An der Universität von Toronto wurden unlängst psychologische Experimente durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen unter Umständen, warum es so schwer ist, Menschen wirklich aufzurütteln. Besonders, wenn es um Themen oder Probleme geht, die ihnen zu abstrakt oder zu überwältigend scheinen.
Gruppen von Testpersonen sollten verschiedene «grüne» und «nicht-grüne» Online-Shops bewerten, andere Gruppen sollte in diesen Shops etwas einkaufen. Danach wurde ein Experiment durchgeführt, in dem die Testpersonen Geld mit anderen teilen sollten. Die Teilnehmer, die sich die grünen Shops nur angesehen hatten, teilten am meisten von ihrem Geld mit anderen. Die Teilnehmer hingegen, die dort eingekauft hatten, waren überraschenderweise am geizigsten und reagierten auch in weiteren Experimenten zum Thema Geld relativ unethisch, verglichen mit den anderen Testgruppen.
Der Effekt beruht laut Experten auf dem so genannten psychologischen «Single Action Bias». Dieser bewirkt, dass Menschen ihre Entscheidungsfindung tendenziell so einfach wie möglich gestalten wollen. Und so auf eine Bedrohung oft nur mit einer einzigen Handlung reagieren, auch wenn diese Handlung an sich nicht wirklich etwas bewirkt oder die Bedrohung effektiv verringert. Danach unternehmen sie nichts mehr, solange das subjektive Angstgefühl damit besänftigt werden konnte.
So reagieren laut dem Center for Research on Environmental Decisions viele Menschen auf den Klimawandel, indem sie nur an Recycling-Programmen teilnehmen, ihr Verhalten aber sonst nicht weiter ändern. Aktuelle Befragungen in den USA zeigen auch, dass nach der Wahl von Barack Obama viele demokratisch wählende Amerikaner ihre Einschätzung der Umweltsituation positiv veränderten – auch wenn objektiv gar nichts passiert ist.
Quellen:
Center for Research on Environmental Decisions
New York Times

