PR-Berater Tapio Liller schreibt in seinem «Open PR»-Blog über die ganzen «Ja, aber..»-Argumente, die kommerzielle Unternehmen ins Feld führen, wenn es darum geht, Social Media nicht einzusetzen. Wir denken, manche dieser Argumente könnten auch von NPO kommen, weshalb wir sie hier – mitsamt Lillers Gegenargumenten – zitieren (*…* = Originalzitat für NPO angepasst):
1. «…wer nutzt denn dieses neumodische Zeug überhaupt?»
Knapp 67 Prozent aller Deutschen ab 14 Jahre nutzen das Internet. 40 Prozent der deutschen Internetnutzer haben schon einmal Online-Communities genutzt, 27 Prozent tun es regelmäßig (das sind 11,61 Millionen Menschen!). Bei den 14-19jährigen sind 79 Prozent in Onlinecommunities unterwegs.
2. «…woher sollen wir denn die Zeit dafür nehmen?»
Fragen Sie lieber, auf welche Medien die Menschen, die Sie erreichen möchten, jetzt mehr Zeit verwenden als früher und überprüfen Sie ihre Prioritäten. Wenn sich ihre Zielgruppe bevorzugt im Internet und dort in Social Media informiert und unterhält, geben Sie diesem Medium grundsätzlich mehr Gewicht in ihrer Kommunikationsstrategie. Dann haben Sie auch Zeit dafür.
3. «…ich bekomme dafür keinen Cent extra Budget!»
Wenn Sie ihre Kommunikation wirklich neu gewichten wollen, brauchen Sie wahrscheinlich kein extra Budget. Sie müssen zunächst nur auf Aktivitäten verzichten, die nicht mehr zu den Kommunikations- und Informationspräferenzen Ihrer Zielgruppe passen. Fangen Sie bei Werbeanzeigen und Mailingaktionen an.Für Werbebudgets sind Sie nicht zuständig? Dann holen Sie den verantwortlichen Kollegen an den Tisch und entwerfen Sie gemeinsam eine neue Strategie!
4. «*…damit kriegen wir doch keine Spenden!*»
Gegenfrage: Konnten Sie bei Ihren bisherigen *Fundraisingmassnahmen zweifelsfrei belegen, dass sie Ihnen in jedem Fall Spenden bringen?*
Was ist Ihnen mehr wert, ein *Spender, der Ihre Organisation* weiterempfiehlt und 20 seiner Freunde und Kollegen plus Hunderte “Mitleser” bekommen es mit? Oder ein Direktmailing, von dem im besten Fall 97 Prozent für den Papierkorb bedrucktes Papier sind?
5. «…für Kommunikation ist doch unsere *Kommunikationsabteilung* zuständig!»
Kann die *Kommunikationsabteilung auf alle Fragen, Anregungen, Beschwerden und das Lob ihrer Spender* bestmöglich eingehen? Wenn ja, sind sie die richtigen Leute für den Dialog im Social Web.
In der Regel wird es aber in *Ihrer Organisation* viele verschiedene Personen geben, die abhängig von Situation und Thema die besseren Ansprechpartner sind. Wenn diese Personen Spaß daran haben, ihr Know-how zu teilen, sollten Sie sie mit an Bord holen.
6. «…wo kommen wir hin, wenn plötzlich jeder *Organisationssprecher* sein will?»
Wer sagt denn, dass das plötzlich jeder will? Das Gespräch mit der Öffentlichkeit, ob persönlich oder im Social Web, ist nicht jedermanns Sache. Schließlich will man sich nicht blamieren.
Sie sollten aber jedem Mitarbeiter, der gern mit anderen spricht und dabei seine Fachkompetenz beweist, anbieten, Teil des Teams für Online-Kommunikation zu werden. Wenn er Feuer fängt, haben sie auch unter den Kollegen einen Botschafter mehr.
7. «…wer soll denn die Tweets und Blogkommentare freigeben?»
Vergessen Sie Freigaben. Schärfen Sie das Gespür ihrer Mitarbeiter für offenen, ehrlichen und respektvollen Ton im Netz (und offline). Seien Sie ansprechbar für Rückfragen und helfen Sie bei heiklen Angelegenheiten. Sprechen Sie selbst, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Vergessen Sie Freigaben.
8. «…was sollen wir denn da (= Twitter, Blog, Facebook, etc.) alles reinschreiben?»
Fragen Sie Kollegen, welche Fragen die *Spender* ihnen stellen. Jede Frage birgt ein potenzielles Thema mit Mehrwert z.B. für ein *Organisationblog*. Sprechen Sie darüber, woran *Ihre Organisation arbeitet und wie Ihre Projekte und Dienstleistungen* entstehen. Es gibt immer mehr zu erzählen, als man mit Pressemitteilungen verkünden kann! Fotografieren und filmen Sie was in *der Organisation* passiert. Interviewen Sie die eigenen Experten. Nehmen Sie Kommentare und Kritik als Anregung für Neues.
9. «…was wenn wir in Kommentaren kritisiert oder beleidigt werden?»
Nehmen Sie sachliche Kritik als Geschenk und als Chance etwas besser zu machen. Wer weiß, vielleicht stimmt etwas nicht mit ihrem Produkt?! Geben Sie Kritik an die relevanten Kollegen weiter und erfragen Sie, was damit passieren wird. Wenn daraus eine schnelle Verbesserung entstehen kann, sprechen Sie mit dem Kritiker darüber. Wenn es länger dauert, signalisieren Sie zumindest, dass der Kritiker gehört wurde, denn Schweigen kann auch sprechen. Machen Sie von ihrem Hausrecht im Blog gebrauch und definieren Sie, was für Sie den “guten Ton” ausmacht. Wer sich nicht daran hält, darf sich nicht über gekürzte oder gesperrte Kommentare wundern.
Bevor sie auf beleidigende Äußerungen reagieren, atmen Sie tief durch und überlegen, ob es die Aufregung wirklich wert ist. Bleiben Sie sachlich. Mancher Ärger hat seine Ursache in einem Missverständnis. Greifen Sie zum Telefon und klären Sie die Sache persönlich. Bevor Sie im äußersten Fall ihren Anwalt bemühen, sollten Sie wissen, was der “Streisand-Effekt” ist und diesen anschaulichen Blogpost lesen. Dann greifen Sie zum Telefon und klären die Sache persönlich.
10. «…bei uns sind Facebook, Twitter und Co. von der IT-Abteilung gesperrt.»
Trauen Sie Ihren Mitarbeitern zu, dass sie verantwortungsvoll mit ihrer Arbeitszeit umgehen und erwirken Sie eine Aufhebung dieser Regel. Helfen Sie ihren Mitarbeitern dabei Social Media für ihre Arbeit gezielt und effektiv einzusetzen. Sensibilisieren Sie ihre Mitarbeiter für die möglichen Fallstricke sorglosen Umgangs mit vertraulichen und geschäftsrelevanten Informationen. Das gilt übrigens auch für die Offline-Welt. Wenn das alles nicht möglich ist, weil ein Oberboss sich partout querlegt, machen Sie sich auf die Suche nach einem Job in *einer Organisation*, dem die Zukunft der Kommunikation wichtig ist.