94 deutsche Universitäten und Fachhochschulen nahmen im Frühjahr 2007 an einer Befragung des Centrums für Hochschulentwicklung teil: 36 staatliche und 5 private Universitäten sowie 50 staatliche und 3 private Fachhochschulen. Die Angaben von insgesamt 78 Fundraising-betreibenden Hochschulen konnten ausgewertet werden. 16 Hochschulen konnten oder wollten keine Angaben zum Fundraising machen.
Der Begriff Fundraising im Sinne der Analyse war definiert als «Beschaffung von Finanz- und Sachmitteln, die nicht nach klaren Förderkriterien vergeben werden und nicht regelmässig fliessen» und wurde unterteilt in die Einnahmearten «Spenden» (= freiwillige Zuwendungen ohne Gegenleistung) und «Sponsoring».
Organisation
Bei den staatlichen Universitäten ist das Fundraising teils zentral, teils dezentral oder auch gleichermassen zentral und dezentral organisiert. Alle privaten Hochschulen betreiben zentralisiertes Fundraising.
Bei den allermeisten Hochschulen ist das Fundraising entweder als Stabstelle im Rektorats-/Präsidialamt (45%) oder als Stabstelle beim Kanzler bzw. in der Verwaltung (21%) angesiedelt. 10% der Hochschulen betreiben Fundraising innerhalb des zentralen Hochschulmarketings oder angegliedert an die zentrale Pressestelle/Öffentlichkeitsarbeit. Nur 2 von 78 Hochschulen betreiben Fundraising über eine zentrale Alumni-Vereinigung, 3 haben ihr Fundraising an ein externes kommerzielles Unternehmen ausgelagert und 6 in einen externen Förderverein.
Ein Drittel der Hochschulen wollen ihr Fundraising in absehbarer Zeit ändern, meist, um es stärker zentral zu koordinieren. Weitere Veränderungen betreffen den Personalausbau, Kooperationen mit Fachbereichen und Alumni-Organisationen sowie die Ansiedlung des Fundraising in eigenständigen Organisationseinheiten, Transfer-Agenturen oder ausgegründeten Tochtergesellschaften.
Personal
Obwohl 78 Hochschulen nach eigenen Angaben Fundraising betreiben, beschäftigen nur 42 von ihnen Mitarbeiter, meist Universitäten. Die meisten der Universitäten mit Fundraising-Mitarbeitern haben Vollzeitstellen (1 bis <2 Stellen) geschaffen, die meisten Fachhochschulen beschäftigen Teilzeitmitarbeiter (0 < -1 Stelle) im Fundraising.
Budget
Nur in 20 Universitäten und 7 Fachhochschulen steht auch ein Fundraising-Budget zur Verfügung. Das Budget der Universitäten beträgt dabei durchschnittlich € 60’500, das der Fachhochschulen liegt unter € 50’000.
17 Hochschulen gaben an, seit der letzten Befragung 2003 mit externen Beratern zusammengearbeitet zu haben, meist zur konzeptionellen Entwicklung des Fundraisings oder zum direkten Einwerben von Geldern aus Spenden und Sponsoring.
Einnahmen
In die Analyse wurden nur Einnahmen aus Spenden und Sponsoring einbezogen, sowohl intern als auch extern. Nicht einbezogen sind Stiftungsprofessuren, Mittel für medizinische Fakultäten oder zweckgebundene Forschungsmittel.
2006 konnten 67 der 78 Hochschulen Fundraising-Einnahmen vorweisen.
Dabei sind mit jeweils mehr als 5 Millionen die staatlichen Universitäten Erlangen-Nürnberg, Heidelberg und Mannheim, die TU München und die privaten Universitäten EBS Oestrich-Winkel, Jacobs University Bremen* und die Universität Witten-Herdecke.
*(Die aussergewöhnlich hohe Grossspende der vormaligen International University Bremen ist nicht mit einbezogen. Sie erhielt 2006 200 Millionen Euro und heisst seither Jacobs University Bremen.)
17 Universitäten warben 2006 mehr als 1 Million Euro ein. Bei den Fachhochschulen geben Zweidrittel Einnahmen von weniger als € 100’000 an. Fünf Fachhochschulen dagegen warben mehr als € 700’00 ein: Private Hochschule Nordakademie Elmshorn, Hochschule Bremen sowie die Fachhochschulen Esslingen, München und Stuttgart.
Obwohl die Einnahmen steigen, stellen sie für die Hochschulen noch keinen verlässlichen Einkommensfaktor dar, da sie von Jahr zu Jahr stark schwanken können.
Die Einnahmen aus Fundraising betragen bei der Hälfte der Universitäten und Zweidrittel der Fachhochschulen weniger als 1% der gesamten Haushaltsmittel. Nur bei fünf Universitäten und drei Fachhochschulen machen die Fundraising-Einnahmen mehr als 5% der Haushaltsmittel aus.
Gut die Hälfte der Hochschulen erhalten neben Geldmitteln auch Sachmittel, ihr Anteil an den Fundraising-Einnahmen liegt bei Universitäten um 12%, bei Fachhochschulen um 37%.
Unternehmen sind für Universitäten die wichtigsten Geldgeber, gefolgt von privaten Spendern, Stiftungen und Vereinen. Auch bei den Fachhochschulen kommen die meisten Mittel von Unternehmen, gefolgt von Vereinen, privaten Geldgebern und Stiftungen. Die Anteile von Alumni-Organisationen sind noch relativ unbedeutend, sie liegen bei den wenigen Hochschulen, die über Alumni-Organisationen Mittel erhalten, durchgehend unter 10%,
Ansichten und Aussichten
In der Betrachtung des Fundraising seit 2003 sind die Hochschulen gespalten. Teils wird ein grosser Nachholbedarf gesehen, teils haben einige Hochschulen ihr Fundraising seitdem konzeptionell und professionell strukturiert und aufgebaut und stehen jetzt vor der Umsetzung konkreter Massnahmen. Die weitere Entwicklung des Fundraising, besonders im Hinblick auf Professionalisierung, Ausbau, Verstetigung und Integration von Massnahmen hat einen hohen Stellenwert bei den befragten Hochschulen.
Allgemeines
Hochschul-Fundraising in Deutschland entwickelt sich langsamer als zum Beispiel in englischsprachigen Ländern. Teils liegt dies in der öffentlichen Einschätzung von Wissenschaft, Forschung und Lehre, Bildung und Ausbildung als Staatsaufgaben und in der gesellschaftlichen Einschätzung von Bildung als selbstverständlichem Gut neben vielen anderen. Teils auch in steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen, die zum Beispiel viele Planned-Giving-Massnahmen, die in Ländern wie den USA üblich sind, verunmöglichen.
Im privaten Spendenmarkt liegt das Thema Bildung dementsprechend unter den letzten drei Plätzen der elf wichtigsten Spendenthemen. Dabei interessieren sich viele Hochschulen für den privaten Spendenmarkt, weil Spenden meist frei verwendet werden können. Auch Sponsoring ist interessant für Hochschulen, allerdings wurden 2006 nur 5% aller Sponsoring-Gelder in Wissenschaft und Bildung investiert. Private-Public-Partnership-Projekte (PPP) sind ein weiterer, allerdings auch recht komplexer Bereich, der für Hochschulen immer wichtiger wird.
Quellen:
Studie «Hochschulfundraising in Deutschland 2004-2006», Petra Giebisch, Centrum für Hochschulentwicklung, August 2007
«Fundraising von und für Hochschulen: Stand, Herausforderungen, Lösungsansätze», Bernt Armbruster, Lars Hüning, Markus Langer, Centrum für Hochschulentwicklung, August 2007
www.che.de
Unser Kommentar
In diesen Studien finden wir bestätigt, was auch wir Hochschulen und anderen Institutionen, die in den Fundraising-Markt eintreten wollen, empfehlen:
• Fundraising muss als eigenständige Funktion zentral in der Institution verankert sein.
• Fundraising muss konzeptionell und strukturiert aufgebaut werden, um langfristig ein verlässlicher Einnahmenfaktor zu werden. Es darf nicht von Glückstreffern oder persönlichen «Beziehungskisten» abhängen.
• Fundraising braucht verantwortliches Personal und die aktive Mitträgerschaft der Institution. Man kann Fundraising nicht einfach von jemandem «machen lassen», man muss es auch als Institution verkörpern.
• Fundraising braucht, um nachhaltig erfolgreich zu sein, Investitionsbereitschaft und -kapazität an Zeit, Geld – und Geduld.
03.10.07