?
Ist sie verheiratet oder geschieden? Hat er Kinder (Erben)?
Wie alt sind die Familienmitglieder?
Wie ist das familiäre Netzwerk? Wie ist die Familiengeschichte?
Wie ist das soziale Netzwerk? In welchen Vereinen, Clubs oder anderen Gruppierungen ist er Mitglied? Welche privaten Interessen lassen sich daraus ableiten? Welche Hobbies hat sie?
Ist er pensioniert oder kurz davor und könnte er ehrenamtlich für die NPO interessiert werden?
Wo wohnt sie?

Beruf
Wo und was arbeitet er?
Wie viel verdient sie?
Wie sieht sein beruflicher Werdegang aus?
Über welches berufliche Netzwerk verfügt sie?

Werte

Ist der/die Spender/in religiös oder lässt sonst eine besondere Werte-Orientierung erkennen? Ist sie Mitglied einer Kirche? Eines philosophischen Clubs?
Welchen Lebensstil pflegt er?
Wie sieht ihre Spendergeschichte aus – bei anderen NPO als auch bei der eigenen?

Vermögen
Worauf beruht das Vermögen? Bezieht er ein hohes Einkommen? Besitzt sie ein Unternehmen? Immobilien? Aktien? Ist sein Vermögen diversifiziert? Hat sie reich geheiratet oder geerbt? Hat er ein Unternehmen oder einen anderen grösseren Besitz verkauft? Worin investiert sie? Was besitzt seine Familie?
Muss sie Alimente zahlen oder Familienmitglieder finanziell unterstützen? Hat er offene Hypotheken oder grössere Schulden?


Authentizität durch Ehrenamt

Beim Gross-Spenden-Fundraising ist es absolut wichtig, auch Ehrenamtliche einzusetzen. Niemand kann so authentisch für eine NPO plädieren, wie ein Mensch, der sich selbst für diese Organisation zeitlich und finanziell engagiert.
Die ehrenamtlichen Fundraiser unterliegen dabei immer der Führung durch den professionellen Fundraiser der NPO. Sie werden geschult und gecoacht und werden auch nicht alleine zu «Prospects» geschickt, sondern immer in Begleitung eiens Vorstandsmitglieds oder des Fundraisers.

Wichtig: Die im Gross-Spender-Fundraising eingesetzten Ehrenamtlichen müssen selbst auch (potentielle) Gross-Spender sein. Erstens besitzen sie damit das nötige Umfeld, um weitere Türen aufzutun. Zweitens kann nur jemand, der selbst gespendet hat (oder zumindest sehr viel sichtbares ehrenamtliches Engagement investiert hat), andere glaubhaft um eine Spende bitten.
Wenn es in der NPO noch keine derartigen Personen geben sollte, beginnt die Suche am besten in den Adressbüchlein des eigenen Vorstands und der Mitarbeiter.

In den USA werden häufig die Vorstände der NPO mit solchen Menschen bestückt. Das ist nicht überall möglich, aber eine Alternative wäre zum Beispiel, einen Beirat aus prominenten und nützlichen Menschen zu bilden, der der NPO nach aussen hin bei- und für ihre Arbeit einsteht.

Gross-Spenden-Fundraising ganz einfach:
Die richtige Person bittet
den richtigen Spender
um die richtige Spende
für das richtige Projekt
in der richtigen Höhe
zur richtigen Zeit
auf die richtige Art.

Quelle:
James M. Greenfield, Fundraising-Berater und Mitglied der Fundraising School der Indiana University; Workshop am Deutschen Fundraising Kongress 2007 in Fulda

Unser Kommentar:
Gross-Spenden-Fundraising ist eine der Königsdisziplinen und für manche NPO auch der einzig effektive und gangbare Weg, Mittel zu beschaffen. In vielen Fällen ist es kosteneffektiver als das Direktmarketing, kann aber dieses nicht immer einfach ersetzen. Ob eine NPO Direktmarketing oder Gross-Spenden-Fundraising oder Fundraising über Events – oder alles zusammen – betreiben sollte, kann erst beantwortet werden, wenn klar ist, wie die NPO überhaupt im Spendenmarkt positioniert ist.

Noch eines: Als Berater werden wir sehr oft gefragt, ob wir für NPO auch die persönliche Ansprache von potentiellen Gross-Spendern übernehmen. Das tun wir nicht. Wir arbeiten engagiert, aber bleiben dabei im Hintergrund. Denn für uns ist die Glaubhaftigkeit und Authentizität einer Organisation das tragende Element im Fundraising. Darum muss die Organisation zwingend durch ihre eigenen Mitarbeiter vertreten werden.
Was wir tun: wir konzipieren Gross-Spender-Programme, wir coachen Vertreter der NPO in der Ansprache von Gross-Spendern und wir können sie auf Wunsch auch begleiten.

06.06.07

Grossspender vs. High-Value-Donors.

Mittwoch, 09. Mai 2007

Gross-Spender versus High Value Donors.

In der englischen Fundraising-Szene sind die Tage der teuren Spenderakquise bald vorbei. Die Zukunft liegt auch hier in der Optimierung der bestehenden Spender. Ein Weg dahin sind so genannte High Value Donor (HVD)-Programme.

Definition eines HVD

Wie ein HVD definiert wird, unterscheidet sich von NPO zu NPO. Je nachdem kann der gleiche Spender ein HVD oder auch ein Gross-Spender, ein Major Donor sein. Im Allgemeinen werden in England Spender als HVD definiert, die zwischen £250 und £5’000 pro Jahr spenden.

Vorteil von HVD-Programmen
Gross-Spender-Programme sind bekanntermassen sehr zeit- und personalintensiv. Der Vorteil von HVD-Programmen liegt daher hauptsächlich darin, dass sie Fundraisern die Gelegenheit geben, für eine Anzahl an bestehenden ausgewählten Spendern ein zwar hoch personalisiertes, aber auch kosteneffektives Direktmarketing zu entwickeln.

HVD-Potentials

Die englische Werbe-Agentur Bluefrog führte 2006 100 Interviews mit Spendern der verschiedensten NPO durch. Alle Spender hatten über die vergangenen zwei Jahre zwischen £100 und 1’000 gespendet. Die Ergebnisse der Umfrage zeigten, dass es drei hauptsächliche Spender-Typen gibt:
1. Menschen mit weniger Einkommen und religiöse Menschen. Sie spenden, weil sie der Meinung sind, dass sich das so gehört und sie spenden so viel, wie sie sich eben leisten können.

2. Ältere und reichere Menschen, meist aus Familien mit «altem Geld». Sie spenden nur einen kleinen Prozentsatz ihres Vermögens oder Einkommens und könnten mehr geben.

3. Neu zu Geld gekommene Menschen der oberen Mittelklasse. Diese Gruppe wird als sehr komplex beschrieben, sie besteht aus einer Mischung von pensionierten und noch erwerbstätigen Unternehmern, IT Beratern, Anwälten, Ärzten und anderen professionellen Berufen. Auch diese Gruppe hat das Potential, mehr zu spenden.

Gruppe 1 und 2 gehören zu den HVD-Potentials: Sie spenden schon und können mehr spenden.

Entwicklung eines HVD-Programms
Die Ausgangslage für Fundraiser ist also wie folgt: Es gibt Menschen mit Geld, sie spenden auch schon meiner NPO und sie könnten mehr spenden, wenn ich sie gezielt als HVD entwickle. Aber wie finde ich sie und wie kann ich sie am besten entwickeln?
Für Tony Elisher von der englischen Berater-Agentur THINK führt einer der ersten Wege in die Datenbank. Dort sollte man nach Spendern suchen, die ihre Spenden entweder von selbst oder als Reaktion auf eine entsprechende Bitte erhöht haben. Und Spender, die schon auf dem vom Fundraiser definierten HVD-Niveau spenden.

Elisher schlägt vor, mit einer Gruppe von 100 bis 200 Spendern anzufangen. Die Grösse der Gruppe hängt auch davon ab, was den Spendern an Leistungen geboten werden soll. 90% der ausgewählten Spender sollten gute Potentiale sein, der Rest «Schläfer», d.h. Spender aus der Datenbank, bei denen noch nie ein Versuch zur Weiterentwicklung gemacht worden ist.

Erwartungen von HVD
HVD Spender sind meist Menschen, die eine engere Verbindung zu der von ihnen ausgewählten NPO suchen. Ein «greifbarer» Spendenvorschlag kann in ihrem Entscheidungsprozess eine Schlüsselrolle spielen. HVD betrachten das Spenden oft auch anders als andere Spender. Sie sind eher vom Typ «Investor». Genau wie sie jede Geldmarkt-Investition genau recherchieren und untersuchen würden, recherchieren und untersuchen sie, welche NPO sie unterstützen wollen. Daher brauchen sie detailliertere Feedback- und Bindungsmassnahmen als andere Spender.

Wie bei jeder Fundraising-Massnahmen liegt der kritische Punkt bei der Spendenbitte und in diesem Fall hängt sie davon ab, in welcher Form der Spender schon gespendet hat. Ein Spender, der seine Jahresspende gern auf einmal leistet, könnte zum Beispiel um die Wiederholung einer solchen grösseren Spende gebeten werden. Spender, die gern regelmässig kleinere Spenden geben, sollten dagegen eher gebeten werden, diese Summen über einen bestimmten Zeitraum zu erhöhen.

Ganz generell zeigten die Interviews mit den Spendern, dass sie alle es mögen, sich geschätzt und besonders behandelt zu fühlen – auch wenn sie sich dessen oft gar nicht bewusst sind. Die befragten Spender fühlen sich motivierter, wenn sie das Gefühl haben, dass man sie eingeladen hat, sich mit dem zu beschäftigen, bzw. ein Teil von dem zu sein, was die NPO tut.

Methoden zur Involvierung von HVD

Für die Spender-Involvierung gibt es viele Methoden. Zum Beispiel einen Spender-«Club», wie das WWF Guardians Programm. Mit einer Spende von £1’000 wird man Guardian für ein Jahr und der WWF hat 250 solche Spender in diesem Club: das sind pro Jahr £250’000. Ein anderes Beispiel ist der Frontliners Club, den Greenpeace in den Neunzigern gestartet hat. Dort wurden die Spender um £20 pro Monat gebeten, um Teil einer sehr exklusiven Gruppe von Unterstützern zu werden. Die Frontliners-Spender bekamen dafür viele Benefits wie Videos oder auch Einladungen zu Events. Am Beliebtesten davon war die Möglichkeit, eines der Schlauchboote der Anti-Walfang-Gruppe zu berühren. Ein Benefit, der den Spendern viel wert war, die NPO aber fast nichts kostete.

Aber Clubs eignen sich nicht für jede NPO. Es gibt auch andere Möglichkeiten, wie NPO dafür sorgen können, dass ihre HVD sich besonders behandelt fühlen, von kurzen handgeschriebenen Briefen, die dem Jahresbericht beigelegt werden, bis zum Einsatz einer A-Post-Briefmarke auf dem Kuvert. Es könnte auch etwas so «Banales» sein, wie jeden Spender über einem bestimmten Spenderbetrag anzurufen und sich persönlich zu bedanken. Das freut nicht nur den Spender. Es gibt zusätzlich dem Fundraiser die Möglichkeit, ein Gespräch mit dem Spender zu führen und mehr über ihn herauszufinden.

Für welche NPO eignet sich ein HVD-Programm? Bei vielen NPO existiert ein weiter Graben zwischen den Spendern kleiner Beträge und den Gross-Spendern. Da ein HVD-Programm strategisch genau in diesen Graben passt, könnten eigentlich auch alle NPO von der Entwicklung eines solchen Programms profitieren. Um es zu entwickeln, gilt es, eine UGP zu entwickeln, eine Unique Giving Proposition (Das Fundraising-Äquivalent einer USP). Es geht darum, herauszufinden, was bei den eigenen Spendern passiert und es für die Bedürfnisse der NPO zu nutzen.

Noch ein Praxis-Beispiel

Die NSPCC (National Society for the Prevention of Cruelty to Children) startete 2002 ihr New Deal Programm, nach gründlicher Untersuchung ihrer «Mittel»-Spender (£500-5000) und deren Spenden-Motive. Dabei stellte sich heraus, dass diese, der NSPCC treu verbundenen, Spender, es nicht leiden konnten, wenn sie regelmässig um eine Spende gebeten wurden. Die NSPCC nahm sich das zu Herzen und entwickelte zusammen mit einer Direktmarketing-Agentur einen Spendenvorschlag, der ungefähr so lautete: «Wenn Sie versprechen, für ein weiteres Jahr auf diesem Niveau zu spenden, dann werden wir aufhören, Sie um Spenden zu bitten. Wir werden Sie erst nach Ablauf des Jahres wieder kontaktieren, um zu sehen, ob Sie Ihre Unterstützung fortsetzen möchten.»
Mehr als die Hälfte der Spender nahm das Angebot an und die NSPCC hat heute ca. 3’500 Spender in dieser Gruppe. Zudem fiel die Abwanderungsrate um 37% im ersten Jahr und ist nicht wieder gestiegen. Bei den Spendern, die den Vorschlag ablehnten, blieb die Abwanderungsrate dagegen auf dem „normalen“ Niveau.

Quelle:
Professional Fundraising Newsletter, April 2007

Unser Kommentar:
Auch im deutschsprachigen Raum fällt der ROI der Fremdadressen-Akquise zusehends und die Optimierung der bestehenden Spender wird, damit verglichen, immer kosteneffektiver. Ob man für diese Optimierung gleich bei einem bestimmten Spendenwert ansetzt oder einfach sehen möchte, was sich überhaupt bei den eigenen Spendern mit einem Entwicklungs-Programm erreichen lässt, ist nebensächlich. Hauptsache ist das Commitment, die eigenen Spender besser kennen zu lernen und so eine Anzahl an massgeschneiderten Massnahmen entwickeln zu können, die die Spender auf ihr bestmögliches Spendenpotential bringen.

09.05.07