Lewis Cullman, amerikanischer Philanthrop.
Der Philanthrop Lewis Cullman schrieb 2004 das Buch „Can’t Take it With You: The Art of Making and Giving Money». Zu dieser Zeit hatten er und seine Frau schon 100 Millionen Dollar gespendet und wollten weitere 100 Millionen spenden. Ende 2005 entdeckten sie dann, dass sie mit 225 Millionen Dollar schon über ihrem Ziel lagen- was sie aber gar nicht störte. Cullman machte sein Vermögen ab 1964 mit fremdfinanzierten Firmenübernahmen. 1999 zog er sich aus dem aktiven Geschäftsleben zurück und begann, sich philanthropisch zu engagieren. Er unterstützt die öffentliche Bücherei der Stadt New York, das American Museum of Natural History, das Museum of Modern Art und viele anderen Organisationen. Bis zu seinem Tod will der ehemalige, heute 86-jährige, Financier sein restliches Vermögen an gute Zwecke verteilen, anstatt es einer immerwährenden Stiftung zu überschreiben. Und er bekniet seine reichen Freunde, es genau so zu machen. Nach seinem Ableben und dem seiner Frau, sollen alle verbleibenden Gelder innerhalb eines Jahres verteilt werden.
Überblick über Spender und Stiftungen in den USA
In den USA wurden 2006 rund 260 Milliarden Dollar an Spenden eingenommen. Dreiviertel davon stammten von Privatleuten, 7% waren Vermächtnisse und 18% entfielen auf Stiftungen und Unternehmen. Dazu kommen ehrenamtliche Leistungen: 2005 waren es 8.2 Milliarden Stunden freiwilliger Hilfsdienste, die insgesamt 150 Milliarden Dollar wert waren. Die Zahl der amerikanischen privaten Stiftungen hat sich seit 1980 mehr als verdreifacht und 2006 überschritten ihre kombinierten Vermögenswerte die 500 Milliarden Dollar-Grenze. Viele Stiftungen sind dabei zu Selbstläufern geworden, die nur sehr wenig ihres ständig wachsenden Vermögens auch einsetzen. Laut amerikanischem Recht müssen sie jährlich mindestens 5% ihres Vermögens and Fördermitteln vergeben. Allerdings beinhalten diese 5% auch den Verwaltungsaufwand.
«Chess for Schools»
Cullmans liebstes Projekt ist «Chess for Schools» in New York. Das massgeblich von ihm finanzierte Programm versucht, mit minimalem Aufwand die schlimmsten Versäumnisse an benachteiligten öffentlichen Schulen auszubügeln. Mehr als 30’000 Schüler an 120 Schulen in New York spielen einmal pro Woche, mindestens ein halbes Schuljahr lang, Schach im Unterricht. Sie bekommen einen Schachlehrer und ein eigenes Brett mit Figuren, die die Stiftung in China für weniger als 2 Dollar das Set einkauft. Der Effekt ist enorm. Cullmann: «Kinder die Schach spielen, lernen, wie man denkt, Situationen analysiert und plant. Das führt zu besserem Konzentrationsvermögen und Selbstbeherrschung.» Die einzige Teilnahmebedingung für Schulen ist, dass ihre Schüler mit öffentlichen Mitteln verköstigt werden, weil ihre Familien knapp an der Armutsschwelle leben. In New York betrifft das Dreiviertel der Schulen.
Die Quote aller Kinder in New York, die den High School Abschluss machen, liegt bei 54%. Kinder, die nach der dritten Klasse beim Schach dabei bleiben, schaffen zu 100 % den High School Abschluss und 98% gehen im Anschluss aufs College. An solchen Werten misst Cullman den Ertrag seiner Investitionen.
Zitate eines Gross-Spenders
Als bekannter Philanthrop und Autor gibt Lewis Cullman viele Interviews und schreibt auch auf seiner Website, was für ihn beim Spenden wichtig ist. Hier einige Zitate aus verschiedenen Quellen:
Auszüge aus einem Newsweek Interview, Januar 2005:
Warum spenden nicht mehr Menschen aus ihrem Vermögen?
Die altmodische Idee dahinter ist, dass man niemals seine Kapitalbasis antastet, sondern nur das Einkommen daraus. Die alte Regel lautet ja, dass man immer 10% seines Einkommens spenden sollte. Sogar Leute mit bescheidenen Mitteln machen das so. Aber richtig reiche Leute sollten auch etwas von ihrem Vermögen abgeben.
Wie entscheidet man, wie viel man für Kinder und Enkelkinder hinterlassen sollte und wie viel für die Gesellschaft allgemein?
Ich sage immer, man sollte für eine angemessene Ausbildung seiner Kinder sorgen und ihnen ein bescheidenes Nestei hinterlassen. Zu jungen Leuten sage ich immer: «Der Dollar, den du verdienst, ist ganz anders, als der, den du erbst.» Der ererbte Dollar geht einher mit allen möglichen psychologischen Problemen, Schuldgefühlen und Gott weiss was allem. Ererbter Wohlstand in grosser Grösse nimmt einem die Motivation.
Was war Ihre liebste Spende?
Ich bekomme wahrscheinlich mehr Befriedigung aus dem Programm «Chess for Schools», das wir für benachteiligte Kinder in New York aufgebaut haben – obwohl das eine viel kleinere Organisation ist als die Bücherei oder das MoMA oder irgendeine andere der grossen NPO, die ich unterstütze. Ich habe auch viel Spass dabei, meinen Findigkeit zu gebrauchen, um mein Geld mit Hebelwirkung wirksam einzusetzen, durch Challenge Gifts und Ähnliches. Das ist auch ein Weg, um die Leute zu motivieren, ihre Kräfte zusammenzubringen.
Werden Sie es jemals müde, um Spenden gebeten zu werden?
Ja, das alte Sprichwort «Keine gute Tat bleibt unbestraft» ist hier wirklich anwendbar (lacht). Wenn Du viel Geld spendest, dann können sie Dich um mehr bitten, jedes Mal. Aber ich tue es ja auch selbst und bitte andere um Spenden. Ich trage zwei Hüte.
Ich denke, Pensionierung ist ein Witz. Ich denke das wichtigste für einen Menschen ist einen Grund zu haben, morgens aufzustehen. Egal was für ein Grund. Als ich mein Geschäft verkaufte, steckte ich all meine Energie in die Nonprofit-Welt, also arbeite ich heute soviel wie früher, vielleicht sogar mehr.
Aus der Website:
«Ich verstehe die Superreichen nicht, Leute, die mehrere Billionen Dollar wert sind und unbedingt alles davon behalten wollen. Was kann man mit 15 Billionen tun, das man mit einer nicht kann?»
«Ich verstehe auch das Steuerrecht nicht, das es den Wohlhabenden erlaubt, von ihren Steuern Geld abzuziehen, das sie privaten Stiftungen spenden – aber nie verlangt, dass diese Stiftungen dieses Geld auch ausgeben…. Für ist das verrückt: schlechte Steuerpolitik, schlechte Gesellschaftspolitik und moralisch unhaltbar obendrein…Viele Stiftungen sitzen auf viel zu viel sterilem Geld und der Berg wird in den kommenden Jahren weiter wachsen. Stiftungen sollten gezwungen werden, ihr ganzes Vermögen, innerhalb von Jahren nach der Gründung auszugeben.»
«Ich denke, Menschen, die die Möglichkeit bekommen haben, viel Geld zu verdienen, haben eine eiserne Verpflichtung, im gleichen Mass zurückzugeben.»
«Unser Spenden ist keine Übung in Selbstkasteiung oder Entbehrung gewesen. Wir haben alles, was wir wollen könnten. Für uns war es immer ein Vergnügen, eine Möglichkeit, etwas Gutes zu tun mit dem Erfolg meiner Geschäftskarriere. Für die Gelegenheiten, die all das möglich machten, die Leute, die mir entlang des Wegs geholfen haben, die Zeiten, die ich durchlebt habe, bin ich sehr dankbar, aber ich bin auch leidenschaftlich neugierig auf die Zukunft.»
Aus einem NZZ Folio Artikel:
«Meine Mutter hat mich gelehrt, dass einer der grössten Vorteile, erfolgreich zu sein und Geld zu verdienen, darin besteht, es freudig mit beiden Händen wieder auszugeben.»
«Die meisten Industriekapitäne dachten nicht an Philanthropie, bevor sie die Sechzig überschritten hatten. Das hat sicher etwas mit dem Nachsinnen über die eigene Sterblichkeit zu tun. Wer hat schon als junger Mensch den Tod vor Augen? Und die Frage was von einem Leben übrig bleibt? Mir ging es nicht anders, ich habe mich erst 1999 aus dem Geschäftsleben zurückgezogen und meine Energien in die Philanthropie gesteckt.»
«Früher hielt ich Ausschau, nach Aktien von Firmen, deren Wert noch niemand erkannt hatte. Und auch heute suche ich nach unentdeckten Juwelen. Ich will das Gefühl haben, dass ich etwas bewirken und bei der Umsetzung mitmachen kann, statt nur einen Scheck auszustellen.»
«Grosse Stiftungen spenden jährlich drei Prozent für gute Zwecke. Ein schmutziger Trick, den wenige kennen. Das Kapital, das ein Mäzen eingezahlt hat und das er sofort steuerlich geltend machen kann, wird gar nie angetastet.»
06.11.07

