Mit ‘Werbung’ getaggte Artikel

Werbung in Social Networks.

Dienstag, 17. November 2009

Während einige Marketer bisher davon ausgingen, dass Werbung auf Social Media eher dem Gedanken der reinen Mensch-zu-Mensch-Verbindung widerspräche und Konsumenten eher abstosse als anziehe, zeigt eine neue Studie, dass dem – zumindest in den USA – nicht unbedingt so ist. Konsumenten nutzen Social Media zunehmend auch, um sich über Produkte oder Marken zu informieren. Nicht nur im Austausch mit anderen Nutzern, sondern auch direkt via Anzeigen oder Profilen von Marken.

Die Studie von Performics untersuchte das Nutzungsverhalten von mehr als 3’000 US Konsumenten, auch in Bezug darauf, wie sie Informationen über Produkte finden und wie sie andere Medien nutzen. Die Studie zeigt, dass Konsumenten durchaus willens sind, auf Social Network-Seiten Informationen über Markenprodukte zu lesen und Produkte zu kaufen:

  • 34% der Befragten haben schon eine Suchmaschine benutzt, um Informationen über Produkte, Dienstleistungen oder Marken zu finden, nachdem sie auf einer Social Network-Seite ein Werbeinserat gesehen hatten.
  • 30% der Befragten haben sich auf einer Social Network-Seite über ein neues Produkt, eine neue Dienstleistung oder Marke informiert.
  • 32% der Befragten gaben an, auf ausdruckbare Coupons auf Social Network-Seiten zu reagieren.
  • 28% der Befragten gaben an, auf Botschaften über Sonderverkäufe oder Aktionen zu reagieren.
  • 46% der Befragten sagten, sie würden über ein Produkte auf Facebook sprechen oder es empfehlen.
  • 44% Twitter-Nutzer haben schon ein Produkt empfohlen.
  • 36% YouTube-Nutzer sagen, dass sie einen Online-Shop aufgesucht haben, nachdem sie auf einer Social Network Seite über eine Marke erfahren hatten.

«Die Zahlen sind überwältigend. Einer aus vier Befragten ist in vier oder mehr Social Networks aktiv und mehr als ein Viertel nutzen ihr Facebook- oder Twitter-Konto mindestens einmal täglich via Mobiltelefon. Wir wussten, dass diese Seiten sehr populär sind, wenn es darum geht, andere Leute zu treffen und sich auszutauschen, aber das Interesse an Marken und Marketinginhalt ist wirklich überraschend gross.» sagt Scott Haiges, Präsident von ROI Research.

30%(ca. 1’000) der Teilnehmer an der Studie, gaben an, keine Social Networks zu nutzen. Zu den Gründen befragt, gaben 77% von ihnen mangelndes Interesse an. 28% hatten Bedenken in Bezug auf den Schutz ihrer Privatsphäre und 27% sagten, sie hätten einfach keine Zeit dafür. Nur 13% gaben ausdrücklich an, diese Art von Verbindung zu anderen Menschen nicht zu wollen.

Diese Ergebnisse sind für NPO insofern von Belang, als sie zeigen, dass auch Organisationen in Social Media nicht verschämt auftreten müssen, sondern ihre Botschaft klar und deutlich aussprechen können. Allerdings immer mediengerecht: Social Media sind keine Sendemasten, sondern Gemeinschafts-Aggregatoren: Hier muss aktiv und kontinuierlich miteinander kommuniziert werden. Beth Kanter hat das gut ausgedrückt und der Kulturmanagement-Blog von Christian Henner-Fehr hat mir ihren Satz heute morgen wieder in Erinnerung gerufen: Build your network before you need it!

Aufmerksamkeit im Wandel der Zeit.

Dienstag, 25. August 2009

Marketing-Spezialist Seth Godin schrieb heute in seinem Blog einen interessanten Artikel über das Thema Aufmerksamkeit im Marketing und wie sich diese im Lauf der Zeit gewandelt hat.

Flächendeckende Aufmerksamkeit.
Was Godin als Zeit des «Aufmerksamkeitsmangels» bezeichnet, ist für uns jedoch eher zu verstehen als die Zeit, in der die Aufmerksamkeit flächendeckend und en masse zu haben war. Man konnte sich darauf verlassen, dass Millionen Fernsehzuschauer eine Sendung anschauen, einen Werbespot sehen und sich evtl. im Laden an die Marke erinnern würden.

Man konnte sich mehr oder weniger darauf verlassen, dass Hunderttausende Leser eine Zeitung oder Zeitschrift lesen, sich dabei auch mit einer mehr oder weniger hintersinnigen Werbeanzeige beschäftigen und sich bei der Kaufentscheidung evtl. daran erinnern würden.

Und man konnte sich darauf verlassen, dass ein hoher Prozentsatz der Empfänger einen Spendenbrief aus dem Briefkasten holen (vielleicht lag er ja sogar noch ganz alleine drin!) und zumindest mal aufmachen und überfliegen würden, bevor sie ihn wegwarfen. Oder spendeten.

Fraktale Aufmerksamkeit.
Unsere heutige Medien-Umgebung hat das verändert. Godin bezeichnet die aktuelle Situation mit «Aufmerksamkeitsüberschuss», aber das stimmt nicht. Die Menschen haben heute genausoviel Aufmerksamkeit wie früher, aber sie müssen sie auf mehr Lebensbereiche und auf viel mehr Medien verteilen – und sie haben dazu weniger Zeit.

Menschen können heute nicht mehr flächendeckend angesprochen werden, weil sie sich nicht mehr so leicht in Massenbewegungen einteilen lassen. Und sich davon abgesehen auch gar nicht als Teil einer Masse verstehen, sondern als Individuen mit speziellen Interessen und Bedürfnissen.

Menschen sitzen heute nicht mehr zu Millionen vor der gleichen Fernsehsendung. Wenn sie überhaupt alle gleichzeitig sitzen, dann vor Fernsehern, vor DVD-Playern, vor digitalem Fernsehen ohne Werbung, vor dem Computer, vor YouTube, vor Twitter, vor Facebook, vor dem iPhone…

Menschen, die heute noch Zeitungen ausgedruckt lesen, haben keine Zeit und keine Lust mehr, sich mit ausgeklügelt witziger Werbung zu beschäftigen, die ihnen nicht sofort einleuchtet oder für ihr Leben relevant ist.

Und im Briefkasten unserer Spendenbriefempfänger sind sowieso schon viel zu viele Briefe, die sie eigentlich gar nicht haben wollen: Rechnungen, Amtliches, andere Spendenbriefe… Wer keine Lust mehr auf Post hat, geht online. Und spendet auch online, vorausgesetzt, er oder sie wird auch online “abgeholt”.

Aufmerksamkeit durch Relevanz.
Im wichtigsten Punkt hat Godin jedoch völlig recht: Menschen reagieren auch heute noch auf Werbung. Wenn sie sie in ihrem Umfeld finden, wenn sie sie persönlich anspricht und wenn sie – vor allem – persönlich relevant ist.

Werbung, egal ob für Firmen, NPO oder politische Kandidaten, muss und wird immer lokaler, spezieller und vor allem relevanter werden, um zu funktionieren.

Wie gross darf ein Problem sein?

Dienstag, 11. August 2009

Wir haben gestern das neueste Video von MSF United Kingdom auf YouTube gesehen und in der Fundraising-Gruppe auf Xing zur Diskussion gestellt. Die sich gemeldet haben, fanden es “eklig” bis “unethisch”.  Auch MSF selbst ist sich anscheinend nicht ganz sicher, was sie davon halten sollen, denn auf der Website von MSF UK wird das Video ganz offen zur Diskussion gestellt und um Feedback gebeten.

Als Fundraiser finden wir das Video nicht an sich schlecht oder unseriös.  Wir finden die Qualität (erkennbarer Ton-Loop) des Ganzen zwar etwas dürftig, aber die wirklich wichtige Frage stellt sich für uns in einem ganz anderen Zusammenhang:

Was bietet MSF dem Spender als Lösung gegen das beschriebene und gehörte Grauen?  MSF kann den Jungen medizinisch versorgen, aber wie sieht es mit der psychologischen Betreuung für ihn und seine vergewaltigten Schwestern aus? Kann MSF seine Eltern wieder lebendig machen, ihm neue Eltern verschaffen? Dafür sorgen, dass er trotz allem einigermassen gesund heranwächst? Dafür sorgen, dass solche Dinge in unserer Welt nicht mehr geschehen?

Wo steht also meine kleine Spende im Verhältnis zum Ausmass des im Video geschilderten Grauens? Gibt mir dieses Missverhältnis als Spender nicht eher ein machtloses als ein motivierendes Spendegefühl? Und, indem mich das Video diese unlösbaren Fragen stellen lässt, ist es nicht eher ein Eigentor für MSF?

Oder denken die meisten Spender gar nicht so weit? Was meinen Sie?

Wir haben diese Fragen auch Polly Markandya von MSF UK gestellt – sie schreibt dazu Folgendes (sinngemäss übersetzt):

«Ich stimme bei, dass der Spot zwar das Grauen, das wir in unserer Arbeit miterleben, gut zeigt. Aber vielleicht nicht so gut erklärt, wie wir helfen und was wir dagegen tun. Man kann in einem 60-Sekunden-Spot eben nur begrenzt Kommunikationsziele erreichen. Der Spot richtet sich daher vornehmlich an die breite Öffentlichkeit, die leider meist nicht wirklich nachdenken will über die Situation an Orten der Welt, die wir selbst so gut kennen. Wir hoffen daher, dass dieser direkte und erschütternde Audiospot die Menschen in ein Leben hineinzieht, das sich sehr von ihrem eigenen unterscheidet und ihnen bewusst macht, dass MSF eben an diese Orten ist und hilft.

Der Spot wurde von unserer Kommunikationsabteilung und unserer Pro Bono Werbeagentur McCann Erickson als Bewusstseins-Werbung kreiert, nicht so sehr als Direct-Response Fundraising-Werbung. Deshalb bricht der Spot auch einige “Fundraising-Regeln”.

Ich muss sagen, dass die Anzahl der Feedbacks, die wir erhalten haben, ob direkt wie Ihres oder auch via Blogs etc., zeigt, dass der Spot Menschen wirklich berührt – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne.

Ich verstehe völlig, wie verstörend das Audio ist und ich denke, für Eltern ist es besonders schwierig (ich habe selbst zwei kleine Kinder). Aber insgesamt denke ich, es wirkt und es ist weniger entwürdigend für das Kind als ein visuelles Bild seines Leidens.»

(Email von Polly Markandya, Interim Head of Communications, Medecins Sans Frontieres, London)

Wirkt weltweit.

Freitag, 07. August 2009

Eine NPO und ihr USP – auf gute Art auf den Punkt gebracht: die neue Dachmarkenkampagne von Ärzte ohne Grenzen «Wirkt weltweit!».

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Zahnpastawerbung versus Spendenappelle.

Freitag, 24. Juli 2009

Kolumnist Nicholas Kristof von der New York Times kritisiert in der Online-Ausgabe vom 8. Juli die  NPO-Kommunikation. Er fragt: «Warum sind so viele Menschen bereit, einem Fremden zu helfen, der direkt vor ihnen steht und so unwillens, den vielen Fremden zu helfen, die weit weg gegen Malaria, Armut oder Katastrophen kämpfen müssen?»

Er meint, einer der Gründe liege darin,  dass NPO so furchtbar ineffektiv seien, wenn es darum geht, ihre Arbeit zu verkaufen. Jede Zahnpastamarke würde mit mehr Raffinesse beworben als die lebensrettende Arbeit von NPO. Andererseits haben NPO seiner Meinung nach auch einen Hang zur Übertreibung, weshalb die Öffentlichkeit oft mehr auf die Wirksamkeit von Zahnpasta vertraue als auf die der humanitären Hilfe.

So zeige es sich zunehmend, dass es kontraproduktiv ist, wegen Millionen bedrohter Leben hysterisch grosse rote Fahnen zu schwenken, denn laut vielen Studienergebnissen, sind Menschen sowieso eher bereit, für eine einzelne bedürftige Person zu spenden als für mehrere. In einem Experiment baten Forscher zum Beispiel um Spenden für einen $300’000-Fonds, der entweder das Leben eines Kindes oder die Leben von acht Kindern retten sollte. Für das einzelne Kind wurde mehr gespendet.

Es gibt den Spruch «Ein Tod ist eine Tragödie, eine Million ist eine Statistik». Kristof meint, dass – schlimmer noch – rationale Spendenwerbung Empathie sogar verhindern kann. Laut einer anderen Studie spendeten Menschen grosszügig für Rokia, ein siebenjähriges unterernährtes Mädchen in Afrika. Aber als Rokias Probleme im Kontext des grösseren gesamtafrikanischen Hungerproblems dargestellt wurden, waren die Studienspender weniger bereit zu helfen.

Ein Grund könne darin liegen, dass Menschen meist spenden, um sich selbst gut zu fühlen. Das funktioniert am besten, wenn man einen Scheck ausstellt und das Problem so löst. Wenn man dagegen an die grösseren Probleme erinnert wird, die man als einzelner Mensch nie wird lösen können, verringert sich das gute Spenden-Gefühl und damit die Motivation.

Ein anderer Faktor sei die persönliche Verantwortung, bzw. die Frage, mit wie vielen Menschen man sich diese teilt. In einem Experiment arbeiteten Studenten an einer Aufgabe, während eine junge Frau hinter einen Vorhang ging, auf einen Stuhl kletterte, um etwas zu holen und hinunterfiel. Sie stöhnte und rief, dass ihr Knöchel verletzt sei und sie nicht aufstehen könne. Wenn die Person, die an der Aufgabe arbeitete, allein war, half sie der Frau in 70% der Fälle. Aber sobald jemand anderes mit im Raum war, der auch mit der Aufgabe beschäftigt war und nicht auf die Hilferufe reeagierte, versuchten nur noch 7% der Probanden zu helfen.

Im Kampf gegen die weltweite Armut gibt es Millarden von Zuschauern, die das Gefühl des Einzelnen für persönliche Verantwortung verringern. Wenn NPO darüber hinaus Texte verwenden, die die Grössse des Problems noch mehr betonen («25’000 Kinder werden heute sterben!») ist es fraglich, ob der potentielle Spender dadurch eher betäubt oder wachgerüttelt wird.

Kristof fragt auch, ob der unablässige Fokus auf dem Leiden und den vielen unerfüllten Bedürfnissen eine Art negative Gefühlswolke erzeugt, die mit dazu führt, dass Menschen die Augen abwenden und weitergehen. Er schlägt daher vor, dass NPO die vielen humanitären Erfolge – z.B. die Senkung der Kindertodesrate since 1990 – betone. Sie bedeutet immerhin, dass in jeder Stunde jeden Tages 400 Kinderleben gerettet werden können.


Unser Kommentar:

Wie so oft, stimmt mal wieder beides. Kristof hat recht und er hat unrecht. Keine Zahnpastamarke kann erfolgreich «leere» Tuben verkaufen. NPO dagegen «verkaufen» jeden Tag Produkte, die keinen direkten Nutzen bieten ausser einem guten Gefühl.

Trotzdem ist dieser Artikel sehr wertvoll für NPO, denn es ist immer wichtig zu wissen, wie Menschen archetypisch funktionieren. Es ist ebenso wichtig, die  Kommunikation nicht nur auf diese theoretischen Verhaltensweisen auszurichten, sondern auch auf die realen Bedürfnisse der eigenen Spender.  Und nicht, wie leider so oft, alle Spender über den gleichen Kommunikationskamm zu scheren. Es wird immer Spender geben, die nur auf ein Paar grosse traurige Augen mit einem Namen dran reagieren. Aber es gibt zunehmend eben auch Menschen, die über diese archetypischen Verhaltensweisen hinausdenken und mehr wissen wollen. Unterschätzen Sie Ihre Spender nicht.